Pörksen, Bernhard - Alle müssen Journalisten sein (Erörterung zum Thema Fake News)

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Referat

„Alle müssen Journalisten sein“ – Bernhard Pörksen, ZEIT, 2018 (Abiturrelevant 2021)

Strukturdiagramm

Der Artikel von Bernhard Pörksen kann hier abgerufen werden (Achtung! Bezahlschranke).

Problematisierung: Herausforderung des Internets

Die Macht des vernetzten Menschen verdränge die Autorität des klassischen Journalismus, was eine unkontrollierte Verbreitung von Nachrichten ohne Ethik und Norm zur Folge hat.

Lösungsvorschlag: „redaktionelle Gesellschaft“

Die Utopie der redaktionellen Gesellschaft verfolge das Prinzip der Selbstkontrolle in den öffentlichen Medien, was zur Medienmündigkeit der Menschen führe. In der redaktionellen Gesellschaft würde ein „Wertegerüst des öffentlichen Sprechens“ gelten, welches auf Offenheit und Skepsis aufbaut und dem Pressekodex angelehnt scheint und in Bildungseinrichtungen sowie unmittelbar im öffentlichen Diskurs gelehrt würde. Dies diene als Katalysator des öffentlichen Diskurses und als Grundlage der reflektierten Meinungsbildung.

Schlussfolgerungen für Bildungswesen

  • Medienkompetenz solle als Schulfach unterrichtet werden
  • Verknüpfung aus: philosophischer Ethik, Sozialpsychologie, Medienwissenschaften, Informatik
  • Themen: Macht der Medien und dessen Missbrauch, eigene Verantwortung und (Selbst)reflexion/-kontrolle

Schlussfolgerungen für Medienbetrieb

Transparente und dialogorientierte Arbeitsweise, zwei Grundsätze

  1. Qualität
    • Rohmaterialien zur Quellen- und Wissensüberprüfung werden veröffentlicht
  2. Offenheit
    • Austausch auf Augenhöhe (Fehler eingestehen)

→ Aufklärung der breiten Masse über den Pressekodex

Schlussfolgerungen für Plattform-Riesen

Selbstkontrolle durch Plattformrat (PR) & Richtlinien und Ethikkodizes

  • Kontrolle der (eigenen) Standards durch Plattformrat
  • Offenlegung bei Verletzungen der Standards durch die Plattform

→ Bildung der Öffentlichkeit

Erörterung – auf Basis des Textes „Alle müssen Journalisten sein“ von Bernhard Pörksen, 2018

Sollte es ein Schulfach mit dem Namen „Medienbildung“ geben?

Aufgabe: „Sollte es ab dem Schuljahr 2021 ein Schulfach mit dem Namen ‚Medienbildung‘ geben?“ Nehmen Sie begründet Stellung.

In Zeiten in denen Schüler aufgrund einer weltweiten Pandemie jeden Tag Zuhause vor dem Computer sitzen und ein US-Präsident nachweislich bis zu 50 „Fake-News“ am Tag verbreitet, haben soziale Netzwerke und Internetanwendungen den klassischen Journalismus verdrängt. Da dadurch jeder Social Media Nutzer – wie Bernhard Pörksen in seinem Artikel „Alle müssen Journalisten sein“ sagt – zu einem Sender geworden ist, stellt sich die Frage, ob im kommenden Schuljahr 2021 ein Schulfach mit dem Namen „Medienbildung“ eingeführt werden sollte.

Dieses in einem Artikel der Zeit mit dem Titel „Alle müssen Journalisten sein“ von Bernhard Pörksen vorgestellte Schulfach solle Medienkompetenz unterrichten. Es sei eine Verknüpfung aus philosophischer Ethik, Sozialpsychologie, Medienwissenschaften und Informatik und würde laut Pörksens Vorstellung Themen wie die Macht der Medien und dessen Missbrauch sowie die Eigenverantwortung und (Selbst)reflexion/-kontrolle behandeln. Dies führte laut Pörksen in Richtung der Utopie der sogenannten redaktionellen Gesellschaft, welche durch Selbstkontrolle eine Medienmündigkeit der Menschen erwirke und auf ein „Wertegerüst des öffentlichen Sprechens“ (Z.39-40) gründe.
Das Schulfach gilt somit auch als Antwort auf den steigenden Extremismus, Rechtspopulismus und in der Pandemie vermehrt auch Verschwörungstheorien oder Wissenschaftsverweigerern, wie z.B. die Querdenker-Initiative zu verstehen. Da diese ihre Theorien vor allem auf Falsch- oder Halbwahrheiten stützten, könnten die Falschaussagen jener in oder mithilfe des Wissens aus dem Fach Medienbildung aufgedeckt und somit eine weitere Verbreitung dieser entgegengewirkt werden. So würden Unruhen in der Bevölkerung, wie man sie im letzten Jahr bei Anti-Corona-Proteste beobachten konnte, vermieden und ein stärkerer Zusammenhalt in der Demokratie bewirkt.

Auch führe die zunehmende Macht des vernetzten Menschen zu einem Rückgang des klassischen Journalismus, welcher allerdings im Gegensatz zum vernetzten Menschen bestimmten Qualitätsstandards und Kodizes wie den publizistischen Grundsätzen unterliege und so kontrolliert worden sei. Jener Trend führe dabei, laut Pörksen, zu einer unkontrollierten Verbreitung von Nachrichten ohne jeglicher Ethik und Norm (vgl. „Alle müssen Journalisten sein“, Z.18-22). Folglich finde sich der unreflektierte Mensch vor unreflektierten Nachrichten, welche nicht wie für ihn gewohnt der Sorgfaltspflicht (vgl. „Publizistische Grundsätze“, Z.12) nach gefiltert wurden.

Darüber hinaus habe das Fach Medienbildung einen besonderen Aktualitätsbezug aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung und sei daher aktuell als fundamental zu bewerten. So seien andere Fächer (wie beispielsweise Religion, Musik…) heutzutage als sekundär zu bewerten und kämen daher bei einer Kürzung infrage, um Zeit für das neue Fach zu gewinnen und eine Überlastung der Stundenzahl entgegenzuwirken.

Auch könnte die Frage des Personals durch Umschulungen von Personal der freien Wirtschaft mit grundlegendem Journalismus und/oder Informatikstudium geklärt werden. Inhalte dieser Fortbildungen könnten die pädagogische Vermittlung von Unterrichtsstoff sowie grundlegende Inhalte der Medienbildung sein, welche durch die praktische Erfahrung der Medienschaffenden ergänzt würde und so einen stärkeren Praxisbezug erhielte.

Jedoch sollen im Fach Medienbildung laut Pörksen auch sogenannte „angewandte Irrtumswissenschaften“ gelehrt werden, welche sich mit Manipulationstechniken in den Medien auseinandersetzt. Dieses Wissen bietet ein hohes Missbrauchsrisiko, was zu gegenteiligen Effekten führen könnte, sodass Manipulationstechniken gezielt angewendet und somit der ungebildete Teil der Gesellschaft getäuscht würde.

Besonders im Hinblick auf dem herrschenden Föderalismus der Schulpolitik ist dies kritisch zu betrachten. So hätte das Fach nur eine geringe Effektivität oder gar einen gegenteiligen Effekt und könnte zur Gefahr werden, wenn es lediglich in einem Teil der Bundesrepublik unterrichtet würde. Lehrte nun zum Beispiel Niedersachsen an seinen Schulen Manipulationstechniken und Bremen nicht, so könnten niedersächsische SchülerInnen nun die unwissenden Bremer, ohne deren Rezipieren, mit ihrem Wissen manipulieren.

Zudem ist bis Anfang 2021 keine Lehrwerkstätte zu realisieren, was eine fehlende Struktur des Unterrichts zur Folge haben könnte. Zumal bei den vorgeschlagenen Medienschaffenden wenig Erfahrung in der Lehre vorhanden ist. Somit könnte die Informationsvermittlung sowie die Lehre von Methodiken zum Erkennen von „Fake-News“ unter der fehlenden Struktur, Sicherheit und Erfahrung leiden und zu einem falschen Gefühl der Sicherheit führen, sodass eine dringende Effektivität vorläge.

Ebenfalls wären Fortbildungen oder gar Studiengänge für Lehrer oder ein nötiges Referendariat für Quereinsteiger bis Anfang des Schuljahres 2021 nicht realisierbar. So ist das Schulsystem zu träge, um in dem verbleibenden Halbjahr solche Weiterbildungen zu entwickeln und durchzuführen. Dies zeigt sich erst wieder in der aktuellen Pandemie, da statt auf Videokonferenzen zu setzen vorrangig auf der analogen Bearbeitung von Aufgaben gesetzt wurde, sowie ebenso wenig Schulordnungen bezüglich der Benutzung digitaler Geräte angepasst wurden, um einen einfacheren und umweltfreundlicheren Übergang zwischen Distanz- und Präsenzunterricht zu gewährleisten.

Darüber hinaus fehlt einigen Lehrern die Expertise und das Verständnis neuer sozialer Medien und digitaler Anwendungen, was sich bereits in den Digitalisierungsfortbildungen zeigt, welche teilweise kaum einen Einfluss auf den Medieneinbezug der Lehrer haben. Da dieses Fach allerdings der Digitalisierung unterläge und dessen schnelle Fortentwicklung spiegelte, müsste die Aktualität der Inhalte fortlaufend überprüft werden, was mit dem Desinteresse gegenüber der Digitalisierung, die sich teilweise bereits zeigt, nicht in Einklang gebracht werden kann.

Ferner werden die in der Schule unterrichteten Fächer oftmals als Teil der Allgemeinbildung gesehen, welche nicht gekürzt werden sollten. Würde nun für jedes Problem in der Gesellschaft ein neues Fach eingeführt (beispielsweise Gesundheit, Klimawandel, Finanzen…) so wäre dies sowohl eine Überflutung der Kinder mit Lernstoff, als auch zeitlich nicht mehr vertretbar. Dies würde letztlich aufgrund der begrenzten Aufnahmekapazität des Gehirns zu einer Vernachlässigung von Lernstoff führen, welcher teilweise grundlegender sein könnte als das Fach Medienbildung.

Darüber hinaus sind einige Themen, welche im Fach Medienbildung unterrichtet werden sollten, bereits in bestehenden Fächern integriert. So wird beispielsweise in Geschichte Propaganda bearbeitet und damit einhergehend auch Manipulationstechniken, die angewandt wurden, oder in Deutsch die Analysen von Reden oder der Pressekodex sowie Methoden des Hinterfragens besonders in naturwissenschaftlichen Fächern gelehrt werden. Da diese Themen in jenen Fächern bereits effektiv integriert sind, wäre ein neues Fach diesbezüglich nicht nur unnötig, da es Dopplungen gäbe, sondern auch eine Kosten- und Zeitverschwendung für ineffektive Fortbildungen.

Letztlich stellt sich die Grundidee der Lehre von der Prüfung der Berichterstattung zwar als angemessene Antwort auf die derzeitig gespaltene Gesellschaft heraus, jedoch wäre eine Umsetzung in Form eines Schulfaches Medienbildung im Schuljahr 2021 als nicht realisierbar zu bewerten. Hier fehlt Zeit und Struktur sowie Personal. Zudem stellt sich die Frage, ob die bereits integrierten Themen ausreichen oder vielleicht hier eine Ausweitung bestehender Fächer stattfinden könnte, um weitere Themen der Medienbildung zu behandeln.

Dieses Video wurde auf YouTube veröffentlicht.

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