Goethe, Johann Wolfgang von - Willkommen und Abschied (Interpretation)

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Johann Wolfgang von Goethe, Analyse, Gedichtinterpretation, Referat, Hausaufgabe, Goethe, Johann Wolfgang von - Willkommen und Abschied (Interpretation)
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Referat

Gedichtinterpretation „Willkommen und Abschied“ – Johann Wolfgang von Goethe

Willkommen und Abschied
von Johann Wolfgang von Goethe

Es schlug mein Herz; geschwind zu Pferde!
Es war gethan fast eh’ gedacht;
Der Abend wiegte schon die Erde
Und an den Bergen hing die Nacht:
Schon stand im Nebelkleid die Eiche
Ein aufgethürmter Riese da,
Wo Finsterniß aus dem Gesträuche
Mit hundert schwarzen Augen sah.
 
Der Mond von einem Wolkenhügel
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Sah kläglich aus dem Duft hervor,
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Die Winde schwangen leise Flügel,
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Umsaus’ten schauerlich mein Ohr;
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Die Nacht schuf tausend Ungeheuer;
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Doch frisch und fröhlich war mein Muth:
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In meinen Adern welches Feuer!
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In meinem Herzen welche Gluth!
 
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Dich sah ich, und die milde Freude
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Floß von dem süßen Blick auf mich;
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Ganz war mein Herz an deiner Seite
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Und jeder Athemzug für dich.
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Ein rosenfarbnes Frühlingswetter
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Umgab das liebliche Gesicht,
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Und Zärtlichkeit für mich – Ihr Götter!
24 
Ich hofft’ es, ich verdient’ es nicht!
 
25 
Doch ach schon mit der Morgensonne
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Verengt der Abschied mir das Herz:
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In deinen Küssen, welche Wonne!
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In deinem Auge, welcher Schmerz!
29 
Ich ging, du standst und sahst zur Erden,
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Und sahst mir nach mit nassem Blick:
31 
Und doch, welch Glück geliebt zu werden!
32 
Und lieben, Götter, welch ein Glück!

(„Willkommen und Abschied“ von Johann Wolfgang von Goethe ist auch in unserer Gedichtedatenbank zu finden. Dort findest Du auch weitere Gedichte des Autoren. Für die Analyse des Gedichtes bieten wir ein Arbeitsblatt als PDF (26.2 KB) zur Unterstützung an.)

Das Gedicht „Willkommen und Abschied“ wurde im Jahre 1771 von Johann Wolfgang von Goethe verfasst und ist somit in die Zeit des Strum und Drangs einzuordnen. Das Gedicht zählt zur Erlebnislyrik, denn das lyrische Ich ist Goethe selbst. Es ist nachzuweisen, dass Goethe in diesem Gedicht seine Liebe und seine Schuldgefühle gegenüber Frederike Brion verarbeitet, die er nach 1 ½ Jahren Beziehung für immer verlassen hat, ohne sich je wieder bei ihr gemeldet zu haben.

Die Gliederung des Gedichtes in 4 Strophen zu jeweils 8 Versen zeigt einen gleichmäßigen Aufbau. Der Kreuzreim in den ersten beiden Strophen und der Wechsel von männlicher und weiblicher Kadenz ruft einen gleichmäßigen Rhythmus hervor und soll den Ritt „geschwind zu Pferde“ (Z.1) verdeutlichen. Die Textstelle „Es war getan fast eh´ gedacht“ lässt vermuten dass, das lyrische Ich aufgeregt ist und so schnell wie möglich zu seiner Geliebten will. In den ersten beiden Strophen wird die Natur als etwas Bedrohliches dargestellt. Die plötzlich auftauchende Eiche wird mit „Einem [Ein] aufgetürmten [-r] Riesen [-e]“ (Z.6) verglichen und jagt einem einen Schrecken ein. Die Personifikationen von „Finsternis“(Z. 7) und „Mond“ (Z.9) lassen die Natur lebendig wirken. Hyperbeln wie „hundert schwarze [n] Augen“ (Z.8) und „tausend Ungeheuer“ (Z.13) lassen, genau wie die dunklen Vokale (2. Strophe) ein Bild der Beängstigung in der Fantasie des Lesers entstehen. Doch selbst durch diese Angst einflößende Situation lässt sich das lyrische Ich nicht aufhalten.

„In meinen Adern welches Feuer! / In meinem Herzen welche Glut!“ (Z. 15, 16) Anhand dieser Textstelle lässt sich nachweisen, dass Goethe von der Liebe beflügelt war. Es zeigt sich seine mutige Entschlossenheit. Durch die Anapher in den letzten beiden Verszeilen wird dieser Eindruck noch hervorgehoben.

Insgesamt sind die ersten beiden Strophen als Exposition anzusehen, erst in der dritten Strophe wird ein Teil des Titels des Gedichtes klar. „Dich sah ich“ (Z.17) lässt die Vermutung aufkommen, dass der Reiter bei seiner Geliebten angekommen ist. Von der 2. zur 3. Strophe ist ein deutlicher Stimmungswechsel zu bemerken. Helle Vokale und schöne Adjektive werden eingesetzt, um den Leser die fröhliche Atmosphäre spüren zu lassen. Der Einsatz von Enjambement erzeugt eine fließende Bewegung. Lebendigkeit wird durch eine erneute Personifikationen hervorgerufen. Die Aussage „Und jeder Atemzug für Dich“ (Z.20) ist meiner Meinung nach ein Zeichen dafür wie sehr er seine Frederike geliebt hat, denn Atem ist gleichzusetzen mit Leben, demzufolge lebte er nur für sie. Die Natur wird hier nicht mehr als etwas Bedrohliches dargestellt, sondern soll sie soll die Schönheit seiner Geliebten verdeutlichen. „Ein rosenfarbnes Frühlingswetter / Umgab das liebliche Gesicht,“(Z.21, 22), wobei man Frühlingswetter auch als Symbol für das Verliebtsein ansehen kann. Das wohl typischste Symbol für die Liebe ist das „Herz“ (Z. 19).

Ich bin der Meinung, dass das lyrische Ich den Augenblick mit seiner Liebsten zusammen zu sein als aller größtes Glück ansieht, er ruft sogar die „Götter!“(Z. 23).

Trotz dessen empfindet er es als unverdientes Glück. „Ich hofft´es, ich verdient´es nicht!“(Z.24)

Mit Anfang der vierten Strophe erfolgt eine rasche Wendung. Verdeutlicht wird dies als erstes durch einen Zeitwechsel von Nacht zu Morgen, wofür als Beweis die „Morgensonne“ (Z. 25) als Symbol dient. Abschiedsstimmung macht sich breit, es herrscht eine traurige Atmosphäre. „Verengt der Abschied mir das Herz:“ (Z. 26) Doch nicht nur das lyrische Ich ist traurig, auch seine Geliebte leidet unter der bevorstehenden Trennung. „In Deinen Küssen welche Wonne! / In Deinem Auge welcher Schmerz!“ (Z.27, 28) Ihr ist der Schmerz förmlich ins Gesicht geschrieben. Die Anaphern in der vierten Strophe wirken eindringlich auf den Leser. Bei dem endgültigen Abschied „Ich ging, Du standest und sahst zur Erden / Und sahst mir nach mit nassem Blick:“ (Z. 29, 30) liegt der Gedanke nahe, dass mit „nassem Blick“ Tränen symbolisiert werden sollen und die Trauer ihn zu verlieren zum Ausdruck gebracht werden soll. Am Ende des Gedichtes und der Strophe schwankt das lyrische Ich zwischen dem „Glück, geliebt zu werden!“ (Z. 31) und dem Abschiedsschmerz. Er dankt den Göttern für die Erfahrung geliebt zu werden.

Dieses Video wurde auf YouTube veröffentlicht.

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