Der Dichter von Joseph von Eichendorff

Nichts auf Erden nenn ich mein
Als die Lieder meiner Laute,
Doch nenn den, der freud'ger schaute
In die schöne Welt hinein!
Alles Lebens tiefste Schöne
Tun geheimnisvoll ja Töne
Nur dem frommen Sänger kund,
Und die Freude sagt kein Mund,
Die Gott wunderbar gelegt
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In des Dichters Herzensgrund.
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Wenn die Welt, so wild bewegt,
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Ängstlich schaut nach ihren Rettern:
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Über aller Nebel Wogen
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Wölbt Er kühn den Friedensbogen,
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Und, wie nach verzognen Wettern,
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Rauscht die Erde wieder mild,
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Alle Knospen Blüten treiben,
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Und der Frühling ist sein Haus,
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Und der Frühling geht nie aus.
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O du lieblich Frauenbild!
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Willst du bei dem Sänger bleiben?
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Blumen bind't ein streng Geschick:
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Wenn die tausend Stimmen singen,
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Alle Schmerzen, alles Glück
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Ewig lautlos zu verschweigen.
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Doch bei kühlem Mondenblick
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Regt ihr stiller Geist die Schwingen,
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Möcht dem duft'gen Kelch entsteigen.
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Sieh, schon ist die Sonn gesunken
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Aus der dunkelblauen Schwüle,
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Und zerspringt in tausend Funken
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An den Felsen rings und Bäumen,
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Bis sie alle selig träumen.
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Mit den Sternen in der Kühle
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Blühn da Wünsche, steigen Lieder
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Aus des Herzens Himmelsgrund,
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Und ich fühle alles wieder:
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Alte Freuden, junges Wagen!
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Ach! so viel möcht ich dir sagen,
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Sagen recht aus Herzensgrund,
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In dem Rauschen, in dem Wehen
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Möcht ich fröhlich mit dir gehen,
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Plaudern in der lauen Nacht,
44 
Bis der Morgenstern erwacht!
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (26.7 KB)

Details zum Gedicht „Der Dichter“

Anzahl Strophen
1
Anzahl Verse
44
Anzahl Wörter
220
Entstehungsjahr
1788 - 1857
Epoche
Romantik

Gedicht-Analyse

Der Autor des Gedichtes „Der Dichter“ ist Joseph von Eichendorff. Der Autor Joseph von Eichendorff wurde 1788 geboren. Zwischen den Jahren 1804 und 1857 ist das Gedicht entstanden. Die Entstehungszeit des Gedichtes bzw. die Lebensdaten des Autors lassen eine Zuordnung zur Epoche Romantik zu. Der Schriftsteller Eichendorff ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche.

Als Romantik wird die Epoche der Kunstgeschichte bezeichnet, deren Ausprägungen sich sowohl in der Literatur, Kunst und Musik als auch in der Philosophie niederschlugen. Die Epoche der Romantik lässt sich vom Ende des 18. Jahrhunderts bis ins späte 19. Jahrhundert verorten. Die literarische Romantik kann darauf aufbauend etwa auf die Jahre 1795 bis 1848 zeitlich eingeordnet werden. Die Romantik kann in drei Phasen aufgegliedert werden: Frühromantik (bis 1804), Hochromantik (bis 1815) und Spätromantik (bis 1848). Die Epoche der Romantik entstand in Folge politischer Krisen und gesellschaftlicher Umbrüche. In ganz Europa fand ein Übergang von der feudalen zur bürgerlichen Gesellschaft statt. Gleichzeitig bildete sich ein bürgerliches Selbstbewusstsein heraus. Technologischer Fortschritt und Industrialisierung sind prägend für diese Zeit. Die zentralen Motive der Literatur der Romantik sind das Schaurige, Unterbewusste, Fantastische, Leidenschaftliche, Individuelle, Gefühlvolle und Abenteuerliche, welche die Grenzen des Verstandes sprengen und erweitern sollen und sich gegen das bloße Nützlichkeitsdenken sowie die Industrialisierung richten. Die Romantiker sehnen sich nach der Einheit von Natur und Geist. Ein Hinwenden zum Mittelalter ist erkennbar. So werden Kunst und Architektur dieser vergangenen Zeit geschätzt. Die Missstände des Mittelalters bleiben jedoch unerwähnt. Die Romantik stellt die Freiheit der Phantasie sowohl über den Inhalt als auch über die Form des Werkes. Eine Konsequenz daraus ist ein Verschwimmen der Grenzen zwischen Lyrik und Epik. Die festen Regeln und Ziele der Klassik werden in der Romantik zurückgelassen. Eine gewisse Maß- und Regellosigkeit in den Werken fällt auf.

Das vorliegende Gedicht umfasst 220 Wörter. Es baut sich aus nur einer Strophe auf und besteht aus 44 Versen. Die Gedichte „Kurze Fahrt“, „Lied“ und „Mondnacht“ sind weitere Werke des Autors Joseph von Eichendorff. Zum Autor des Gedichtes „Der Dichter“ haben wir auf abi-pur.de weitere 391 Gedichte veröffentlicht.

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