Verschiedene Empfindungen an Einem Platze von Johann Wolfgang von Goethe

Ich hab’ ihn gesehen!
Wie ist mir geschehen?
O himmlischer Blick!
Er kommt mir entgegen,
Ich weiche verlegen,
Ich schwanke zurück.
Ich irre, ich träume!
Ihr Felsen, ihr Bäume,
Verbergt meine Freude,
10 
Verberget mein Glück.
 
11 
Der Jüngling.
 
12 
Hier muß ich sie finden,
13 
Ich sah sie verschwinden,
 
14 
Ihr folgte mein Blick.
15 
Sie kam mir entgegen,
16 
Dann trat sie verlegen
17 
Und schaamroth zurück.
18 
Ists Hoffnung? Sinds Träume?
19 
Ihr Felsen, ihr Bäume,
20 
Entdeckt mir die Liebste
21 
Entdeckt mir mein Glük!
 
22 
Der Schmachtende.
 
23 
Hier klag ich verborgen
24 
Dem thauenden Morgen
25 
Mein einsam Geschick.
26 
Verkannt von der Menge,
27 
Wie zieh ich ins Enge
28 
Mich stille zurück.
29 
O zärtliche Seele,
30 
O schweige, verhehle –
31 
Die ewigen Leiden,
32 
Verhehle dein Glück.
 
33 
Der Jäger.
 
34 
Es lohnet mir heute
35 
Mit doppelter Beute
36 
Ein gutes Geschick.
37 
Der redliche Diener
38 
Bringt Haasen und Hühner
39 
Beladen zurück.
40 
Hier find ich gefangen
41 
Auch Vögel noch hangen.
42 
Es lebe der Jäger!
43 
Es lebe sein Glück!
44 
GÖTHE.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (27.2 KB)

Details zum Gedicht „Verschiedene Empfindungen an Einem Platze“

Anzahl Strophen
8
Anzahl Verse
44
Anzahl Wörter
151
Entstehungsjahr
1796
Epoche
Sturm & Drang,
Klassik

Gedicht-Analyse

Der Autor des Gedichtes „Verschiedene Empfindungen an Einem Platze“ ist Johann Wolfgang von Goethe. Geboren wurde Goethe im Jahr 1749 in Frankfurt am Main. Entstanden ist das Gedicht im Jahr 1796. Erschienen ist der Text in Neustrelitz. Eine Zuordnung des Gedichtes zu den Epochen Sturm & Drang oder Klassik kann auf Grund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors vorgenommen werden. Bei dem Schriftsteller Goethe handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epochen.

Der Sturm und Drang (häufig auch Geniezeit oder Genieperiode genannt) ist eine literarische Epoche, welche zwischen 1765 und 1790 existierte und an die Empfindsamkeit anknüpfte. Später ging sie in die Klassik über. Der Sturm und Drang war die Phase der Rebellion junger deutscher Autoren, die sich gegen die Prinzipien der Aufklärung und das gesellschaftliche System wendeten. Bei den Schriftstellern handelte es sich meist um Autoren jüngeren Alters. Meist waren die Vertreter unter 30 Jahre alt. Die Autoren versuchten in den Gedichten eine geeignete Sprache zu finden, um die persönlichen Empfindungen des lyrischen Ichs zum Ausdruck zu bringen. Die alten Werke vorheriger Epochen wurden geschätzt und dienten als Inspiration. Aber dennoch wurde eine eigene Jugendkultur und Jugendsprache mit kraftvollen Ausdrücken, Ausrufen, Wiederholungen und Halbsätzen geschaffen. Die Epoche des Sturm und Drang endete mit der Hinwendung Schillers und Goethes zur Weimarer Klassik.

Zwei sich deutlich unterscheidende Anschauungen hatten das 18. Jahrhundert bewegt: die Aufklärung und eine gefühlsbetonte Strömung, die durch den Sturm und Drang vertreten wurde. Die Weimarer Klassik ist im Grund genommen eine Verschmelzung dieser beiden Elemente. Die Weimarer Klassik nahm ihren Anfang mit der Italienreise Goethes im Jahr 1786 und endete mit dem Tod von Johann Wolfgang von Goethe im Jahr 1832. Das Zentrum dieser Literaturepoche lag in Weimar. Es sind sowohl die Bezeichnungen Klassik als auch Weimarer Klassik gebräuchlich. Humanität, Güte, Gerechtigkeit, Toleranz, Gewaltlosigkeit und Harmonie sind die bedeutenden Themen. Die Klassik orientiert sich am antiken Kunstideal. Kennzeichnend ist ein hohes Sprachniveau und eine reglementierte Sprache. Diese reglementierte Sprache verdeutlicht im Vergleich zum natürlichen Sprachideal des Sturm und Drang mit all seinen Derbheiten den Ausgleich zwischen Gefühl und Vernunft. Die Vertreter der Epoche haben in der Weimarer Klassik auf Gestaltungs- und Stilmittel aus der Antike zurückgegriffen. Goethe, Schiller, Wieland und Herder bildeten das „Viergestirn“ der Klassik. Es gab natürlich auch noch andere Autoren, die typische Werke veröffentlichten, doch niemand übertraf die Fülle und die Popularität dieser vier Autoren.

Das Gedicht besteht aus 44 Versen mit insgesamt 8 Strophen und umfasst dabei 151 Worte. Weitere bekannte Gedichte des Autors Johann Wolfgang von Goethe sind „An Belinden“, „An Lida“ und „An den Mond“. Zum Autor des Gedichtes „Verschiedene Empfindungen an Einem Platze“ haben wir auf abi-pur.de weitere 1612 Gedichte veröffentlicht.

+ Wie analysiere ich ein Gedicht?

Daten werden aufbereitet

Fertige Biographien und Interpretationen, Analysen oder Zusammenfassungen zu Werken des Autors Johann Wolfgang von Goethe

Wir haben in unserem Hausaufgaben- und Referate-Archiv weitere Informationen zu Johann Wolfgang von Goethe und seinem Gedicht „Verschiedene Empfindungen an Einem Platze“ zusammengestellt. Diese Dokumente könnten Dich interessieren.

Weitere Gedichte des Autors Johann Wolfgang von Goethe (Infos zum Autor)

Zum Autor Johann Wolfgang von Goethe sind auf abi-pur.de 1612 Dokumente veröffentlicht. Alle Gedichte finden sich auf der Übersichtsseite des Autors.