nd – Formen eines Verbes
sind deklinierte, infinite Verbformen, die substantivisch (Gerundium) und
adjektivisch (Gerundivum) gebraucht sein können.
Die substantivische nd – Form – das
Gerundium
Das Gerundium ist ein deklinierter, substantivierter
Infinitiv Präsens Aktiv.
EM: Form des PräSta + BildEl
– nd – + Kasusausgänge der o – Deklination
Als
Verbalsubstantiv hat es kein Beziehungswort laut KNG – Regel, mit dem es
übereinstimmt:
Bsp: lauda – nd – i - des
Lobens
lauda – nd – o - dem Loben
ad lauda
– nd – um - zum Loben
lauda – nd – o -
durch das Loben
zu ire: e – u – nd – o - des
Gehens
Übersetzung:
im Gen. – als substantivierter Inf. od. Inf. mit „zu“
ars aedificendi – die Kunst des Bauens
– die Kunst zu
bauen
– die Baukunst
im Gen. vor causa – als substantivierter Inf. od. Inf. mit „um
zu“
discendi causa – des Lernens wegen
im Akk. nach ad – als substantivierter Inf. od. Inf. mit
„zu“
paratus ad discendum – bereit zum Lernen
– bereit zu lernen
im Abl. – als substantivierter Infinitiv od. Gliedsatz mit
„indem“
discendo – indem er/sie lernt
im Abl. nach „in“ – als substantivierter Infinitiv od.
Gliedsatz mit „während“
in discendo – beim
Lernen
– während er/sie lernt
Ergänzungen beim Gerundium:
Weil der verbale Charakter
beim Gerundium überwiegt, erfolgen Ergänzungen anders
als im
Deutschen durch ein Objekt und/oder Adverb.
Ars bene aedificendi –
die Kunst des guten Bauens
(boni)
– die Kunst, gut zu Bauen
Ars oppidum aedificendi –
die Kunst des Erbauens der Stadt
(oppidi) – die Kunst, eine Stadt zu
erbauen
Die adjektivische nd – Form – das
Gerundivum
Das Gerundivum ist eine Art Partizip Präsens Passiv
mit der zeitweiligen Nebenbedeutung des Müssens.
EM: Form des
PräSta + BildEl – nd – + Kasusausgänge der Adj. der o
– u. a – Dekl.
Beim Gerundivum als Verbaladjektiv gibt es einmal
ein Beziehungswort, mit dem es laut Königsregel
übereinstimmt.
Bsp: lauda – nd – us, –a,
–um - einer, der gelobt wird
- einer, der gelobt werden
muß
- ein zu Lobender
audi – end – us,
–a, –um (audire)
e – u – nd – us, –a,
–um (ire)
Gebrauch: Das Gerundivum kann als Verbaladjektiv
attributiv und prädikativ gebraucht werden. Die
Übersetzungsmöglichkeiten richten sich nach der Art des
Gebrauchs.
attributiver Gebrauch
EM: Gerundivum steht als Attribut
(also ohne esse – Form) bei einem Beziehungswort
Bsp: -
Bezeichnung einer Eigenschaft → Übersetzung durch Verbaladjektiv mit
Endung –wert
virtus laudanda – eine lobenswerte
Leistung
á
liber legendus
– ein lesenswertes Buch
á
- Bezeichnung eines Verbalvorgangs → Übersetzung durch Infinitivsatz
mit
„zu“, Verbalsubstantiv mit Präposition od.
Gliedsatz
* Magister operam dat virtuti laudande.
á
Der Lehrer bemüht sich um eine
anzuerkennende Leistung.
Der Lehrer bemüht sich eine Leistung
anzuerkennen.
â
*
Discipuli conveniunt scientiarum discendarum causa.
á
Die Schüler kommen zusammen, um
Wissen zu erlernen.
prädikativer Gebrauch
EM: Gerundivum steht als
Prädikatsnomen bei einer Form von esse (!manchmal
Ellipse!)
Übersetzung: In dieser Anwendungsform
drückt das Gerundivum immer aus, daß etwas getan werden muß,
oder verneint, daß etwas nicht getan werden darf. Dabei gibt ein
lateinischer Dativ der Person immer die Person an, von der etwas getan werden
muß, oder verneint, nicht getan werden darf.
Bsp: * Discipulus
magisto laudandus est.
Dativ der
Person Gerund. als Präd. Nomen
Der Schüler ist
für den Lehrer ein zu Lobender.
Der Schüler muß vom
Lehrer gelobt werden.
* Discipulus magistro non verberandus est.
Der Schüler darf vom Lehrer nicht geschlagen werder.
Der Lehrer
darf den Schüler nicht schlagen.
Unterscheidung von Gerundium und
Gerundivum
Doppeldeutig sind nur die Kasusausgänge –i, –o, –um
bei allen anderen liegt eindeutig Gerundivum vor.
Das Gerundivum hat als Verbaladjektiv immer ein Beziehungswort, mit dem es
laut Königs-Regel übereinstimmt, daß Gerundium als
Verbalsubstantiv nicht.
Bsp: * Spes hostes vincendi Romanos
fefellit.
Die Hoffung auf das Besiegen der Feinde hat die Römer
getäuscht.
* Docendo discimus.
Gerundium +
BW Wir lernen durch das Lehren.
Ein Verbalvorgang, also, daß etwas getan wird, kann durch ein
Gerundium mit Objekt-ergänzung oder durch ein attributiv gebrauchtes
Gerundivum ausgedrückt werden.
Bsp: * Spes urbem capiendi regem
fefellit.
Die Hoffnung auf das Erobern der Stadt hat den König
getäuscht.
* Spes urbil capiendae regem fefellit.
Die
Hoffnung, auf eine Stadt, die erobert wird, hat den König
getäuscht.