An Minna von Friedrich Schiller

Träum’ ich? Ist mein Auge trüber?
Nebelt’s mir ums Angesicht?
Meine Minna geht vorüber?
Meine Minna kennt mich nicht?
Die am Arme seichter Laffen
Blähend mit dem Fächer ficht,
Nimmer satt sich zu begaffen? –
Meine Minna ist es nicht.
 
Von dem Sonnenhute niken
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Stolze Federn, mein Geschenk,
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Schlaifen, die den Busen schmüken,
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Rufen: Minna, sei gedenk!
 
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Blumen, die ich selbst erzogen,
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Zieren Brust und Loken noch –
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Ach die Brust, die mir gelogen! –
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Und die Blumen blühen doch!
 
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Geh! umhüpft von leeren Schmeichlern!
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Geh! vergiß auf ewig mich.
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Ueberliefert feilen Heuchlern,
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Eitles Weib, veracht’ ich dich.
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Geh! dir hat ein Herz geschlagen,
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Dir ein Herz das edel schlug,
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Groß genug, den Schmerz zu tragen,
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Daß es einer Hure schlug.
 
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Schönheit hat dein Herz verdorben,
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Dein Gesichtchen! schäme dich.
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Morgen ist sein Glanz erstorben,
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Seine Rose blättert sich.
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Schwalben, die im Lenze minnen,
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Fliehen wenn der Nordwind weht;
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Buler scheucht dein Herbst von hinnen,
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Einen Freund hast du verschmäht.
 
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In den Trümmern deiner Schöne
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Seh ich dich verlassen gehn,
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Weinend in die Blumenscene
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Deines Mays zurüke sehn.
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Die mit heißem Liebesgeize
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Deinem Kuß entgegen flohn,
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Zischen dem erloschnen Reize,
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Lachen deinem Winter Hohn.
 
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Schönheit hat Dein Herz verdorben,
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Dein Gesichtgen! – schäme dich.
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Morgen ist sein Glanz erstorben,
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Seine Rose blättert sich –
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Ha! wie will ich dann dich höhnen!
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Höhnen? Gott bewahre mich!
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Weinen will ich bittre Thränen,
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Weinen Minna über dich.

Details zum Gedicht „An Minna“

Anzahl Verse
7
Anzahl Zeilen
48
Anzahl Wörter
230
Entstehungsjahr
1782
Epoche
Sturm & Drang,
Klassik

Gedicht-Analyse

Der Autor des Gedichtes „An Minna“ ist Friedrich Schiller. Der Autor Friedrich Schiller wurde 1759 in Marbach am Neckar, Württemberg geboren. Die Entstehungszeit des Gedichtes geht auf das Jahr 1782 zurück. Der Erscheinungsort ist Stuttgart. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autoren her lässt sich das Gedicht den Epochen Sturm & Drang oder Klassik zuordnen. Schiller ist ein typischer Vertreter der genannten Epochen. Das Gedicht besteht aus 48 Zeilen mit insgesamt 7 Versen und umfasst dabei 230 Worte. Weitere bekannte Gedichte des Autoren Friedrich Schiller sind „Aktäon“, „An den Frühling“ und „An die Gesetzgeber“. Zum Autoren des Gedichtes „An Minna“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 219 Gedichte vor.

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