Joachim Ringelnatz ist das Pseudonym des deutschen Autors und Malers Hans Bötticher. In seiner Jugend war er Seemann und verbrachte den Ersten Weltkrieg bei der Marine auf einem Minenräumer. In den 1920er und 1930er Jahren arbeitete er als Kabarettist. Er ist vor allem für seine schiefen Gedichte bekannt, die oft Wortspiele verwenden und manchmal an Unsinn-Poesie grenzen. Einige von ihnen sind ähnlich wie die von Christian Morgenstern, aber oft satirischer im Ton und manchmal subversiv. Seine beliebteste Kreation ist der anarchische Seemann Kuddel Daddeldu mit seinen betrunkenen Possen und seiner Verachtung für Autorität.
In seinen letzten dreizehn Jahren war Ringelnatz auch ein engagierter und produktiver bildender Künstler; der Großteil seiner Kunst scheint im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen zu sein, aber über 200 Gemälde und Zeichnungen sind erhalten geblieben. In den 1920er Jahren wurden einige seiner Arbeiten zusammen mit denen seiner Zeitgenossen Otto Dix und George Grosz in der Akademie der Künste ausgestellt. Ringelnatz illustrierte auch seinen eigenen Roman "...liner Roma....". (1923), dessen Titel ein doppelt abgeschnittener "Berliner Roman" ist, denn "Berliner Romane haben in der Regel keinen ordentlichen Anfang und kein ordentliches Ende".
1933 wurde er von der NS-Regierung als "entarteter Künstler" verboten. Dennoch ist sein teils skurril, expressionistisch, witzig und geistreich geprägtes Werk noch heute bekannt. Ringelnatz hatte den Aufstieg der NSDAP lange nicht ernst genommen. Noch 1930 schrieb er in einem Brief: „Der Hitler-Rummel lässt mich kalt.“ 1933 erteilen die an die Macht gekommenen Nationalsozialisten Ringelnatz Auftrittsverbote in Hamburg und München. In Dresden wurde er sogar von der Bühne geholt. Die meisten seiner Bücher wurden beschlagnahmt oder verbrannt.
Weil die Bühnenauftritte die Haupteinnahmequelle des Ehepaares Ringelnatz gewesen waren, verarmten er und seine Frau in den folgenden Jahren. Erste Symptome der Tuberkulose, an der Ringelnatz letztlich auch verstarb, traten auf.
1934 konnte Ringelnatz, der nur unter großen Schwierigkeiten einen Pass erhalten hatte, noch Gastspiele in Basel und Zürich absolvieren, dann brach seine Krankheit jedoch endgültig aus. Freunde halfen dem nun fast völlig mittellosen Paar durch öffentliche Aufrufe und private Spendenaktionen, die Sanatoriumsaufenthalte zu bezahlen. Ringelnatz begann noch ein Prosawerk (Der letzte Roman), das nur noch als Fragment aus dem Nachlass erschien. Am 3. Oktober wurde er auf eigenen Wunsch aus dem Sanatorium entlassen und verstarb am 17. November in seiner Wohnung am Sachsenplatz (heute Brixplatz) in Berlin.