Lied des James Monmouth von Theodor Fontane

Es zieht sich eine blutige Spur
Durch unser Haus von Alters,
Meine Mutter war seine Buhle nur
Die schöne Lucy Walters.
 
Am Abend war’s, leis wogte das Korn,
Sie küßten sich unter der Linde,
Eine Lerche klang und ein Jägerhorn, –
Ich bin ein Kind der Sünde.
 
Meine Mutter hat mir oft erzählt
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Von jenes Abends Sonne,
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Ihre Lippen sprachen: Ich habe gefehlt!
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Ihre Augen lachten vor Wonne.
 
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Ein Kind der Sünde, ein Stuartkind,
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Es blitzt wie Beil von weiten,
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Den Weg, den alle geschritten sind,
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Ich werd’ ihn auch beschreiten.
 
17 
Das Leben geliebt und die Krone geküßt
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Und den Frauen das Herz gegeben,
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Und den letzten Kuß auf das schwarze Gerüst, –
20 
Das ist ein Stuart-Leben.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (24.5 KB)

Details zum Gedicht „Lied des James Monmouth“

Anzahl Strophen
5
Anzahl Verse
20
Anzahl Wörter
116
Entstehungsjahr
vor 1854
Epoche
Realismus

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Lied des James Monmouth“ wurde von Theodor Fontane, einem deutschen Schriftsteller und Lyriker des Realismus, verfasst. Da Fontane von 1819 bis 1898 lebte, kann das Gedicht einer Zeitphase des späten 19. Jahrhunderts zugeordnet werden.

Auf den ersten Blick fällt die starke Emotionalität und Reverenz des Gedichts auf, welche auf eine tiefe persönliche Betroffenheit des lyrischen Ichs schließen lässt.

Inhaltlich berichtet das lyrische Ich von seiner Herkunft und Identität. Es sieht sich als das Produkt einer Affäre („Kind der Sünde“) zwischen seiner Mutter und dem Repräsentanten eines alten, blutbefleckten Hauses („blutige Spur“). Diese Affäre wird dabei romantisch („leis wogte das Korn, sie küssten sich“) und gleichzeitig dramatisch („Ich bin ein Kind der Sünde“) dargestellt. Da das Ich sich als „Stuartkind“ bezeichnet, wird sein Ursprung auf das historische Haus Stuart zurückgeführt. Dieses Haus ist geprägt durch Skandale, Macht und Fallen, die das Ich akzeptiert und nach welchem er sein Leben ausrichten wird, auch wenn das bedeutet, dass er das gleiche Schicksal – Tod am „schwarzen Gerüst“ – erwartet.

Die Form des Gedichts ist klassisch: es besteht aus fünf vierzeiligen Strophen, deren Reimschema alternierend ist (abab). Die Sprache ist klar, emotional und bildhaft, mit vielen starken Metaphern wie die „blutige Spur“, „Stuartkind“, und die „schwarze Gerüst“. Außerdem verwendet Fontane historische Referenzen, die das Gefühl von Tradition und historischer Bestimmung verstärken.

Zusammenfassend ist „Lied des James Monmouth“ eine tiefe Reflexion über Geschichte, Identität und Schicksal, in der das Individuum seine Position innerhalb eines größeren historicalen Kontexts versteht und das eigene Schicksal annimmt. Da das lyrische Ich seine Herkunft und Geschichte offenbart, wird seine Entscheidung, den Weg seines Vorfahren zu gehen, umso eindrücklicher. Es zeigt auf, dass das individuelle Schicksal oft untrennbar mit der Familiengeschichte verknüpft ist.

Weitere Informationen

Der Autor des Gedichtes „Lied des James Monmouth“ ist Theodor Fontane. Geboren wurde Fontane im Jahr 1819 in Neuruppin. 1854 ist das Gedicht entstanden. In Stuttgart und Berlin ist der Text erschienen. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her lässt sich das Gedicht der Epoche Realismus zuordnen. Der Schriftsteller Fontane ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche. Das vorliegende Gedicht umfasst 116 Wörter. Es baut sich aus 5 Strophen auf und besteht aus 20 Versen. Weitere Werke des Dichters Theodor Fontane sind „An Marie“, „An meinem Fünfundsiebzigsten“ und „Auf der Treppe von Sanssouci“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Lied des James Monmouth“ weitere 214 Gedichte vor.

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