An die Muse von Christian Felix Weiße

Scherzhafte Muse, meine Freude,
Die in zufriedner Einsamkeit
Mich oft, entfernt vom Stolz und Neide,
Mehr, als ein lautes Glück erfreut:
Laß dich in Auen, Büschen, Gründen,
Wo ich dich suche, liebreich finden,
Und lächle Heiterkeit und Ruh
Den freyen Nebenstunden zu.
 
Ich will nicht Helden ewig singen,
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Noch mich durch sie zur Ewigkeit:
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Mein Lied soll nicht von Waffen klingen;
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Die Muse bebt vor Blut und Streit.
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Hier, unter Oel- und Lorberbäumen
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Soll sie von Fried und Freuden träumen:
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Den schönsten Mädchen, besten Wein
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Und liebsten Freunden heilig seyn.
 
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Die Scherze sollen sie begleiten,
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Von süßer Unschuld sanft regiert:
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Sie lasse keinen von der Seiten,
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Wenn ihn der Jugend Witz verführt!
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Ihn, solt ihr einer ja entfliehen,
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Soll gleich der Ernst zurücke ziehen;
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Er leg ihm Blumenfesseln an,
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Daß er nicht mehr entwischen kann.
 
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Wohlan! so sing in süßen Tönen
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Dein junges anmuthsvolles Lied!
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Und wird dich gleich kein Lorbeer krönen,
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Der für die Heldendichter blüht:
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Der Beyfall, den dir Freunde senden,
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Ein Veilchen aus Selindens Händen,
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Der Chloe Lächeln, wenn sie liest;
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Sprich, was dir wünschenswerther ist?

Details zum Gedicht „An die Muse“

Anzahl Verse
4
Anzahl Zeilen
32
Anzahl Wörter
179
Entstehungsjahr
1758
Epoche
Aufklärung

Gedicht-Analyse

Der Autor des Gedichtes „An die Muse“ ist Christian Felix Weiße. Der Autor Christian Felix Weiße wurde 1726 in Annaberg geboren. Die Entstehungszeit des Gedichtes geht auf das Jahr 1758 zurück. Der Erscheinungsort ist Leipzig. Anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autoren her kann der Text der Epoche Aufklärung zugeordnet werden. Bei dem Schriftsteller Weiße handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epoche. Das Gedicht besteht aus 32 Zeilen mit insgesamt 4 Versen und umfasst dabei 179 Worte. Die Gedichte „Befehl an Zephyr“, „Cephalus und Aurore“ und „Chloe“ sind weitere Werke des Autoren Christian Felix Weiße. Zum Autoren des Gedichtes „An die Muse“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 100 Gedichte vor.

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