Lied einer jungen Mutter an ihr ungeborenes Kind von Friederike Brun

Nov. 1783

Wenn sich früh’ der Morgen röthet,
Fühl’ ich dich, o Mutterglück!
Und am stillen Abend betet
Froh mein Geist; es hebt mein Blick
Sich bethränt zu jenen Höhen,
Denen schon dein Geist entschwebt,
Und mit leisem lindem Wehen
Deiner Mutter Schoos belebt!
 
Von des Grabes Nacht umfangen,
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Schlummerst du in tiefer Ruh;
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Fühlst nicht Wonne, nicht Verlangen,
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Meines Lebens Hofnung, du!
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Fühlst nicht dieses sanfte Wallen,
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Das der Mutter Busen hebt,
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Wenn mit innigem Gefallen
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Uns des Gatten Blick umschwebt.
 
17 
Bist du Mädchen, o so schmücke
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Holder Reiz und Unschuld dich;
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Und dein stiller Geist beglücke,
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Süsses Mädchen, dich und mich!
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Durch der reinsten Liebe Bande
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Fessle früh das beste Herz;
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Und zum wahren Vaterlande
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Geh’ hinüber ohne Schmerz!
 
25 
Bist du Knabe, o so werde
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Fromm dein Herz und kühn dein Muth,
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Und aus jeglicher Geberde
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Leuchte Geist und Tugendglut!
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Nie verschleuß dein Ohr dem Wehe,
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Welches deinen Bruder drückt;
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Und voll Menschenliebe gehe
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Durch dein Leben hoch beglückt.
 
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Schlummre! Schlummre still verborgen,
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Bis der Herr des Lebens winkt;
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Und am schönsten Frühlingsmorgen
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Seine Macht ans Licht dich bringt!
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Nicht die Angst und nicht die Schmerzen,
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Die erst mein Gebein durchzückt,
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Fühl’, o Kind von meinem Herzen!
40 
Bis mein Auge dich erblickt.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (26.9 KB)

Details zum Gedicht „Lied einer jungen Mutter an ihr ungeborenes Kind“

Anzahl Strophen
5
Anzahl Verse
40
Anzahl Wörter
202
Entstehungsjahr
1783
Epoche
Aufklärung,
Empfindsamkeit,
Sturm & Drang

Gedicht-Analyse

Friederike Brun ist die Autorin des Gedichtes „Lied einer jungen Mutter an ihr ungeborenes Kind“. 1765 wurde Brun in Gräfentonna geboren. Im Jahr 1783 ist das Gedicht entstanden. Erscheinungsort des Textes ist Zürich. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten der Autorin her lässt sich das Gedicht den Epochen Aufklärung, Empfindsamkeit oder Sturm & Drang zuordnen. Bei Verwendung der Angaben zur Epoche, prüfe bitte die Richtigkeit der Zurodnung. Die Auswahl der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen und muss daher nicht unbedingt richtig sein. Das 202 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 40 Versen mit insgesamt 5 Strophen. Die Gedichte „An Selma Gerstenberg“, „An eine Sängerin“ und „An meine Freundinn Charlotte, Gräfin von Dernath, geborne Bernstorf“ sind weitere Werke der Autorin Friederike Brun. Zur Autorin des Gedichtes „Lied einer jungen Mutter an ihr ungeborenes Kind“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 58 Gedichte vor.

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