Eichendorff, Joseph von - Mondnacht (Biografie 2 Interpretationsansätze)

Schlagwörter:
Joseph von Eichendorff, Analyse, Interpretation, Romantik, Gedichtinterpretation, Referat, Hausaufgabe, Eichendorff, Joseph von - Mondnacht (Biografie 2 Interpretationsansätze)
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Referat

Joseph von Eichendorff „Mondnacht“

Mondnacht
von Joseph von Eichendorff

Es war, als hätt’ der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt’.
 
Die Luft ging durch die Felder,
Die Aehren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.
 
Und meine Seele spannte
10 
Weit ihre Flügel aus,
11 
Flog durch die stillen Lande,
12 
Als flöge sie nach Haus.

(„Mondnacht“ von Joseph von Eichendorff ist auch in unserer Gedichtedatenbank zu finden. Dort findest Du auch weitere Gedichte des Autoren. Für die Analyse des Gedichtes bieten wir ein Arbeitsblatt als PDF (23.8 KB) zur Unterstützung an.)

Biografie von Joseph Freiherr von Eichendorff

Geboren 10.3.1788 Schloß Lubowitz bei Ratibor / Oberschlesien;
Gestorben 26.11.1857 Neisse / Schlesien

Eichendorff entstammte einer katholischen Adelsfamilie. Nach dem Besuch des katholischen Gymnasiums in Breslau 1801-1804 begann er ein Jurastudium in Halle 1805/06, das er 1807/08 in Heidelberg fortsetzte. 1808 unternahm er eine Bildungsreise nach Paris und Wien, von wo aus er 1810 nach Lubowitz zurückkehrte und dort den Vater bei der Verwaltung der Güter unterstützte. Den Winter 1809/10 verbrachte er in Berlin, besuchte Vorlesungen bei Fichte und kam mit Arnim, Brentano und Kleist zusammen. In Wien setzte er 1810 das Studium fort und schloss es 1812 ab. 1813-1815 nahm er an den Befreiungskriegen teil. 1816 trat er in den preußischen Staatsdienst als Referendar in Breslau., wurde 1821 katholischer Kirchen- und Schulrat in Danzig, 1824 Oberpräsidialrat in Königsberg. 1831 übersiedelte er mit der Familie nach Berlin und war dort in verschiedenen Ministerien beschäftigt, bis er 1841 zum Geheimen Regierungsrat ernannt wurde; 1844 ging er in Pension.

Biografie

  • 10.03.1788 in Schloss Lubowitz/Oberschlesien geboren
  • 1801-04 Besuch des katholischen Gymnasiums in Breslau
  • 1805/06 Jurastudium in Halle: Bekanntschaft mit den Schriften Novalis
  • 1807 Fortsetzung der Studien in Heidelberg: Bekanntschaft mit den Romantikern Arnim, Görres, Creuzer, Brentano
  • 1808 Bildungsreise nach Paris
  • 1809 Verlobung
  • 1809-10 in Berlin: Besuch der Vorlesungen von Fichte, näherer Kontakt zu Arnim und Brentano, Bekanntschaft mit Kleist und Adam Müller
  • 1810 in Wien: enger Kontakt zu Friedrich Schlegel
  • 1813 Eintritt ins preußische Heer, Teilnahme an den Befreiungskriegen
  • 1814 Heirat
  • ab 1816 im Staatsdienst
  • 1824 Oberpräsidialrat und Mitglied der ostpreußischen Regierung in Königsberg
  • 1831 Rat im Berliner Kultusministerium
  • erst ab 1841 feste Einstellung als Geheimer Regierungsrat
  • 1844 nach der Entlassung Aufenthalte in Danzig, Wien, Berlin, Köthen, Dresden
  • 1850 Rückkehr nach Berlin
  • 1855 Übersiedlung in sein Landhaus St. Rochus in Neisse
  • 26.11.1857 in Neisse/Schlesien gestorben

Wichtige Werke:

  • 1815: Ahnung und Gegenwart (Roman)
  • 1818: Das Marmorbild (Novelle)
  • 1826: Aus dem Leben eines Taugenichts (Novelle)
  • 1834: Dichter und ihre Gesellen (Roman)
  • 1837: Das Schloss Dürande (Novelle)

1. Interpretationsansatz

In diesem in Volksliedform geschriebenem romantischen Gedicht beschreibt Eichendorff das Erlebnis einer schönen Mondnacht und ihre lösende Wirkung auf das lyrische Ich, auf einen einzelnen Menschen. Das Gedicht besteht aus 3 Strophen zu je 4 Versen, wobei die einzelnen Verse durch Zeilensprünge verbunden sind. Durch diese fließenden Übergänge bildet das Gedicht eine geschlossene Einheit, die eine gewisse Ruhe ausstrahlt.

Dieser Eindruck wird auch durch den gleichmäßigen 3- hebigen Jambus und den alternierenden Wechsel von weiblicher und männlicher Kadenz verdeutlicht. Des Weiteren liegt ein Kreuzreim mit einer Verszeile im unreinen Reim vor. Auch durch die gleichbleibende Verwendung des Präteritums wird das Bild der Ruhe nicht zerstört.

Schon durch den metaphorischen Vergleich „Es war, als hätt der Himmel / Die Erde still geküsst“ zu Beginn der 1. Strophe erscheint vor dem Auge des Lesers ein Bild, welches vor Harmonie strahlt. Hierbei lassen sich der personifizierte „Himmel“ und die „Erde“ mit einem Liebespaar gleichsetzen. Durch den verwendeten Neologismus „Blütenschimmer“ in der 3. Verszeile könnte sich eine Veränderung darstellen lassen, denn nach dem Kuss ist die „Erde“ von einer Faszination zum „Himmel“ gefangen, „Daß sie […] / Von ihm nun träumen müsst“, von der sie sich nicht mehr loslösen kann. In der 2. Strophe wird durch eine Aufzählung, die durch eine Anapher „Die Luft […] / Die Ähren […]“ verbunden wird, das harmonische Aussehen der Natur beschrieben. Diese Strophe erinnert an einen lauen Spätsommertag, der eine entspannte Wirkung hat. In der 3. Strophe versucht Eichendorff sein unbeschreibliches Glücks- und Stärkegefühl, dass nun alles möglich und erreichbar sei, auszudrücken, welches ihm wieder durch einen Vergleich gelingt. Er lässt die „Seele“, also seine innersten Gedanken und Gefühle, berauscht durch die vorher beschriebene Ruhe und Idylle „weit ihre Flügel“ ausspannen und lässt sie fliegen. „Als flöge sie nach Haus“, wobei die Metapher „Haus“ für einen Ort steht, an dem sich ein Mensch geborgen fühlt, wie zum Beispiel die Familie oder Religion. Da der Vergleich im Konjunktiv gefasst ist, zeigt er, dass dies nicht die Realität ist, sondern, dass er sich dies nur wünscht und eine große Sehnsucht danach hat.

Da Eichendorff von einer lebenslangen Liebe zu dem Park Lubowitz geprägt ist, der zum Familiensitz gehörte, aber verloren ging, könnte er in „Mondnacht“ seine Erinnerung an diesen Park auf romantische Art und Weise verarbeiten.

Durch „Mondnacht“ zeigt Eichendorf, dass man von Gefühlen überwältigt Ziele erreichen kann, die sonst nicht im Bereich des Möglichen liegen, wenn man die Gefühle zulässt und sich von ihnen leiten lässt. Er verdeutlicht, dass Gefühle genauso wichtig sind wie der Verstand.

2. Interpretationsansatz

Schon der Titel des Gedichtes „Mondnacht“, geschrieben von Joseph Freiherr von Eichendorff im Jahre 1837, weckt im Leser ein wohliges Gefühl der Geborgenheit. Die Ruhe der Nacht wird erhellt durch den Mond, der ihr somit die bedrohliche Dunkelheit nimmt. Diese Grundstimmung der Überschrift wird in den folgenden drei Strophen mit jeweils vier Versen weiter ausgebaut.

Das Gedicht ist in einfacher, bildhafter Sprache verfasst, die sicherstellt, dass der Leser den Vorstellungen des Autors folgen kann. Zudem gibt sie dem Werk einen volksliedhaften Charakter, der darüber hinaus durch die Stropheneinteilung, den volkstümlichen Kreuzreim und den gleichmäßigen, dreihebigen Jambus mit wechselnder Kadenz unterstützt wird. „Mondnacht“ ist die rückblickende Schilderung eines Naturerlebens. So tritt in den ersten beiden Strophen das lyrische Ich als solches zurück, es wird in keiner Weise erwähnt, um dem Leser dasselbe bloße Empfinden der nächtlichen Welt zu ermöglichen. In der dritten Strophe wird die Wirkung auf das lyrische Ich selbst eröffnet. Die erste Strophe wird dominiert durch einen Vergleich, der das romantische Bewusstsein des lyrischen Ichs widerspiegelt. Der Horizont stellt nicht mehr das bloße Zusammentreffen von Himmel und Erde oder das Ende des Sichtfeldes dar. Nein, an dieser Stelle wendet sich der Himmel liebevoll der Erde zu, um sich mit ihr in einem Kuss zu verbinden. Er stellt die Vereinigung zwischen zwei allgemein als antithetisch betrachteten Begriffen dar – dem Himmel, dem Göttlichen und der Erde, dem gemeinen Irdischen.

Das lyrische Ich betrachtet also nicht die Welt als solche, sondern er sieht sie als Werk eines Gottes, dem er sich gerade in diesem Moment sehr nahe fühlt – ausgedrückt durch die Zuwendung des Schöpfers zur irdischen Welt des Ichs. Die ruhige Atmosphäre der Nacht wird durch die Wortwahl verstärkt. Harmonie und Ruhe ausdrückende Adjektive und Verben (z.B.: „still“, Zeile 2; „träumen“, Zeile 4) sowie die vorherrschen „hellen“ Laute („i“, “ü“; z.B.: „Himmel“, Zeile 1; „still“, “geküßt“, Zeile 2, „Blütenschimmer“, Zeile 3) vertreiben letztlich jegliche Assoziation der Nacht mit Dunkelheit, Bedrohung oder gar Tod. Während die erste Strophe nur eine mögliche Interpretation des Gesehenen durch das lyrische Ich anklingen lässt, schildern die Verse vier bis acht den gedeuteten Naturmoment. Geschaffen wird hierbei nicht nur eine einzige Momentaufnahme, sondern das Bild einer belebten, bewegten Natur, unterstützt durch sehr dynamische Verben wie „wog[t]en“ (Vers 6) und „rausch[t]en“ (Vers 7). Diese werden in Kombination mit Adjektiven wie „sacht“ (Vers 6) und „leis“ (Vers 7) genutzt. Diese Antithetik entwirft ein spannungsvolles Bild der Mondnacht, die Ruhe und Bewegung, Statik und Dynamik in sich vereint. In ihrer Perfektion scheint sie auch noch die Elemente der Schöpfung in ihrem Bild zu vereinigen: Es ist „Luft“, nicht Wind, die „durch die Felder [geht]“ (Vers 5); die „wogenden Ähren“ empfinden die sanfte Bewegung des Wassers nach; die Wälder, aus Erde entstanden, rauschen und dies alles geschieht unter dem klaren Feuer der Sterne (Vers 8).

Es drängt sich der Gedanke auf, dass die bewegte Luft, wie der Hauch Gottes, die Natur lebendig macht. Und doch scheint die letzte Zeile aus dem Gefüge der Strophe zwei hervorzutreten. Zwischen dem vergleichenden „so sternklar…“ (Vers 8) und den vorherigen Zeilen fehlt jeder Zusammenhang. Wie „sternklar“ war denn die Nacht? Was wurde dadurch bewirkt? Eventuell handelt es sich um einen Bezug auf die erste Strophe: Die Nacht war also so klar, dass die Trennlinie zwischen Himmel und Erde nahezu verschwand. Vielleicht soll auch „nur“ eine Betonung des folgenden Adjektivs bewirkt werden. Wiederum gilt das Ende der Strophe auch als Abschluss einer Sinneinheit. In der dritten Strophe tritt nun erstmals das lyrische Ich (Vers 9: „meine“) selbst auf, um die Wirkung des Naturschauspiels auf die eigenen Gedanken dazulegen. Sie beginnt unvermittelt mit der Konjunktion „und“. Im gesamten Gedicht und insbesondere in Strophe zwei wurden die Beobachtungen aufgezählt, ohne von Bindeworten verknüpft zu werden.

Warum geschieht dies nun hier, am Beginn einer neuen Sinneinheit? Das „und“ spannt nochmals eindringlich den Bogen zwischen den Beobachtungen und den nun folgenden Empfindungen des Sprechers, es wird deren Abhängigkeit von der Naturnähe ein weiteres Mal betont. Wenn von einem Auftreten des lyrischen Ichs die Rede ist, so ist nicht die körperliche Anwesenheit des Menschen gemeint, die das Bild der Perfektion nur stören könnte. Es ist die Seele des Sprechers, die sich über all dies im Vogelflug erhebt. Im Gegensatz zur zwar bewegten, jedoch trotzdem eher passiv des „Gotteshauch“ ergebenen Natur entwickelt die Seele eigenständige Aktivität. Sie fliegt auf von der Erde, verlässt sie also, um ohne den irdischen Ballast in den Himmel einzutauchen. Sprachlich auffällig ist in der dritten Strophe die Alliteration, konstruiert aus den Worten „Flügel“ (Zeile 10), „flog“ (Vers 11) und „flöge“ (Zeile 12). Sie setzt nochmals einen Akzent auf die Aktivität der Seele, die die letzten vier Verse ebenso beherrscht wie der Klang der Lautwiederholung. Eine weitere Akzentuierung bildet ein Kontrast in der dritten Zeile: „Die Lande“ sind „still“ im Gegensatz zur fliegenden Seele. Ihr Ziel wird nicht eindeutig benannt. Doch die Sicherheit, mit der sie sich bewegt, lasst den Vergleich mit dem Weg nach Haus zu. Der Sprecher gibt nun doch zumindest einen Hinweis auf die Zielsetzung; denn die Heimat der Seele ist bekanntlich nicht das Irdische, sondern das Himmelreich. Eichendorff entwirft das Bild einer nächtlichen ruhenden Natur.

Doch die Schilderung gerät keineswegs langweilig, er schafft es mithilfe zahlreicher dichterischer Mittel, die Spannung zu erhalten. So nutzt er „unreine Reime“ („Himmel“ ↔ „Blütenschimmer“, Zeilen 1 und 3; „spannte“ ↔ „Lande“, Verse neun und elf) am Ende der Zeilen oder auch Binnenreime, also Gleichklänge innerhalb der Zeilen („Blütenschimmer“ ↔ „geküßt“, Zeilen drei und zwei). Er stellt Verben und Adjektive antithetisch zusammen (siehe Strophe zwei) und variiert häufig die Stellung der Subjektive (Beispiel ist die Strophe zwei: zweimal Subjekt am Anfang, dann plötzlich am Schluss der Zeile). Für das lyrische Ich stellt sich die Schönheit des Erlebnisses mit solch überwältigender Kraft dar, dass es an eine göttliche Einmischung glaubt. Es meint die Nähe Gottes und seine Anziehungskraft auf die Seele zu fühlen. Denn so schön die Natur sich auch darstellen mag – ein wirkliches Zuhause, wahre Geborgenheit meint das lyrische Ich nur in den Armen des Schöpfers zu finden.

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