A Gschichtle vom guata Philipp Neri von Michel Buck

Ihr Leut, jetz, wenn ar losa want:
Vôar altem ischt im Oberland
Der Heiland au môl gwandlat
Mit seine Jünger Winterszeit,
Dô haunt so grobi Bouraleut
Dia dreizeah’ übel bhandlat.
 
Nô Beatläut gauhnt se dur a'n Ôat
Und wandlet hungrig dur da Kôat,
Se möchtet übernachta.
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Koi’ Wiatshous ischt it dinna gsei’
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Und d Boura launts au neana’ nei’,
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Des ischt jô zum Verschmachta.
 
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Jetz wo sie voar am Fleacka da’
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Zum letschta Häusle kommet na’,
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Sait Petras: „Soll i klopfa?
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Wenns dô it noh a Herbearg geit,
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Nôch sind mer frei uff d Gassa keit'
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Von deani grobi Tropfa.“
 
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Em Heiland gôht dear Jomer nô,
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Ear winkt em Petras froindli: „jô“,
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Ear thät gean d Jüngar speisa
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Und trückna uffam Ofabank.
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Doch ob Sant Petras kriagt da Rank,
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Des wead se glei gauh’ weisa.
 
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Ear klopft, dô guckt a’n alter Ma’
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Dur s Fei’schter rous dia Jünger a’
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Und sait: „Was isch s Begeahra
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So spôt noh in der Ôbedzeit,
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Wos niana’ nix maih z jeasset geit?
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Was want er mi dô scheara?
 
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I bi’n a’n armer alter Ma',
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Wo schier koi’ Gois verhalta ka’,
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Suscht bhielt i ui jô geara.
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Gauhnt lieber zua die Boura nei’,
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Dött könnt noh eabbas glôibat sei’.
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Zwôr s könnt au dött nix weara.“
 
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Der Petras sait: „Dött sind mer gsei’,
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Ma’ lôht üs aber neana nei’,
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Doch sei en des verziga.
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Gant üs nu’s Dach, mer want koi’ Koscht
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Aß nu’ a bitzle Brot und Moscht,
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Mer want uff d Bühne liega.“
 
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Druff na’ dô sait der Ma’, der alt:
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„So kommet rei’, i muaß ui halt
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Jetz gauh’ in d Stuba streua.
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Wôrum? i hau’n a gotzigs Bett,
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Wenns uja Moischtar neamma wött,
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Nôch thät mis wäger freua.“
 
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Ear rieglat s Häusle wôlli ouf,
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Dô tritt er ei’, der Jüngerhouf,
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Und stellt se um da’n Ofa.
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Der Alt sait: „Machets ui kommod
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Und schneidet au a Räu’ftle Brot
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Vom Beck von Aderezhofa.
 
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I koch ui glei en schwaza Brei,
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Iahr wissets wohl, s ischt bald verbei,
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Sobald ern hairet pfluttra.
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Dött stôht a Krousa Biaramoscht,
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I mach a seall, und füar da Froscht
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Stôht dött a Brennts, a Guttra.“
 
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Dia Jünger greifet bschoidli zua,
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Se wäret liaber in der Ruah,
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Und trücknet iahri Gwänder
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Und henkets rum um d Ofastang,
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Denn ällz ischt pflatschnaß, kuz und lang,
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Seis Mantel oder Lender.
 
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Nu’ mittlerzeit isch kochat gsei’,
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Ma’ bringt dia gloschtig Pfanna rei’,
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Der Heiland thut se bsanga.
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Und wia se haunt dô beatet ghett,
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Nôch sieht ma’ d Jünger dô und dött
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Mit Braut ins Muas nei’ langa.
 
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Und nô em Jeassa haunt se dankt
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Und nô die truckni Mäntel glangt,
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Sind uff da Boda gleaga,
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Und seall der Heiland leit uff d Streu,
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Ma’ hairt von koim koi’ Wöatli maih,
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Nu’ dussa noh da Reaga.
 
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Am Moanzi kocht der froindli Alt
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Glei wieder Muas, ear hôt suscht halt
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Nix weiter ghett zum Kocha,
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Und sait: „Jeatz neammet so fürliab,
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Gauhnt gmach, as ischt jetz nimma trüab,
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Denn s Weattar ischt jetz brocha.“
 
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Sant Petras sait: „Mer gauhnt glei fott,
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D Gaschtiering, Ma’, vergealt ui Gott,
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Mer könnet ui it zähla;
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Doch wenn er jeabbas wäu’scha want,
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Des haunt er, truile, in der Hand,
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Er däaffet nu’ grad wähla.“
 
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„Hm!“ sait der Alt, „was wött i gschwind?
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Zum aischta, daß mer bis ans End
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Mei’ Bom vol Biara hangat;
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Zum andra sei mer weiter bstimmt,
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Daß wear au’ghoissa uffen klimmt,
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Wia feschtgleimt anam bhangat;
 
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Zum dritta, daß a jeder Ma’,
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Wo in mein Stuahl beim Ofa da’
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Au’ghoissa sitzt, sei banna
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Und hocka muaß, so lang i will.
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I moi’, dô wäu’sch i doch it z vill,
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Des sei it drübert danna.“
 
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Sant Petras sait: „So soll as sei’,“
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Und geit nôch noh da Seaga drei’,
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„Bhüagott! mer müasset weiter.“
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Der Alt, dear folgat froindli ous
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Und zoigt da Weag dur s Eschle nous,
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Wia weiter, wia verschneiter!
 
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Was gschieht? Der Alt thuat Biara ra,
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Dô schreit der Taud ins Gätle na:
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„So? thuat ma’ Biara schüttla?“
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„Pressiarts a so?“ sait druff der Alt,
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„Du kommscht mer noh a wengli z bald!
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Wia? lôht se nix maih mittla?
 
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Gang, kloub mer liabar d Biara’n ouf!“
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Der Taud klimmt zonnig zuanam nouf,
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„I will der Biara klouba!
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Gib acht, i beutla diar da Schopf
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Und reiß dern ra mit zannt em Zopf
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Und zannt der Zipfelhouba!“
 
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Der Philipp juckt in d Rätich na,
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Der Taud will wôlli rutscha ra,
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Dô bleibt er aber bhanga,
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Und wia’n er zockt und wia’n er thuat,
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As hilft en nix bei äller Wuat,
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Ear ischt und bleibt jeatz gfanga.
 
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Ear beattlat: „Philipp, laß mi gauh’!
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Du woischt jô, wia’n i Arbet hau’.
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Was thuar i denn dô hoba?
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Woisch, wenn der Taud it mäht und wetzt,
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Ischt d Wealt in Bäldi übersetzt,
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Des wur au neamad loba.“
 
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Mei’ Philipp sait: „Des ischt a Gfôhr!
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Du kanscht füar gradous hundert Jôhr
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Dei’ Freiat wieder kaufa,
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Und kommsch mer voar it maih ins Hous,
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So ischt der Handel a’sa’ ous,
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Nôch laß di wieder laufa.“
 
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Der Taud ischt frauh und gôhts so ei’:
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„I muaß pressant in Fleacka nei’,“
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Drei Boura muaß i holla!“
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Em Philipp thuats koi’ bitzle ahnd;
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Weils voli hundert Jährla sand,
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So lachat ar en Scholla.
 
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Doch d Zeit verrinnt so nô und nô,
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Der Taud stôht oi’smôls wieder dô
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Und sait: „Jetz muascht maschiara!“
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Der Philipp moint: „Pressiarts so gschwind?
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I schreib nu’ noh mei' Teschtament,
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Nôch ka’ ma’s jô rischkiara.“
 
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Der Taud sait: „Nu’, so mach voara’,
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Du füahrsch mi desmôl nimma’ a’,
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Schreib doch it so vel Böga!“
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Sitz au'verdanks in Seassal nei’,
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Dô muaß er dinna bannat sei’
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Und ka’ se nimma rega.
 
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Ear schreit: „Was du a Schlinkel bischt!
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Jetz hôsch mi wieder so vertwischt,
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I bitt di, Philipp Neri,
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Gang, laß mi ussam Seassal gauh’,
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I gi de alt Dilatiau’,
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Nô aber hôt as Höri.
 
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Der Philipp lacht: „Meintweaga, jô!“
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Der Taud lauft seiner Arbet nô
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Und hôt a Zeit, a hearba.
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Doch voar der Alt reacht nôchi denkt,
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Kommt schau’ der Taud derhear und winkt,
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Ischt wieder Zeit zum Stearba.
 
169 
„Jeatz desmôl gang i geara mit,“
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Sait Philipp, „füahr mi zaischt, i bitt,
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Ins Feagfuir zua de Litza!
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I möcht nô meiner Alta seah’,
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Sie ischt so bais im Leaba gwea’,
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Dui muaß gwis ghörig schwitza.“
 
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Dô kommet se voar s Höllathôar,
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Dô stôht der Tuifel grad dervoar
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Und sait: „So bringscht en Brôta?“
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„Noi’ wäger,“ sait der Taud druff na’,
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„As ischt a’n altar, braver Ma’,
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Dô hôsch as it verrôta.““
 
181 
„So?“ sait der Tuifel, „halt nu’ still!
182 
Jetz, wenn er mit mer pascha will,
183 
I wött sei’ Alti setza.“
184 
Der Philipp denkt: „Hm! wôgs a môl,
185 
Was sollet dô dia Höllastrôhl
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Dei’ Alti maih verkrätza?“
 
187 
Ear wirft da haischta Pasch und gwinnt.
188 
Des hôt da Duixel sakrisch brennt:
189 
„„S gilt noh zwua Saila!““ schreit er.
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Der Philipp wirft und gwinnt dia zwua
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Und nôch noh neu’. „Halt! jetz isch gnua!“
192 
Schreit dô der Tuifel läuter
 
193 
Und bröllat grad aß wia a Kuah
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Und fährt in d Höll und rieglat zua
195 
Und lôht se nimma blicka.
196 
Der Taud füahrt Philipp mit em Gwinnscht
197 
Zum Himmel, sait: „Bischt it der mindscht,
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S wead diar dô au noh glücka.“
 
199 
Sant Petras guckt beim Fei’schter rous
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und schreit: „Was geits? wear will ins Hous?“
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Und thuat se grauß verstauna,
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Wia’n ear da Lipp sieht dussa stauh’,
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Und denkt: „Was will mei’ Alter gauh’
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Mit deani zwölf Persauna?“
 
205 
„„I möcht halt nu’ in Himmel nei’,
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De andre zwölfe, dia sind mei’,
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I hau’ dia Saila gwonna.“
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Sant Petras sait: „Des sind mer z vill,
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Und zua dem, was in Himmel will,
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Sieht it so halbverbronna.“
 
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„Ai!“ sait philipp, „denket dra’:
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S haunt dreizeah’ au beim alta Ma’
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Zuar Naut a Plätzle funda;
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Drum neammets heu’t it gar so gnô
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Und launt die andre hinta nô,
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Se sind schau’ ghörig gschunda.
 
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As ischt mei’ Weib, mei’ Gvatterma’,
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Nôch Deißlabour und Julia’,
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Kuz, Saila, weiß wia Semmel.“
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„Nu’, nu’, sait Petras, „nu’ mei’thalb,
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Nôch nimm i d Kuah mit sannt em Kalb.
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So kommet rei’ in Himmel!“

Details zum Gedicht „A Gschichtle vom guata Philipp Neri“

Autor
Michel Buck
Anzahl Verse
37
Anzahl Zeilen
222
Anzahl Wörter
1369
Entstehungsjahr
bis 1888
Epoche
Realismus,
Naturalismus

Gedicht-Analyse

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „A Gschichtle vom guata Philipp Neri“ des Autoren Michel Buck. Buck wurde im Jahr 1832 in Ertingen, Oberamt Riedlingen geboren. Die Entstehungszeit des Gedichtes geht auf das Jahr 1888 zurück. Der Erscheinungsort ist Stuttgart. Eine Zuordnung des Gedichtes zu den Epochen Realismus oder Naturalismus kann auf Grund er Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autoren vorgenommen werden. Bei Verwendung der Angaben zur Epoche, prüfe bitte die Richtigkeit der Zurodnung. Die Auswahl der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen und muss daher nicht unbedingt richtig sein. Das Gedicht besteht aus 222 Zeilen mit insgesamt 37 Versen und umfasst dabei 1369 Worte. Der Dichter Michel Buck ist auch der Autor für Gedichte wie „D Bäarasteachar“, „D Hummeler“ und „D Muatarsprôch“. Zum Autoren des Gedichtes „A Gschichtle vom guata Philipp Neri“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 55 Gedichte vor.

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