An die Sonne von Friedrich Schiller

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Preis dir, die du dorten heraufstrahlst, Tochter des Himmels!
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Preis dem lieblichen Glanz
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Deines Lächelns, der alles begrüsset und alles erfreuet!
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Trüb in Schauern und Nacht
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Stand begraben die prächtige Schöpfung: todt war die Schönheit
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Lang dem lechzenden Blik:
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Aber liebevoll stiegst du früh aus dem rosigen Schoose
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Deiner Wolken empor,
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Wektest uns auf die Morgenröthe; und freundlich
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Schimmert diese herfür,
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Ueber die Berg’ und verkündete deine süsse Hervorkunft.
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Schnell begann nun das Graun
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Sich zu wälzen dahin in ungeheuern Gebürgen.
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Dann erschienest du selbst,
 
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Herrliche du, und verschwunden waren die neblichte Riesen!
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Ach! wie Liebende nun
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Lange getrennt liebäugelt der Himmel zur Erden, und diese
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Lächelt zum Liebling empor;
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Und es küssen die Wolken am Saume der Höhe die Hügel;
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Süsser athmet die Luft;
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Alle Fluren baden in deines Angesichts Abglanz
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Sich; und es wirbelt der Chor
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Des Gevögels aus der vergoldeten Grüne der Wälder
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Freudenlieder hinauf;
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Alle Wesen taumeln wie am Busen der Wonne:
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Seelig die ganze Natur!
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Und dieß alles o Sonn’! entquoll deiner himmlischen Liebe.
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Vater der Heil’gen vergieb,
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O vergieb mir, daß ich auf mein Angesicht falle
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Und anbete dein Werk! –
 
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Aber nun schwebet sie fort im Zug der Purpurgewölke
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Ueber der Könige Reich,
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Ueber die unabsehbarn Wasser, über das Weltall:
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Unter ihr werden zu Staub
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Alle Thronen, Moder die himmelaufschimmernden Städte;
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Ach! die Erde ist selbst
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Grabeshügel geworden. Sie aber bleibt in der Höhe,
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Lächelt der Mörderin Zeit
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Und erfüllet ihr groses Geschäft, erleuchtet die Sphären.
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O besuche noch lang
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Herrlichstes Fürbild der Edeln! mit mildem freundlichem Blicke
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Unsre Wohnung, bis einst
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Vor dem Schelten des Ewigen sinken die Sterne
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Und du selbsten erbleichst.

Details zum Gedicht „An die Sonne“

Anzahl Verse
3
Anzahl Zeilen
44
Anzahl Wörter
271
Entstehungsjahr
1782
Epoche
Sturm & Drang,
Klassik

Gedicht-Analyse

Friedrich Schiller ist der Autor des Gedichtes „An die Sonne“. Geboren wurde Schiller im Jahr 1759 in Marbach am Neckar, Württemberg. Entstanden ist das Gedicht im Jahr 1782. Stuttgart ist der Erscheinungsort des Textes. Die Entstehungszeit des Gedichtes bzw. die Lebensdaten des Autoren lassen eine Zuordnung zu den Epochen Sturm & Drang oder Klassik zu. Bei Schiller handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epochen. Das 271 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 44 Zeilen mit insgesamt 3 Versen. Die Gedichte „An Minna“, „An den Frühling“ und „An die Gesetzgeber“ sind weitere Werke des Autoren Friedrich Schiller. Auf abi-pur.de liegen zum Autoren des Gedichtes „An die Sonne“ weitere 219 Gedichte vor.

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