Alexis und Dora von Johann Wolfgang von Goethe

Ach! unaufhaltsam strebet das Schiff, mit jedem Momente,
Durch die schäumende Fluth, weiter und weiter hinaus!
Lange Furchen hinter sich ziehend, worinn die Delphine
Springend folgen, als flöh ihnen die Beute davon.
Alles deutet die glücklichste Fahrt, der ruhige Schiffer
Ruckt am Seegel, gelind, das sich statt seiner bemüht:
 
Alle Gedanken sind vorwärts gerichtet, wie Flaggen und Wimpel,
Nur Ein Trauriger steht, rückwärts gewendet, am Mast,
Sieht die Berge schon blau, die scheidenden, sieht in das Meer sie
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Niedersinken, es sinkt jegliche Freude vor ihm.
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Auch dir ist es verschwunden das Schiff, das deinen Alexis,
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Dir, o Dora, den Freund, dir, ach! den Bräutigam raubt.
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Auch du blickest vergebens nach mir. Noch schlagen die Herzen
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Für einander, doch, ach! nun aneinander nicht mehr.
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Nur Ein Augenblick war’s in dem ich lebte, der wieget
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Alle Tage, die sonst kalt mir verschwindenden, auf.
 
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Nur Ein Augenblick war’s, der letzte, da stieg mir ein Leben,
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Unvermuthet in dir, wie von den Göttern herab.
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Nur umsonst verklärst du mit deinem Lichte den Aether,
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Phöbus, mir ist er verhasst dieser alleuchtende Tag.
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In mich selber kehr ich zurück, da will ich im stillen
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Wiederholen die Zeit, als sie mir täglich erschien.
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War es möglich, die Schönheit zu sehen und nicht zu empfinden?
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Würkte der himmlische Reitz nicht auf dein stumpfes Gemüth?
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Klage dich Armer nicht an! – So legt der Dichter ein Rätzel,
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Künstlich mit Worten verschränkt, oft der Versammlung ins Ohr.
 
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Jeden freut die seltne Verknüpfung der zierlichen Bilder,
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Aber noch fehlet das Wort, das die Bedeutung verwahrt,
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Ist es endlich gefunden, dann heitert sich jedes Gemüth auf,
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Und erblickt im Gedicht doppelt erfreulichen Sinn.
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Ach warum so spät, o Amor, nahmst du die Binde,
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Die du ums Aug’ mir geknüpft, warum zu spät mir hinweg?
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Lange harrte das Schiff, befrachtet, auf günstige Lüfte,
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Endlich strebte der Wind, glücklich, vom Ufer ins Meer.
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Leere Zeiten der Jugend! und leere Träume der Zukunft!
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Ihr verschwindet, es bleibt einzig die Stunde mir nur;
 
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Ja sie bleibt, es bleibt mir das Glück! ich halte dich Dora!
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Und die Hoffnung zeigt, Dora, dein Bild mir allein.
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Oefter sah ich dich gehn zum Tempel, geschmückt und gesittet,
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Und das Mütterchen ging feyerlich neben dir her.
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Eilig warst du und frisch, zu Markte die Früchte zu tragen
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Und vom Brunnen, wie kühn, wiegte dein Haupt das Gefäß.
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Da erschien erst dein Hals, erschien dein Nacken vor allen,
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Und vor allen erschien deiner Bewegungen Maaß.
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Oftmals hab’ ich gesorgt, es möchte der Krug dir entstürzen,
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Doch er hielte sich stet auf dem geringelten Tuch.
 
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Schöne Nachbarinn! so war ich gewohnt dich zu sehen,
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Wie man die Sterne sieht, wie man den Mond sich beschaut,
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Sich an ihnen erfreut, und in dem ruhigen Busen
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Nicht der entfernteste Wunsch sie zu besitzen sich regt.
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Jahre! so gingt ihr dahin! Nur zwanzig Schritte getrennet
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Waren die Häußer und nie hab’ ich die Schwelle berührt.
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Und nun trennt uns die gräßliche Woge! du lügst nur den Himmel
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Welle! dein herrliches Blau ist mir die Farbe der Nacht.
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Alles rührte sich schon, da kam ein Knabe gelaufen,
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An mein väterlich Haus, rief mich zum Strande hinab.
 
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Schön erhebt sich das Segel, so sprach er, es flattert im Winde,
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Und gelichtet, mit Kraft, trennt sich der Anker vom Sand.
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Komm, Alexis, o komm! da drückte der wackre Vater,
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Segnend, die würdige Hand mir auf das lockige Haupt,
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Sorglich reichte die Mutter ein nachbereitetes Bündel.
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Glücklich kehre zurück! riefen sie, glücklich und reich.
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Und so sprang ich hinweg, das Bündelchen unter dem Arme,
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An der Mauer hinab, fand an der Thüre dich stehn
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Deines Gartens, du lächeltest mir und sagtest: Alexis!
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Sind die lärmenden dort deine Gesellen der Fahrt?
 
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Fremde Gegenden wirst du besuchen und köstliche Waaren
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Wiederbringen, und Schmuck reichen Matronen der Stadt.
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Aber bringe mir auch ein leichtes Kettchen, ich will es
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Dankbar bezahlen, schon oft hab’ ich die Zierde gewünscht.
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Stehen war ich geblieben und fragte, nach Weise des Kaufmanns,
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Erst nach Form und Gewicht deiner Bestellung genau.
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Gar bescheiden erwogst du den Preiß, da blickt ich indessen
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Nach dem Halse, des Schmucks unserer Königin werth.
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Immerfort tönte das Rufen der Schiffer, da sagtest du freundlich:
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Nimm aus dem Garten noch einige Früchte mit dir!
 
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Nimm die reifsten Orangen, die weißen Feigen, das Meer bringt
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Keine Früchte, sie bringt jegliches Land nicht hervor.
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Und so trat ich herein, du brachst nun die Früchte, geschäftig,
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Und die goldene Last zog das geschürzte Gewand.
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Oefters bat ich: es sey nun genug! und immer noch eine
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Schönere Frucht fiel dir leise berührt in die Hand.
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Endlich warst du zur Laube gekommen, da fandst du ein Körbchen
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Und die Myrthe bog, blühend, darüber sich hin.
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Schweigend begannest du nun, geschickt, die Früchte zu ordnen,
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Erst die Orange, die schwer ruht, als ein goldener Ball,
 
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Dann die weichliche Feige, die jeder Druck schon entstellet,
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Und mit Myrthe bedeckt ward und geziert das Geschenk.
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Aber ich hob es nicht auf, ich ging nicht, wir sahen einander
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In die Augen und mir ward vor dem Auge so trüb.
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Deinen Busen fühlt ich an meinem! den herrlichen Nacken!
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Ihn umschlang nun mein Arm, tausendmal küßt ich den Hals.
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Mir war dein Haupt auf die Schulter gesunken, nun knüpften auch deine
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Lieblichen Arme das Band um den Beglückten herum.
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Amors Hände fühlt ich, er drückt uns gewaltig zusammen,
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Und aus heiterer Luft donnert es dreymal. Da floß
 
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Häufig die Thräne vom Aug’ mir herab, du weintest, ich weinte,
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Und für Jammer und Glück schien uns die Welt zu vergehn.
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Immer heftiger riefen die Schiffer, da wollten die Füße
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Mich nicht tragen, ich rief: Dora! und bist du nicht mein!
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Ewig sagtest du leise. Da schienen unsere Thränen,
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Wie durch göttliche Luft, leise vom Auge gehaucht.
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Stärker rief’s in dem Gäßchen, Alexis! da sah mich der Knabe
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Durch die Thüre und kam! Wie er das Körbchen empfing!
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Wie er mich trieb! Wie ich dir die Hand noch drückte! zu Schiffe
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Wie ich gekommen? Ich weiß, daß ich ein Trunkener schien!
 
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Und so hielten mich auch die Gesellen, sie schonten den Kranken,
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Und schon deckte der Hauch trüber Entfernung die Stadt.
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Ewig! lispeltest du, o Dora! mir schallt es im Ohre
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Mit dem Donner des Zevs! ja! sie stand neben dem Thron
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Seine Tochter die Göttinn der Liebe, die Grazien standen
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Ihr zur Seiten! Er ist götterbekräftigt der Bund!
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O! so eile denn Schiff, mit allen günstigen Winden!
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Strebe mächtiger Kiel, trenne die schäumende Fluth!
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Bringe dem fremden Hafen mich zu, damit mir der Goldschmied,
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Aus der Werkstatt, sogleich, reiche das himmlische Pfand;
 
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Warlich es soll zur Kette werden das Kettchen, o Dora!
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Neunmal umgebe sie dir, locker gewunden, den Hals,
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Ausserdem schaff ich noch Schmuck, den mannichfaltigsten, goldne
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Spangen sollen dir reichlich verzieren die Hand,
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Da wetteifre Rubin und Smaragd, der liebliche Saphyr
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Stelle dem Hiacinth sich gegenüber, und Gold
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Halte die herrlichen Steine, in schöner Verbindung, zusammen.
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O! wie den Bräutigam freut einzig zu schmücken die Braut!
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Seh ich Perlen, so denk ich an dich, bey jeglichem Ringe
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Kommt mir der länglichen Hand schönes Gebild in den Sinn.
 
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Tauschen will ich und kaufen, du sollst das schönste von allem
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Wählen, ich widmete gern alle die Ladung nur dir.
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Doch nicht Schmuck und Juwelen allein verschafft dein Geliebter,
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Was ein häußliches Weib freuet, das bringt er dir auch.
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Feine wollene Decken, mit Purpursäumen, ein Lager
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Zu bereiten, das uns traulich und weichlich, empfängt.
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Stücke köstlicher Leinwand. Du sitzest und nähest und kleidest
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Mich und dich und auch wohl noch ein drittes darein.
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Bilder der Hoffnung, o täuschet mein Herz! o mäßiget, Götter!
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Diesen gewaltigen Brand, der mir den Busen durchtobt.
 
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Aber auch sie verlang ich zurück die schmerzliche Freude,
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Wenn die Sorge sich kalt, gräßlich gelassen, mir naht.
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Nicht der Erinnyen Fackel, das Bellen der höllischen Hunde
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Schreckt den Verbrecher so, in der Verzweiflung Gefild,
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Als das gelassne Gespenst mich, das mir die Schöne von Ferne
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Zeiget: die Thüre steht wirklich des Gartens noch auf!
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Und ein anderer kommt! für ihn auch fallen die Früchte!
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Und die Feige gewährt stärkenden Honig auch ihm!
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Lockt sie auch ihn nach der Laube? und folgt er? o macht mich, ihr Götter.
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Blind, verwischet das Bild jeder Erinnrung in mir.
 
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Ja ein Mädchen ist sie! und die sich geschwinde dem einen
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Giebt, sie kehret sich auch schnell zu dem andern herum.
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Lache nicht diesmal, o Zevs! der frechgebrochenen Schwüre!
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Donnere schrecklicher! triff! – halte die Blitze zurück!
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Sende die schwankenden Wolken mir nach! im nächtlichen Dunkel
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Treffe dein leuchtender Blitz diesen unglücklichen Mast.
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Streue die Planken umher und gieb der tobenden Welle
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Diese Waaren und mich gieb den Delphinen zum Raub.
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Nun, ihr Musen, genug! vergebens strebt ihr zu schildern,
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Wie sich Jammer und Glück wechseln in liebender Brust.
 
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Heilen könnet ihr nicht die Wunden, die Amor geschlagen
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Aber Linderung kommt einzig, ihr Guten, von euch,
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Göthe.

Details zum Gedicht „Alexis und Dora“

Anzahl Verse
17
Anzahl Zeilen
159
Anzahl Wörter
1469
Entstehungsjahr
1797
Epoche
Sturm & Drang,
Klassik

Gedicht-Analyse

Johann Wolfgang von Goethe ist der Autor des Gedichtes „Alexis und Dora“. Geboren wurde Goethe im Jahr 1749 in Frankfurt am Main. Im Jahr 1797 ist das Gedicht entstanden. Erscheinungsort des Textes ist Tübingen. Das Gedicht lässt sich an Hand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autoren her den Epochen Sturm & Drang oder Klassik zuordnen. Goethe ist ein typischer Vertreter der genannten Epochen. Das vorliegende Gedicht umfasst 1469 Wörter. Es baut sich aus 17 Versen auf und besteht aus 159 Zeilen. Johann Wolfgang von Goethe ist auch der Autor für Gedichte wie „An Lida“, „An den Mond“ und „An den Schlaf“. Zum Autoren des Gedichtes „Alexis und Dora“ haben wir auf abi-pur.de weitere 1610 Gedichte veröffentlicht.

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Zum Autoren Johann Wolfgang von Goethe sind auf abi-pur.de 1610 Dokumente veröffentlicht. Alle Gedichte findest auf der Übersichtsseite des Autoren.