Alles ist ewig von Otto Ernst
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In den morgenfrischen Bäumen |
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Hing ein letzter Hauch der Nacht, |
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Und die Blumen machten Augen |
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Wie ein Kind, wenn es erwacht – |
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Holder Schreck entriß mich plötzlich |
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Lächelnder Versunkenheit –: |
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Eine Rose hat geduftet |
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Wie ein Lied aus Kinderzeit! |
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Eilends sucht’ ich: Welche war es? – |
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Duft und Blüte weit und breit! – |
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Doch nicht and'ren Duft vernahm ich; |
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Aufgetan die Seele weit, |
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Ging ich atmend, dürstend, sehnend |
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Durch des Gartens Herrlichkeit – |
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Und ich hab’ sie nicht gefunden, |
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Die mich rief aus ferner Zeit. |
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O, ich seh’ es, euer Lachen, |
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Schnell und klug zum Spott bereit! |
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Seid gewiß, in regen Lüften |
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Weiß mein Herz von je Bescheid. |
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Aufgehoben bleibt im Ganzen |
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Jedes Atems leises Wehn; |
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Einst an einem großen Morgen |
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Wirst du’s lächelnd wiedersehn. |
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Eine Rose hat geduftet |
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Wie ein Klang aus Kinderzeit; |
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Duft und Klingen, Heut’ und Gestern |
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Weben all’ an einem Kleid. |
Details zum Gedicht „Alles ist ewig“
Otto Ernst
7
28
141
1907
Moderne
Gedicht-Analyse
Das Gedicht „Alles ist ewig“ wurde von Otto Ernst geschrieben, der von 1862 bis 1926 lebte. Somit kann es in die literarische Epoche des Naturalismus (1880-1900) oder des frühen 20. Jahrhunderts eingeordnet werden, abhängig davon, wann genau es verfasst wurde.
Das Gedicht macht auf den ersten Eindruck einen romantischen und sentimentalen Eindruck, der durch die Rückbesinnung auf Kindheit und Natur erzeugt wird.
Inhaltlich beschreibt das lyrische Ich, wie ein Geruch einer Rose Erinnerungen an seine Kindheit hervorruft. Diese scheinbar verlorene Vergangenheit wird intensiv gesucht, doch bleibt letztlich unerreichbar. Trotz spöttischer Reaktionen aus dem Umfeld bleibt das lyrische Ich davon überzeugt, dass nichts verloren geht und alles in der Welt aufgehoben und eines Tages wiederzufinden ist.
Die Aussage des lyrischen Ichs bezieht sich auf die Unsterblichkeit von Erinnerungen und Erfahrungen. Es drückt die tiefe Überzeugung aus, dass Erlebnisse und Gefühle, wie der Duft einer Rose aus der Kindheit, auch nach vielen Jahren wieder aufs Neue erfahren werden können.
In Bezug auf die Form des Gedichts fallen die gleichmäßigen Strophen auf, die je aus vier Versen bestehen. Der regelmäßige Rhythmus und das durchgehend verwendete Reimschema verleihen dem Gedicht eine beruhigende, fast meditative Wirkung, die das Thema der ewigen Wiederkehr und die melancholische Stimmung unterstreicht.
Die Sprache des Gedichts ist geprägt durch lebendige, naturnahe Bilder, die einen starken Bezug zur sensorischen Wahrnehmung aufweisen. Die Verwendung von Vergleichen, wie zum Beispiel die Rose, die wie ein Lied aus der Kinderzeit duftet, erzeugt eine intensive, emotionale Wirkung. Sie stellt eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen den Erinnerungen des lyrischen Ichs und seiner aktuellen Wahrnehmung der Natur her.
Weitere Informationen
Das Gedicht „Alles ist ewig“ stammt aus der Feder des Autors bzw. Lyrikers Otto Ernst. Ernst wurde im Jahr 1862 in Ottensen bei Hamburg geboren. Das Gedicht ist im Jahr 1907 entstanden. Erschienen ist der Text in Leipzig. Eine Zuordnung des Gedichtes zur Epoche Moderne kann aufgrund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors vorgenommen werden. Die Zuordnung der Epoche ist ausschließlich auf zeitlicher Basis geschehen. Bitte überprüfe unbedingt die Richtigkeit der Angaben bei Verwendung. Das 141 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 28 Versen mit insgesamt 7 Strophen. Der Dichter Otto Ernst ist auch der Autor für Gedichte wie „Das Gesicht der Wahrheit“, „Der Einsame“ und „Der Erbe“. Zum Autor des Gedichtes „Alles ist ewig“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 64 Gedichte vor.
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