Durandartes Tod von Joseph von Eichendorff

»O Belerma, o Belerma,
Du geboren mir zum Unheil!
Sieben Jahr dient ich dir treulich,
Hab mir doch kein Lieb errungen,
Und jetzt, da du mich erhörtest,
Muß ich in der Schlacht verbluten.
Nicht die Todesstimmen fürcht ich,
Wenn sie auch so früh mich rufen,
Darum nur ist Tod so bitter,
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Weil er mir dein Bild verdunkelt.
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O mein Vetter Montesinos,
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Wenn sich meine Seel entschwungen,
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Bringt mein Herze zu Belerma,
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Wollt ihr meinetwegen huld'gen,
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Bitten, daß sie mein gedenke,
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Der so treu um sie gerungen.
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Gebt ihr alle meine Länder,
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Die ich freudig einst bezwungen;
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Da mein Lieb nun untergehet,
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Sei all Gut mit ihr versunken!
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Montesinos, Montesinos,
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Heiß brennt diese Lanzenwunde,
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Müde schon ist meine Rechte,
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Aus viel Quellen hier verblut ich,
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's wird so kühl nun - ach die Augen,
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Die uns ausziehen Ahn so mutig,
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Sehn uns nimmermehr in Frankreich.
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Drückt noch einmal an die Brust mich,
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Vetter, denn ich sprech verworren
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Und vor meinen Augen dunkelt's,
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Euch befehl ich all mein Sorgen
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Und vertraue Eurem Schwure,
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Denn der Herr, an den Ihr glaubet,
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Höret uns in dieser Stunde,«
 
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Tot nun ruhet Durandarte
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In dem stillen Felsengrunde,
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Weinend löst ihm Montesinos
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Helm und seiner Rüstung Gurte,
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Löst sein Herze für Belerma
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Mit dem Dolche aus der Brust ihm
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Und begrub ihn unterm Felsen,
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Sprach dabei aus Herzensgrunde:
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»O mein Vetter Durandarte,
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Tapfrer Degen, Herzensbruder,
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Was soll ich fortan auf Erden,
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Da die Mohren dich erschlugen!«
Arbeitsblatt zum Gedicht
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Details zum Gedicht „Durandartes Tod“

Anzahl Strophen
2
Anzahl Verse
46
Anzahl Wörter
239
Entstehungsjahr
1788 - 1857
Epoche
Romantik

Gedicht-Analyse

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Durandartes Tod“ des Autors Joseph von Eichendorff. 1788 wurde Eichendorff geboren. In der Zeit von 1804 bis 1857 ist das Gedicht entstanden. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her lässt sich das Gedicht der Epoche Romantik zuordnen. Eichendorff ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche.

Die Romantik ist eine kulturgeschichtliche Epoche, die vom Ende des 18. Jahrhunderts bis weit in das 19. Jahrhundert hinein dauerte und sich insbesondere auf den Gebieten der bildenden Kunst, der Literatur und der Musik äußerte. Auch die Gebiete Geschichte, Theologie und Philosophie sowie Medizin und Naturwissenschaften waren von ihren Auswirkungen betroffen. Bis in das Jahr 1804 hinein spricht man in der Literatur von der Frühromantik, bis 1815 von der Hochromantik und bis 1848 von der Spätromantik. Die Gesellschaft des 18. Jahrhunderts galt im Allgemeinen als wissenschaftlich und aufstrebend, was hier vor allem durch die einsetzende Industrialisierung deutlich wird. Die Gesellschaft wurde zunehmend technischer, fortschrittlicher und wissenschaftlicher. Diese Entwicklung war den Schriftstellern der Romantik zuwider. Sie stellten sich in ihren Werken gegen das Streben nach immer mehr Gewinn, Fortschritt und das Nützlichkeitsdenken, das versuchte, alles zu verwerten. In der Romantik finden sich unterschiedliche charakteristische Motivkreise. Sehnsucht und Liebe (Blaue Blume) oder das Unheimliche (Spiegelmotiv) sind wichtige zu benennende Motive. Auch politische Motive wie Weltflucht, Nationalismus und Gesellschaftskritik lassen sich aufzeigen. Das Mittelalter gilt bei den Romantikern als Ideal und wird verherrlicht. Übel und Missstände des Mittelalters bleiben jedoch unbeachtet. Die Stilepoche kennzeichnet sich vor allem durch offene Formen in Gedichten und Texten. Phantasie ist für die Romantiker das Maß aller Dinge. Die Trennung zwischen Poesie und Wissenschaft, zwischen Traum und Wirklichkeit soll durchbrochen werden. Die Schriftsteller der Romantik streben eine Verschmelzung von Kunst und Literatur an. Ihr Ziel ist es letztlich, alle Lebensbereiche zu poetisieren.

Das 239 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 46 Versen mit insgesamt 2 Strophen. Joseph von Eichendorff ist auch der Autor für Gedichte wie „Mondnacht“, „Morgengebet“ und „Ostern“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Durandartes Tod“ weitere 391 Gedichte vor.

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