Eichendorff, Joseph von - Neue Liebe (Gedichtinterpretation)

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Joseph von Eichendorff, Analyse, Interpretation, Romantik, Gedichtinterpretation, Referat, Hausaufgabe, Eichendorff, Joseph von - Neue Liebe (Gedichtinterpretation)
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Referat

Gedichtinterpretation „Neue Liebe“ (Joseph von Eichendorff)

Neue Liebe
von Joseph von Eichendorff

Herz, mein Herz, warum so fröhlich,
So voll Unruh und zerstreut,
Als käm über Berge selig
Schon die schöne Frühlingszeit?
 
Weil ein liebes Mädchen wieder
Herzlich an dein Herz sich drückt,
Schaust du fröhlich auf und nieder,
Erd und Himmel dich erquickt.
 
Und ich hab die Fenster offen,
10 
Neu zieh in die Welt hinein
11 
Altes Bangen, altes Hoffen!
12 
Frühling, Frühling soll es sein!
 
13 
Still kann ich hier nicht mehr bleiben,
14 
Durch die Brust ein Singen irrt,
15 
Doch zu licht ist's mir zum Schreiben,
16 
Und ich bin so froh verwirrt.
 
17 
Also schlendr' ich durch die Gassen,
18 
Menschen gehen her und hin,
19 
Weiß nicht, was ich tu und lasse,
20 
Nur, daß ich so glücklich bin.

(„Neue Liebe“ von Joseph von Eichendorff ist auch in unserer Gedichtedatenbank zu finden. Dort findest Du auch weitere Gedichte des Autoren. Für die Analyse des Gedichtes bieten wir ein Arbeitsblatt als PDF (24.4 KB) zur Unterstützung an.)

Das Liebesgedicht „Neue Liebe“ von Joseph von Eichendorff entstand im Jahre 1837 in der Epoche der Romantik. Es handelt von einem frisch verliebten lyrischen Ich, welches seine Glücksgefühle mit der aufblühenden Natur vergleicht.

Die Gefühle, die sonst der Frühling im lyrischen Ich bewirkt, werden nun durch ein Mädchen erweckt. Das lyrische Ich ist so verliebt, dass es an nichts anderes als an seine Liebe denken kann. Es lässt seine Vergangenheit hinter sich und hat nur noch Augen für die Zukunft. Da es sich auf nichts anderes konzentrieren kann, geht es durch die Gassen und ist durch seine Liebesgefühle vollkommen erfüllt.

Das Gedicht soll den Leser an den Liebesgefühlen des lyrischen Ich teilhaben lassen, sodass er diese nachempfinden kann und dadurch selbst in eine gute Stimmung versetzt wird.

Im Nachfolgenden wird das Gedicht hinsichtlich Form, Inhalt und Sprache analysiert.

Das Gedicht besteht aus fünf Strophen mit je vier Versen und ist der Epoche der Romantik zuzuordnen. Denn es beinhaltet typische Merkmale wie Sehnsucht, Liebe und Natur. Die Schilderung einer harmonischen Verbindung von Mensch und Natur ist typisch für diese Epoche. Zudem hat es die Strophenform eines einfachen Volksliedes mit einem regelmäßigen Kreuzreim, was ebenfalls typisch für die Romantik ist.

Das Metrum ist ein vierhebiger Trochäus. Männliche und weibliche Kadenzen variieren im Verlauf des Gedichts. Das hebt die Beziehung des Liebespaares hervor. Der Titel „Neue Liebe“ zeigt vorab, dass das lyrische Ich frisch verliebt ist. Er lässt ebenfalls vermuten, dass dies nicht die erste Liebe des lyrischen Ich ist.

In der ersten Strophe wird erstmals deutlich, wie „fröhlich“ (V. 1) das lyrische Ich ist. Es ist so verliebt, dass es „voll Unruh“ (V. 2) nicht mehr klar denken kann (vgl. V. 2). Es scheint so, als würde der Frühling für das lyrische Ich schon beginnen (vgl. V. 3 f.). Die zahlreichen Adjektive wie „fröhlich“ (V. 1), „selig“ (V. 3) und „schön[…]“ (V. 4) veranschaulichen die positive Stimmung, die im gesamten Gedicht vorherrscht. Die rhetorische Frage „warum so fröhlich“ (V. 1) zeigt, dass das lyrische Ich sein Glück gar nicht richtig fassen kann. Durch die Epanalepse (Wiederholung eines gleichen Wortes oder einer Wortgruppe im Satz) „Herz, mein Herz“ (V. 1) wird die Kraft seiner Liebe verdeutlicht.

Auffallend ist der Vergleich der Glücksgefühle mit der „Frühlingszeit“ (V. 4). Der Frühling steht symbolisch für einen Neuanfang, den das lyrische Ich in der Liebe wagt. Zudem ähneln Frühlingsgefühle denen der Liebe. Im Frühling erweckt die Natur erneut zum Leben und die Sonne strahlt wieder voller Kraft. Ähnliche Gefühle kann eine Liebesbeziehung in Menschen hervorrufen, da die Liebe den Menschen neue Kraft und Hoffnung geben kann. Die Personifikation der „Frühlingszeit“ (V. 4), welche über die Berge kommt (vgl. V. 3), veranschaulicht außerdem die Verbundenheit des lyrischen Ich zur Natur und zeigt somit auch noch mal die Verbindung zwischen den Glücksgefühlen der Liebe und des Frühlings. Des Weiteren wird dadurch deutlich, wie wichtig ein Leben im Einklang mit der Natur für das lyrische Ich ist.

In der darauffolgenden Strophe wird die Ursache für die Fröhlichkeit genannt. Diese ist die Liebe zu einem Mädchen (vgl. V. 5). Auffällig in der zweiten Strophe ist der Wechsel der Pronomen von der ersten zur zweiten Person Singular (vgl. V. 7). Das lyrische Ich spricht den Leser hier direkt an und bezieht ihn so in das Geschehen mit ein. Es wird eine enge Verbindung zum Leser hergestellt. Das lyrische Ich erreicht damit, dass seine Liebesgefühle leichter nachzuempfinden sind. Durch die erneute Wiederholung des Wortes „Herz“ (V. 6) in abgewandelter Form als „[h]erzlich“ (V. 6) wird die Stärke der Liebe nochmals hervorgehoben. Das Wort „Mädchen“ (V. 5) lässt darauf schließen, dass das Liebespaar noch sehr jung ist.

Zudem gibt das lyrische Ich durch das Wort „wieder“ (V. 5) zu, dass es nicht das erste Mal verliebt ist. Es scheint schon Erfahrungen mit der Liebe gemacht zu haben. Durch die positive Stimmung im gesamten Gedicht sowie durch die Betitelung des Mädchens als lieb (vgl. V. 5) ist anzunehmen, dass diese Erfahrungen in positiver Erinnerung geblieben sind. Auch hier wird wieder die Verbindung zur Natur hergestellt (vgl. V. 8), die das lyrische Ich sehr schätzt. Eine positive Einstellung und Stimmung sorgen dafür, dass einen alles erfreut (vgl. 7 f.). „Erd‘ und Himmel“ (V. 8) stehen hier für alles. Jede Kleinigkeit der Natur empfindet das lyrische Ich als wunderschön, was seine Liebesgefühle noch weiter verstärkt. Durch die Glücksgefühle der Liebe sieht das lyrische Ich in allem, besonders in der Natur, nur das Gute. Es ist wie in Trance, sodass es nichts Negatives mehr wahrnehmen kann.

In der dritten Strophe werden die Folgen und Wirkungen der Liebe aufgezeigt. Das lyrische Ich möchte sein altes Leben hinter sich lassen und ein neues beginnen (vgl. V. 9 ff.). Es ist offen für einen Neuanfang und hofft auf eine gute Zukunft mit seiner Geliebten. Dies zeigt das lyrische Ich mithilfe der Metapher von geöffneten Fenstern (vgl. V. 9). Darüber hinaus möchte es viel erleben, hinaus „in die Welt“ (V. 10) ziehen und somit viele schöne Erinnerungen schaffen. Die Antonyme „[n]eu“ (V. 10) und „[a]lt[…]“ (V. 11) stellen den Übergang von dem alten ins neue Leben dar. Das alte Leben des lyrischen Ichs war anscheinend von Problemen geprägt (vgl. V. 11). Zudem hat es auf die eine, richtige Liebe gewartet und die Hoffnung nie verloren (vgl. V. 11). Doch dieses Warten und die anderen negativen Gefühle liegen nun in der Vergangenheit. Der jubelnde Ausruf „Frühling, Frühling soll es sein!“ (V. 12) betonen das Glücksgefühl des lyrischen Ich. Es ist so stark, dass es das lyrische Ich nicht verbergen will. Zudem wird durch die Wiederholung des Wortes „Frühling“ (V. 12) erneut der schöne Neuanfang erwähnt. Die Glücksgefühle des Frühlings werden mit denen der Liebe verglichen.

Die vierte Strophe zeigt die durch die Liebesgefühle frei werdende Energie (vgl. V. 13) und zugleich die Verwirrtheit (vgl. V. 15) des lyrischen Ich. Es kann nicht mehr ruhig bleiben, sich nicht konzentrieren und möchte seinen Gefühlen freien Lauf lassen (vgl. V. 13). Die Personifikation „[d]urch die Brust ein Singen irrt“ (V. 14) veranschaulicht die Schmetterlinge im Bauch des lyrischen Ich. Singen ist eine fröhliche Aktivität, die für etwas Positives steht. Die Gefühle des lyrischen Ich sind genauso schön und können einen Menschen wie Gesang erfüllen. Diese Glücksgefühle nehmen die Gedanken des lyrischen Ich voll und ganz ein. Es ist ihm „zu licht“ (V. 15) zum Schreiben. Das lyrische Ich kann sich nicht konzentrieren, da es „so froh verwirrt“ (V. 16) ist und durchweg an seine Geliebte denken muss. Des Weiteren erfährt man hier etwas über das alltägliche Leben des lyrischen Ich. Die Tätigkeit des Schreibens (vgl. V. 15) ist höchstwahrscheinlich ein Teil seines Berufes. Es ist also anzunehmen, dass das lyrische Ich Schriftsteller oder Dichter ist.

In der fünften Strophe „schlend[ert]“ (V. 17) das lyrische Ich „durch die Gassen“ (V. 17), ohne etwas Bestimmtes zu tun. Die Zeit und die zuvor erwähnte Arbeit scheinen keine Rolle mehr zu spielen. Es ist dem lyrischen Ich egal, was es tut, solange es die Liebesgefühle in sich trägt (vgl. V. 19). Das lyrische Ich hat das Gefühl, dass alles andere plötzlich unwichtig ist, da nur noch die Liebe zählt. Es nimmt die Umgebung kaum noch wahr, da die Glücksgefühle seine Gedanken beherrschen. Auch, was die anderen Menschen machen, ist dem lyrischen Ich nicht wichtig. Die Alliteration „her und hin“ (V. 18) hebt dieses Gefühl der Gleichgültigkeit sehr einprägsam hervor. Der Gang durch die Gassen (vgl. V. 17) kann zudem als Rückbezug zur Natur interpretiert werden. Das lyrische Ich ist so voller Glücksgefühle, die es ebenfalls draußen im Frühling empfindet, sodass es diese Gefühle verbinden möchte. Es denkt draußen über seine Geliebte nach und wird sich bewusst, wie glücklich es ist (vgl. V. 20).

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass dieses Gedicht die Liebe einer jungen Person sehr gut wiedergibt. Durch den Vergleich mit dem Frühling wird bewusst, was für eine große Rolle die Natur für das lyrische Ich spielt, aber auch wie ähnlich die Glücksgefühle im Frühling und in der Liebe sind.
Allerdings bleiben noch einige Fragen offen. Zum einen weiß der Leser nichts Genaues über das Mädchen. Es wäre auch interessant zu wissen, wie die Liebesgeschichte der beiden weitergegangen ist.

Die eingangs aufgestellte Vermutung über die Intention des Gedichts hat sich jedoch bestätigt. Dieses Gedicht soll durch die positiven Gefühle des lyrischen Ich auch den Leser erfreuen und ebenfalls glücklich machen. Des Weiteren kann das Gedicht als eine Art Aufruf wahrgenommen werden, der den Leser ermuntern soll, selbst herauszugehen und sein Glück in der Liebe und in der Natur zu finden, ohne etwas infrage zu stellen und ohne sich in den Problemen der Vergangenheit zu verlieren. Denn ein Neuanfang ist manchmal genau das richtige, um das Leben wieder zu genießen.

Die Aussage des Textes ist auch für die heutige Zeit noch aktuell. Liebe und Natur werden immer ein Thema der Menschen sein, welches essenziell für das Leben ist. Auch wenn die Naturverbundenheit der Menschen heutzutage nicht mehr ganz so stark ist wie früher, sind die Glücksgefühle im Frühling und in der Liebe für die meisten nachvollziehbar.

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