Menschliches Elend von Georg Trakl

Die Uhr, die vor der Sonne fünfe schlägt –
Einsame Menschen packt ein dunkles Grausen,
Im Abendgarten kahle Bäume sausen.
Des Toten Antlitz sich am Fenster regt.
 
Vielleicht, daß diese Stunde stille steht.
Vor trüben Augen blaue Bilder gaukeln
Im Takt der Schiffe, die am Flusse schaukeln.
Am Kai ein Schwesternzug vorüberweht.
 
Im Hasel spielen Mädchen blaß und blind,
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Wie Liebende, die sich im Schlaf umschlingen.
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Vielleicht, daß um ein Aas dort Fliegen singen,
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Vielleicht auch weint im Mutterschoß ein Kind.
 
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Aus Händen sinken Astern blau und rot,
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Des Jünglings Mund entgleitet fremd und weise;
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Und Lider flattern angstverwirrt und leise;
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Durch Fieberschwärze weht ein Duft von Brot.
 
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Es scheint, man hört auch gräßliches Geschrei;
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Gebeine durch verfallne Mauern schimmern.
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Ein böses Herz lacht laut in schönen Zimmern;
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An einem Träumer läuft ein Hund vorbei.
 
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Ein leerer Sarg im Dunkel sich verliert.
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Dem Mörder will ein Raum sich bleich erhellen,
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Indes Laternen nachts im Sturm zerschellen.
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Des Edlen weiße Schläfe Lorbeer ziert.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (25.9 KB)

Details zum Gedicht „Menschliches Elend“

Autor
Georg Trakl
Anzahl Strophen
6
Anzahl Verse
24
Anzahl Wörter
161
Entstehungsjahr
1913
Epoche
Expressionismus

Gedicht-Analyse

Der Autor des Gedichtes „Menschliches Elend“ ist Georg Trakl. Trakl wurde im Jahr 1887 in Salzburg geboren. Entstanden ist das Gedicht im Jahr 1913. Erscheinungsort des Textes ist Leipzig. Anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her kann der Text der Epoche Expressionismus zugeordnet werden. Trakl ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche. Das Gedicht besteht aus 24 Versen mit insgesamt 6 Strophen und umfasst dabei 161 Worte. Die Gedichte „Die Ratten“, „Die junge Magd“ und „Die schöne Stadt“ sind weitere Werke des Autors Georg Trakl. Zum Autor des Gedichtes „Menschliches Elend“ haben wir auf abi-pur.de weitere 60 Gedichte veröffentlicht.

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