Büßende Liebe von Richard Dehmel

Aus deinen grauen Augen droht,
mir so vertraut,
wie ein erstarrter Klagelaut
mit bleichen Zügen ein Verbot;
ich weiß, auch du ... Du warst einst Braut.
 
Das hat in deinen Blick gebracht
dies fahle Licht,
das durch die schwarzen Wimpern bricht;
mir ist, als sahst du einst die Nacht
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von Angesicht zu Angesicht.
 
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O komm und gieb mir deine Hand;
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in dein schwarz Haar
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nimm diese rote Lilie dar,
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und um dein dunkelblau Gewand
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dies goldne Gürtelschlangenpaar.
 
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So führe mich, indeß du weinst,
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den langen Pfad.
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So kommen wir der Nacht genaht
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und beten beide: Mutter! einst –
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wir übten Beide schon Verrat!
 
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Dann legt, indeß wir niederknien,
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dann legt die Nacht
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auf deines Haares schwere Pracht
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die Hand – und flüstert: Liebe ihn,
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der sich und Andre friedlos macht!
 
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Dann hören deine Thränen auf,
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dann kommt ein Stern;
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der winkt so neu, so neu, so fern,
29 
dein graues Auge schaut hinauf,
30 
dein dunkles Auge ... Sinke, Stern!
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (25.8 KB)

Details zum Gedicht „Büßende Liebe“

Anzahl Strophen
6
Anzahl Verse
30
Anzahl Wörter
154
Entstehungsjahr
1893
Epoche
Moderne

Gedicht-Analyse

Richard Dehmel, ein bedeutender deutscher Schriftsteller der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert, ist der Autor des Gedichts „Büßende Liebe“. In seiner lyrischen Arbeit spiegelt sich häufig die naturverbundene Symbolik des Naturalismus und Impressionismus wider.

Auf den ersten Blick wird eine gewisse Melancholie sowie eine thematische Ausrichtung auf Liebe und wahrscheinlich enttäuschte oder verlorene Liebe deutlich. Das Gedicht ist tiefgründig und auf eine Art melancholisch-romantisch.

Das lyrische Ich spricht eine Mensch mit grauen Augen an, die ihm vertraut ist. Es beschreibt die Augen als Ausdruck von Verbot und Kummer. Weiterhin beschreibt es eine düstere Ausstrahlung des Gegenübers und äußert den Eindruck, die Person hätte Schreckliches erlebt. Was genau passiert ist, wird nicht preisgegeben, es wird jedoch klar, dass diese Person, die einst Braut war, früher glücklicher gewesen sein muss.

Im Laufe des Gedichts wird ein Versuch der tröstenden Annäherung an die angesprochene Person deutlich. Das lyrische Ich bietet symbolische Attribute an, um ihr die Schwere ihrer Leiden zu nehmen und ihre Pracht wieder zum Vorschein zu bringen. Es offenbart eine tiefgehende Verbindung zu der Frau und spricht von gemeinsam begangenem Verrat. Es geht soweit, dass beide gemeinsam beten.

In Bezug auf die Form, ist das Gedicht in sechs Strophen mit jeweils fünf Versen gegliedert. Dehmel verwendet einen eher simpel gehaltenen und direkten Sprachstil. Er beginnt seine Verse oft mit Instruktionen oder direkten Ansprachen, was den Eindruck eines Dialogs erweckt.

Sprachlich gesehen ist jedoch ein hoher Grad an Symbolik und Bildlichkeit in dem Werk vorzufinden. Farben werden häufig verwendet, um die Stimmung der Figuren darzustellen; Grau steht für Traurigkeit oder Melancholie, Schwarz repräsentiert Dunkelheit und Verzweiflung, Rot symbolisiert Liebe und Leidenschaft, und Gold steht für Zierde und Wert.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das Gedicht eine tiefe emotionale Geschichte erzählt, voller Trauer und Bedauern, aber auch einer sehnsüchtigen Liebe und Hoffnung auf Heilung und Trost. Das lyrische Ich versucht, der geliebten Person beizustehen und einen Weg zur Rettung und Wiedergutmachung zu finden. Dies geschieht jedoch nicht ohne den Hintergrund der gemeinsamen Schuld und des Verrats, was das Gedicht umso tragischer und ergreifender macht. Es ist ein Werk voller Symbolismus und Emotionen, das sich einem erst auf den zweiten Blick vollständig erschließt. Ein typisches Werk Dehmels, der für seine tiefgründige Lyrik bekannt ist.

Weitere Informationen

Richard Dehmel ist der Autor des Gedichtes „Büßende Liebe“. Im Jahr 1863 wurde Dehmel in Wendisch-Hermsdorf, Mark Brandenburg geboren. Im Jahr 1893 ist das Gedicht entstanden. Erscheinungsort des Textes ist München. Aufgrund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors kann der Text der Epoche Moderne zugeordnet werden. Der Schriftsteller Dehmel ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche. Das 154 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 30 Versen mit insgesamt 6 Strophen. Richard Dehmel ist auch der Autor für Gedichte wie „Antwort“, „Auf der Reise“ und „Aufblick“. Zum Autor des Gedichtes „Büßende Liebe“ haben wir auf abi-pur.de weitere 522 Gedichte veröffentlicht.

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