An meinem Fünfundsiebzigsten von Theodor Fontane

Hundert Briefe sind angekommen,
Ich war vor Freude wie benommen,
Nur etwas verwundert über die Namen
Und über die Plätze, woher sie kamen.
 
Ich dachte, von Eitelkeit eingesungen:
Du bist der Mann der „Wanderungen“,
Du bist der Mann der märk’schen Gedichte,
Du bist der Mann der märk’schen Geschichte,
Du bist der Mann des alten Fritzen
10 
Und derer, die mit ihm bei Tafel sitzen,
11 
Einige plaudernd, andre stumm,
12 
Erst in Sanssouci, dann in Elysium;
13 
Du bist der Mann der Jagow und Lochow,
14 
Der Stechow und Bredow, der Quitzow und Rochow,
15 
Du kanntest keine größeren Meriten,
16 
Als die von Schwerin und vom alten Zieten,
17 
Du fandst in der Welt nichts so zu rühmen,
18 
Als Oppen und Groeben und Kracht und Thümen;
19 
An der Schlachten und meiner Begeisterung Spitze
20 
Marschierten die Pfuels und Itzenplitze,
21 
Marschierten aus Uckermark, Havelland, Barnim,
22 
Die Ribbecks und Kattes, die Bülow und Arnim,
23 
Marschierten die Treskows und Schlieffen und Schlieben –
24 
Und über alle hab’ ich geschrieben.
 
25 
Aber die zum Jubeltag kamen,
26 
Das waren doch sehr, sehr andre Namen,
27 
Auch „sans peur et reproche“, ohne Furcht und Tadel,
28 
Aber fast schon von prähistorischem Adel:
29 
Die auf „berg“ und auf „heim“ sind gar nicht zu fassen,
30 
Sie stürmen ein in ganzen Massen,
31 
Meyers kommen in Bataillonen,
32 
Auch Pollacks und die noch östlicher wohnen;
33 
Abram, Isack, Israel,
34 
Alle Patriarchen sind zur Stell’,
35 
Stellen mich freundlich an ihre Spitze,
36 
Was sollen mir da noch die Itzenplitze!
37 
Jedem bin ich was gewesen,
38 
Alle haben sie mich gelesen,
39 
Alle kannten mich lange schon,
40 
Und das ist die Hauptsache ..., „kommen Sie, Cohn“.

Details zum Gedicht „An meinem Fünfundsiebzigsten“

Anzahl Verse
3
Anzahl Zeilen
40
Anzahl Wörter
258
Entstehungsjahr
1894
Epoche
Realismus

Gedicht-Analyse

Theodor Fontane ist der Autor des Gedichtes „An meinem Fünfundsiebzigsten“. Geboren wurde Fontane im Jahr 1819 in Neuruppin. Die Entstehungszeit des Gedichtes geht auf das Jahr 1894 zurück. Berlin ist der Erscheinungsort des Textes. Die Entstehungszeit des Gedichtes bzw. die Lebensdaten des Autoren lassen eine Zuordnung zur Epoche Realismus zu. Der Schriftsteller Fontane ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche. Das vorliegende Gedicht umfasst 258 Wörter. Es baut sich aus 3 Versen auf und besteht aus 40 Zeilen. Theodor Fontane ist auch der Autor für Gedichte wie „An Lischen“, „An Marie“ und „Auf der Treppe von Sanssouci“. Auf abi-pur.de liegen zum Autoren des Gedichtes „An meinem Fünfundsiebzigsten“ weitere 211 Gedichte vor.

Weitere Gedichte des Autoren Theodor Fontane (Infos zum Autor)

Zum Autoren Theodor Fontane sind auf abi-pur.de 211 Dokumente veröffentlicht. Alle Gedichte findest auf der Übersichtsseite des Autoren.