Schwarz-Rot-Gold von Ferdinand Freiligrath

In Kümmernis und Dunkelheit,
Da mußten wir sie bergen!
Nun haben wir sie doch befreit,
Befreit aus ihren Särgen!
Ha, wie das blitzt und rauscht und rollt!
Hurra, du Schwarz, du Rot, du Gold!
Pulver ist schwarz,
Blut ist rot,
Golden flackert die Flamme!
 
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Das ist das alte Reichspanier,
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Das sind die alten Farben!
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Darunter haun und holen wir
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Uns bald wohl junge Narben!
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Denn erst der Anfang ist gemacht,
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Noch steht bevor die letzte Schlacht!
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Pulver ist schwarz,
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Blut ist rot,
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Golden flackert die Flamme!
 
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Ja, die das Banner ihr gestickt,
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Ihr Jungfern unverdrossen,
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Derweil am Feuer wir gebückt
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Uns Flintenkugeln gossen:
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Nicht, wo man singt nur oder tanzt,
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Geschwungen sei's und aufgepflanzt!
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Pulver ist schwarz,
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Blut ist rot,
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Golden flackert die Flamme!
 
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Denn das ist noch die Freiheit nicht,
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Die Deutschland muß begnaden,
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Wenn eine Stadt in Waffen spricht
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Und hinter Barrikaden:
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»Kurfürst, verleih! Sonst - hüte dich!
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Sonst werden wir - - großherzoglich!«
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Pulver ist schwarz,
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Blut ist rot,
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Golden flackert die Flamme!
 
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Das ist noch lang die Freiheit nciht,
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Die ungeteilte, ganze,
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Wenn man ein Zeughaustor erbricht,
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Und Schwert sich nimmt und Lanze;
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Sodann ein weniges sie schwingt,
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Und - folgsamlich zurück sie bringt!
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Pulver ist schwarz,
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Blut ist rot,
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Golden flackert die Flamme!
 
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Das ist noch lang die Freiheit nicht,
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Wenn ihr an Brockhaus' Glase
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Ausübt ein klirrend Strafgericht
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Ob einer Dresdner Nase!
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Was liegt euch an dem Sosius?
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Drauf: - in die Hofburg Stein und Schuß!
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Pulver ist schwarz,
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Blut ist rot,
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Golden flackert die Flamme!
 
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Das ist noch lang die Freiheit nicht,
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Wenn man, statt Patronen,
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Mit keiner andern Waffe ficht,
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Als mit Petitionen!
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Du lieber Gott: - Petitioniert!
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Parlamentiert, illuminiert!
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Pulver ist schwarz,
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Blut ist rot,
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Golden flackert die Flamme!
 
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Das ist noch lang die Freiheit nicht,
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Sein Recht als Gnade nehmen
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Von Buben, die zu Recht und Pflicht
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Aus Furcht nur sich bequemen!
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Auch nicht: daß, die ihr gründlich haßt,
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Ihr dennoch auf den Thronen laßt!
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Pulver ist schwarz,
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Blut ist rot,
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Golden flackert die Flamme!
 
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Die Freiheit ist die Nation,
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Ist aller gleich Gebieten!
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Die Freiheit ist die Auktion
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Von dreißig Fürstenhüten!
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Die Freiheit ist die Republik!
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Und abermals: die Republik!
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Pulver ist schwarz,
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Blut ist rot,
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Golden flackert die Flamme!
 
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Die eine deutsche Republik,
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Die mußt du noch erfliegen!
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Mußt jeden Strick und Galgenstrick
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Dreifarbig noch besiegen!
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Das ist der große letzte Strauß
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Flieg aus, du deutsch Panier, flieg aus!
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Pulver ist schwarz,
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Blut ist rot,
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Golden flackert die Flamme!
 
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Zum Kampfe denn, zum Kampfe jetzt!
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Der Kampf nur gibt dir Weihe!
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Und kehrst du rauchig und zerfetzt,
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So stickt man dich aufs neue!
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Nicht wahr, ihr deutschen Jungfräulein?
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Hurra, das wird ein Sticken sein!
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Pulver ist schwarz,
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Blut ist rot,
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Golden flackert die Flamme!
 
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Und der das Lied für euch erfand
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In einer dieser Nächte,
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Der wollte, daß ein Musikant
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Es bald in Noten brächte!
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Heißt das: ein rechter Musikant!
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Dann kläng' es hell durchs deutsche Land:
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Pulver ist schwarz,
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Blut ist rot,
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Golden flackert die Flamme!

Details zum Gedicht „Schwarz-Rot-Gold“

Anzahl Strophen
12
Anzahl Verse
108
Anzahl Wörter
499
Entstehungsjahr
1848
Epoche
Junges Deutschland & Vormärz

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Schwarz-Rot-Gold“ stammt aus der Feder des Autoren bzw. Lyrikers Ferdinand Freiligrath. Im Jahr 1810 wurde Freiligrath in Detmold geboren. Die Entstehungszeit des Gedichtes geht auf das Jahr 1848 zurück. Die Entstehungszeit des Gedichtes bzw. die Lebensdaten des Autoren lassen eine Zuordnung zur Epoche Junges Deutschland & Vormärz zu. Der Schriftsteller Freiligrath ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche. Das 499 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 108 Versen mit insgesamt 12 Strophen. Die Gedichte „Springer“, „Von unten auf“ und „Vor der Fahrt“ sind weitere Werke des Autoren Ferdinand Freiligrath. Zum Autoren des Gedichtes „Schwarz-Rot-Gold“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 59 Gedichte vor.

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