Eichendorff, Joseph von - Im Abendrot & Trakl, Georg - Verfall (Vergleich)

Schlagwörter:
Joseph von Eichendorff, Georg Trakl, Vergleichende Gedichtanalyse, Interpretation, Romantik, Expressionismus, Referat, Hausaufgabe, Eichendorff, Joseph von - Im Abendrot & Trakl, Georg - Verfall (Vergleich)
Themengleiche Dokumente anzeigen

Referat

Vergleichende Gedichtanalyse - „Im Abendrot“ von Joseph von Eichendorff & „Verfall“ von Georg Trakl

Gliederung / Inhalt

„Im Abendrot“ von Joseph von Eichendorff

Im Abendrot
von Joseph von Eichendorff

Wir sind durch Not und Freude
Gegangen Hand in Hand,
Vom Wandern ruhn wir beide
Nun überm stillen Land.
 
Rings sich die Täler neigen,
Es dunkelt schon die Luft,
Zwei Lerchen nur noch steigen
Nachträumend in den Duft.
 
Tritt her, und laß sie schwirren,
10 
Bald ist es Schlafenszeit,
11 
Daß wir uns nicht verirren
12 
In dieser Einsamkeit.
 
13 
O weiter, stiller Friede!
14 
So tief im Abendrot
15 
Wie sind wir wandermüde
16 
Ist das etwa der Tod?

(„Im Abendrot“ von Joseph von Eichendorff ist auch in unserer Gedichtedatenbank zu finden. Dort findest Du auch weitere Gedichte des Autoren.)

Das Gedicht „Im Abendrot“ von Joseph von Eichendorff, 1837, in der Epoche der Romantik verfasst, handelt von einem älteren Paar, das langsam auf den Tod zu geht. Das Gedicht besteht aus vier Strophen, mit jeweils vier Versen. Die Strophen sind in einem Kreuzreim geschrieben und die Kadenzen wechseln in jedem Vers passend mit dem Reimschema. Das Gedicht ist außerdem in einem dreihebigen Jambus geschrieben und deshalb sind die Strophen des Gedichts ebenfalls Volksliedstrophen. Das lyrische Ich ist in dem Gedicht ein innenstehendes lyrisches Ich, was sich an den Pronomen „wir“ (V. 1,3) erkennen lässt.

In der ersten Strophe wird auf die Vergangenheit des Paares zurückgeblickt, welche durch die Metapher „Wir sind durch Not und Freude| gegangen […]“ (V. 1f.) verdeutlicht wird. Demzufolge hatten die beiden ein langes erfülltes Leben mit gemeinsamen Höhen und Tiefen und sie stehen sich wohl sehr nahe. Die Erschöpfung und das hohe Alter spiegeln sich in der Metapher „ vom Wandern ruhn wir beide“ (V. 3) wieder. In diesem und dem nächsten Vers wird ebenfalls das Abendmotiv durch die einkehrende Ruhe verdeutlicht. Welche allerdings durch einen unreinen Reim in Vers 1 „Freude“ und „beide“(V. 3) durchbrochen wird. Das lyrische Ich ist in der ersten Strophe positiv und nostalgisch gestimmt.

In der zweiten Strophe beschreibt das lyrische Ich die Natur und die Umgebung des Paares. Dies wird unter anderem durch eine Personifikation „ Rings sich die Täler neigen, “ (V. 5) ausgedrückt. Diese Personifikation soll den sich zu Ende neigenden „Lebensabend“ darstellen und ist eine erste Ankündigung, des kommenden Todes. Sie dient ebenfalls zu einer Poetisierung der Natur und ist ein Motiv der Romantik. Das Abendmotiv tritt in der zweiten Strophe durch die zahlreichen Bilder der Natur deutlich hervor. In Vers 6 „ es dunkelt schon die Luft“ gibt es erste Anzeichen, dass sich der Himmel verdunkelt. In Vers 7 „zwei Lerchen nur noch steigen“ stehen die zwei Lerchen für das Paar, das sich langsam Richtung Himmel bewegt und ihr Leben sich also dem Ende neigt. Das lyrische Ich scheint davon allerdings nicht negativ gestimmt, denn durch den Vers 8 „nachträumend in den Duft.“ Illustriert es, den Himmel mit einem wohligen Geruch.

In der dritten Strophe spricht das lyrische Ich den Tod nun direkt an „Tritt her, und lass sie schwirren“ (V. 9). Es fordert den Tod nun also dazu auf, die zwei Lerchen, also das Paar endgültig aufsteigen zu lassen und das Leben des Paares zu beenden. Das lyrische Ich hat nun selbst erkannt, dass sein langes erfülltes Leben zu Ende sein sollte „bald ist es Schlafenszeit“ (V. 10). Der unreine Reim in den Versen 10 „Schlafenszeit“ und „Einsamkeit“ (V. 12) verstärkt den Tod noch einmal, denn durch diesen Bruch des Reimschemas durchbricht das Paar auch ebenfalls seinen bisherigen Alltag der wahrscheinlich immer ziemlich regelmäßig war. Durch Worte wie „Schlafenszeit“ (V. 10) und „Einsamkeit“(V. 12) wird das Abendmotiv erneut aufgegriffen, denn mit diesen Worten assoziiert der Leser den Abend. Die positive Stimmung des lyrischen Ichs zeigt sich weiterhin in der Poetisierung des Alltäglichen.

Die vierte Strophe stellt das Ende des Lebens dar. Das lyrische Ich fleht den Tod quasi an, es zu erlösen „O weiter, stiller Friede!“ (V. 13), in dem das lyrische Ich einen Ausruf verwendet um die Wichtigkeit zu veranschaulichen. In Vers 14 greift das lyrische Ich dann auch erneut das Abendmotiv ganz konkret auf „So tief im Abendrot“. Auch hier steht der Abend erneut für den nahenden Tod des Paares. Mit dem Vers „Wie sind wir wandermüde-“(V. 15) greift das lyrische Ich das Wandermotiv aus der ersten Strophe noch einmal auf, welches die Erschöpfung des Alters darstellt. Mit einer rhetorischen Frage „Ist das etwa der Tod?“ (V. 16) schließt das Gedicht in der Hoffnung auf den Tod abrupt ab. Das lyrische Ich blieb jedoch bis zum Schluss freudig auf den Tod gestimmt, da es bereits ein sehr erfülltes Leben hinter sich hatte.

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Tod eine zentrale Rolle in dem Gedicht hat und sich vor allem in dem Abendmotiv zeigt, welches zusammen mit dem Motiv der Natur und des Motiv des Wanderns eindeutige Merkmale der Romantik widerspiegeln.

[zurück zum Inhaltsverzeichnis]

„Verfall“ von Georg Trakl

Verfall
von Georg Trakl

Am Abend, wenn die Glocken Frieden läuten,
Folg ich der Vögel wundervollen Flügen,
Die lang geschart, gleich frommen Pilgerzügen,
Entschwinden in den herbstlich klaren Weiten.
 
Hinwandelnd durch den dämmervollen Garten
Träum ich nach ihren helleren Geschicken
Und fühl der Stunden Weiser kaum mehr rücken.
So folg ich über Wolken ihren Fahrten.
 
Da macht ein Hauch mich von Verfall erzittern.
10 
Die Amsel klagt in den entlaubten Zweigen.
11 
Es schwankt der rote Wein an rostigen Gittern,
 
12 
Indes wie blasser Kinder Todesreigen
13 
Um dunkle Brunnenränder, die verwittern,
14 
Im Wind sich fröstelnd blaue Astern neigen.

(„Verfall“ von Georg Trakl ist auch in unserer Gedichtedatenbank zu finden. Dort findest Du auch weitere Gedichte des Autoren.)

Das Gedicht „Verfall“ von Georg Trakl , 1913, in der Epoche des Expressionismus geschrieben, be-handelt die Gefühle des lyrischen Ichs, nämlich Fernweh und Melancholie, welche es während eines Herbstabends schildert. Das Gedicht besteht aus 2 Quartetten und 2 Terzetten und ist deshalb auch ein Sonett. Es ist im Jambus geschrieben. Die Quartette sind in einem umarmenden Reim geschrieben, die Terzette sind Strophen übergreifend in einem Kreuzreim geschrieben. Es hat nur weibliche Kadenzen.

In der ersten Strophe beschreibt das lyrische Ich eine friedliche Abendstimmung, die durch eine Metapher in Vers 1 „ Am Abend, wenn die Glocken Frieden läuten“ untermalt wird. In Vers 2 „Folg ich der Vögel wundervollen Flügen, “ drückt das lyrische Ich seinen Wunsch nach Freiheit mit Hilfe einer Alliteration aus, welche das an sich eigentlich normale Phänomen, der Wanderung der Zugvögel poetisiert. Auch der Vergleich „Die lang geschart, gleich frommen Pilgerzügen“ (V. 3)drückt den Wunsch nach Freiheit des lyrischen Ichs aus. Der unreine Reim „[…] läuten“ (V. 1) und „[…] Weiten“ (V. 4) zerstört diese romantische Stimmung allerdings für einen kurzen Moment. Die Wortwahl im ersten Quartett ist noch sehr friedlich und lässt einen Verfall noch nicht erahnen.

In der zweiten Strophe stellt das lyrische Ich dar, dass es sich in einem „dämmervollen Garten“ (V. 5) befindet, welcher eine sich verdüsternde Stimmung erahnen lässt. Im Kontrast dazu träumt das lyrische Ich im nächsten Vers von „helleren Geschicken“ (V. 6) und meint wahrscheinlich die Vögel, also auch die Freiheit. Auch hier gibt es wieder einen unreinen Reim „[…] Geschicken“ (V. 6) und „[…]rücken“(V. 7), der die friedliche Stimmung für einen kurzen Moment unterbricht. Die Wortwahl erinnert im zweiten Quartett ebenfalls an ein romantisches Gedicht.

In der dritten Strophe gibt es dann sowohl formal als auch inhaltlich eine starke Zäsur. Diese wird mit dem Wort „Da“ (V. 9) eingeleitet, welches den Leser auch persönlich trifft. Das lyrische Ich wird plötzlich aus seiner Traumwelt zurück in die unschöne Realität geholt. Es erzittert durch einen „Hauch von Verfall“ (V. 1). Damit wird eine düsterere Stimmung eingeleitet, die sich auch im weiteren Verlauf der Terzette fortsetzt „entlaubten Zweigen“ (V. 10), „rote Wein an rostigen Gittern“ (V. 11). Der rote Wein lässt sich auch als Blut deuten und spielt damit auf den nahenden Krieg an, der eines der wichtigsten Merkmale des Expressionismus ist.

In der letzten Strophe wird die düstere Stimmung des lyrischen Ichs fortgeführt. Sie wird mit einem Vergleich in Vers 12 und 14 „Indes, wie blasser Kinder Todesreigen|[…]|Im Wind sich blaue Astern neigen“ eingeleitet. Dieser verdeutlicht besonders durch Worte wie „Todesreigen“ und „fröstelnd“ eine düstere Stimmung. Dem lyrischen Ich ist es unwohl in Anbetracht der Tatsache des nahenden Krieges, welches es auch in Vers 13 „ Um dunkle Brunnenränder, die verwittern“ durch negativ besetzte Worte ausdrückt.

Zusammengefasst, beschreibt das Gedicht die Ängste des Autors und der Menschen im 20. Jahrhundert. Sie wollten fliehen und hatten Angst vor dem was kommt. Doch es war ihnen nicht möglich. Deshalb flohen sie sich in Traumwelten und wurden schließlich umso härter aus der Traumwelt herausgerissen.

[zurück zum Inhaltsverzeichnis]

Vergleich beider Gedichte

Das Gedicht „Im Abendrot“ von Joseph von Eichendorff, 1837, in der Epoche der Romantik verfasst, handelt von einem älteren Paar, das langsam auf den Tod zu geht. Im Gegensatz dazu steht das Gedicht „Verfall“ von Georg Trakl, welches 1913, in der Epoche des Expressionismus geschrieben wurde und die Gefühle des lyrischen Ichs, nämlich Fernweh und Melancholie behandelt, welche es während eines Herbstabends schildert. Das Gedicht „Im Abendrot“ besteht aus vier Volksliedstrophen, die dementsprechend im Jambus und Kreuzreim geschrieben sind. Die Kadenzen sind männlich und weiblich. „Verfall“ besteht ebenfalls aus vier Strophen, allerdings ist das Gedicht ein Sonett, da es aus zwei Quartetten und zwei Terzetten besteht. Es ist jedoch ebenfalls im Jambus geschrieben, die Kadenzen sind allerdings durchgehend weiblich.

Das Gedicht „Im Abendrot“ handelt, wie bereits erwähnt von einem älteren Paar, das von seinem Wunsch nach dem Tod erzählt, da es bereits ein langes und erfülltes Leben hinter sich hat. Dieser Wunsch wird in dem Motiv des Abends verpackt, wobei der Abend für den Tod steht „bald ist es Schlafenszeit“ (V. 10). Im Gedicht „Verfall“ geht es hauptsächlich um das lyrische Ich, welches sich aus Angst vor dem nahenden Krieg in eine Traumwelt flüchtet ich letztendlich aber doch in die Realität gerissen wird. Der Tod wird dort durch düstere Worte ausgedrückt, wie z.B. „Verfall“ (V. 9), „rostigen Gittern“, (V. 11) oder „Todesreigen“ (V. 12). Obwohl die Gedichte aus zwei unterschiedlichen Epochen stammen enthalten beide Gedichte jedoch die Natur als Motiv der Romantik. Im Gedicht „Im Abendrot“ kommt dieses Motiv hauptsächlich in der zweiten Strophe zum Vorschein „ Rings sich die Täler neigen,| es dunkelt schon die Luft,| zwei Lerchen nur noch steigen| nachträumend in den Duft“ Vor allem die Lerchen sind in diesem Gedicht ein Merkmal der Romantik. In „Verfall“ tritt das Motiv der Natur nur in den ersten zwei Strophen auf „Folg ich den Vogel wundervollen Flügen,| […]| entschwinden in die herbstlich klaren Weiten|| Hinwandelnd durch den dämmervollen Garten“ (V. 2, 4f.)

Das Motiv des Todes tritt in beiden Gedichten wie bereits erwähnt in anderer Form hervor. In „Im Abendrot“ stehen Himmel und Abend für den Tod, während in dem Gedicht „Verfall“ natürliche Dinge verdüstert werden um sie abschreckend darzustellen.

[zurück zum Inhaltsverzeichnis]

Zurück