Besuch in der Landes-Heilanstalt von Joachim Ringelnatz
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Wie freute sich dieser idiotische Knabe, |
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Als ich ihn einmal besucht habe! |
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Er dankte mit zitternder Hand. |
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Denn seine Anstalt ist fernes und weites, |
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Ist abgeschlossenes, niemals befreites, |
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Verwunschenes Land. |
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Und ist dort alles aufs beste erwogen |
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Und alles mit Güte durchdacht. |
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Es wird der Sonne Strahl vor der Nacht |
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Doch abgebogen. |
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Nun fragt mein Fragen: Warum ihr seid, |
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Die ihr nicht wacht und auch nicht schlaft? |
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Und wen das tausendfache Leid, |
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Das mit euch geht, wohl lohnt und straft? |
Details zum Gedicht „Besuch in der Landes-Heilanstalt“
Joachim Ringelnatz
3
14
80
1932
Moderne,
Expressionismus
Gedicht-Analyse
Das vorliegende Gedicht ist „Besuch in der Landes-Heilanstalt“ von Joachim Ringelnatz, ein deutscher Dichter und Schriftsteller, der von 1883 bis 1934 lebte. Dies legt nahe, dass das Gedicht in Deutschland zur Zeit der Weimarer Republik oder früher entstanden ist.
Auf den ersten Blick erscheint das Gedicht recht düster und thematisiert die Isolation und das Leid von Menschen in einer Heilanstalt. Die Hauptfigur ist ein junger Bewohner der Anstalt, der als „idiotischer Knabe“ beschrieben wird und offensichtlich unter einer schweren geistigen oder psychischen Krankheit leidet.
Das lyrische Ich des Gedichts, wahrscheinlich der Dichter selbst, besucht den Bewohner und beschreibt, wie sich dieser über den Besuch freut, und dass die Anstalt für ihn wie ein „verwunschenes Land“ ist, aus dem es kein Entkommen gibt. Trotz aller guten Absichten und Empathie der Besucher, wird die Sonne der Hoffnung doch immer wieder „abgebogen“, das heißt, es besteht kein Aussicht auf Heilung oder Verbesserung.
Das Gedicht stellt in Frage, warum diese Personen in derartigen Zuständen leben müssen („Warum ihr seid, Die ihr nicht wacht und auch nicht schlaft?“) und wer bzw. was von ihrem Leiden profitiert oder sie dafür bestraft („Und wen das tausendfache Leid, Das mit euch geht, wohl lohnt und straft?“).
Die Form und Sprache des Gedichts sind gekennzeichnet durch einen klaren und deutlichen Stil. Obwohl es Reim und Rhythmus gibt, verwendet Ringelnatz wenig erhabene oder blumige Sprache. Stattdessen sind seine Worte direkt und scharf, was das dramatische Thema des Gedichts unterstreicht. Die Einteilung in drei Strophen spiegelt den Besuchsablauf (Ankunft, Beobachtung und Reflexion) wider und strukturiert die geäußerten Gedanken des lyrischen Ichs.
Weitere Informationen
Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Besuch in der Landes-Heilanstalt“ des Autors Joachim Ringelnatz. 1883 wurde Ringelnatz in Wurzen geboren. Das Gedicht ist im Jahr 1932 entstanden. In Berlin ist der Text erschienen. Aufgrund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors kann der Text den Epochen Moderne oder Expressionismus zugeordnet werden. Bei dem Schriftsteller Ringelnatz handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epochen. Das 80 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 14 Versen mit insgesamt 3 Strophen. Weitere bekannte Gedichte des Autors Joachim Ringelnatz sind „Abschied von Renée“, „Abschiedsworte an Pellka“ und „Afrikanisches Duell“. Zum Autor des Gedichtes „Besuch in der Landes-Heilanstalt“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 560 Gedichte vor.
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