Kleist, Heinrich von - Friedrich von Homburg oder die Schlacht bei Fehrbellin

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Heinrich von Kleist, Epoche, Zeit, Historischer Kontext, Charaktere, Interpretation, Referat, Hausaufgabe, Kleist, Heinrich von - Friedrich von Homburg oder die Schlacht bei Fehrbellin
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Referat

Heinrich von Kleist: Prinz Friedrich von Homburg oder die Schlacht bei Fehrbellin

Heinrich von KleistPrinz Friedrich von Homburg oder die Schlacht bei Fehrbellin ist ein 1809-10 geschriebenes, aber erst 1821, nach dem Tod des Autors, aufgeführtes Stück von Heinrich von Kleist.

Der Titel bezieht sich auf den wahren Fürsten von Homburg in der Schlacht von Fehrbellin 1675, Friedrich von Hessen-Homburg (1633-1708), aber über Name und Ort hinaus gibt es wenig oder gar keine Ähnlichkeit zwischen dem romantischen Charakter im Stück und dem gleichnamigen Friedrich, einem langjährigen, erfolgreichen Berufssoldaten.

Das mehrfach verfilmte Stück inspirierte die Oper Der Prinz von Homburg von Hans Werner Henze. Premiere die Aufführung der Oper im Jahr 1960.

Entstehung des Stückes

  • Kleist diskutierte oft über das Problem der Insubordination (Verweigerung des Gehorsams gegenüber (militärischen) Vorgesetzten; mangelnde Unterordnung)
  • Beispiel: preußischer Prinzen Louis Ferdinand, fällte im Jahr 1806 eine eigenmächtige Entscheidung, die zu einem Gefecht führte, wobei er starb → mutiger Gegenspieler des furchtsamen Königs
  • Umformung entstanden durch die Memoiren von Friedrich dem Großen aus dem Jahr 1751
  • hoffte, dass er durch die patriotische Thematik seines Stückes die Gunst des Hofes gewinnen kann, und widmete es sogar der „Prinzessin Amalie Marie Anne“ (nach dem Tod von Königin Luise als neue Staatsrepräsentantin) → Todesfurchtszene, Problematik der Insubordination, Veränderung der historischen Wahrheit missfielen dem Königshaus → die Tatsache dass die Prinzen-Figur mit menschlichen Regungen bedachte, verstieß gegen das extrem strenge, preußische Offiziersethos

Epoche:

  • Klassik → Ordnung, Vollendung, Vernunft, geschlossene Form, Typisierung, Objektivität
  • Romantik → Beweglichkeit, Grenzenlos, Vieldeutig, Fantasie, Individualisierung, Maßlos, Freiheit, Unfertiges

Zeit (1809-1810)

  • Ideen der Aufklärung (Kritik an Vorherrschaft der Kirche, absolutistische Ständegesellschaft, Forderungen nach der Gleichheit aller Menschen vor Recht und Gesetz, Emanzipation der benachteiligten Schichten)
  • Französische Revolution ( Feudalismus, absolutistische Ständeordnung wird abgeschafft, Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte → Gleichheit vor dem Gesetz, individuelle Recht auf Eigentum)
  • Napoleonischen Kriege (Angst vor eigener Revolution), Kriege gegen Frankreich, Gründung des Rheinbundes, formale Ende des Heiligen Römischen Reiches, Code Civil, Veränderung des Rechtssystem → öffentliche Rechtsprechung und Rechtssicherheit
  • preußische Reformen seit 1807 (alle können nun den Beruf frei wählen, Heeres-, Bildungs- und Verwaltungsreformen, Grenzen zwischen Volk, Verwaltung und Adel lösen sich immer mehr auf)
  • aufkeimendes Nationalgefühl innerhalb Deutschlands (neues Nationalbewusstsein, richtet sich immer mehr gegen die französische Fremdherrschaft, Befreiungskriege)

Historischer Hintergrund

  • 135 Jahre vor seiner eigentlichen Verfassung
  • Kurfürst Friedrich Wilhelm und Prinz von Homburg haben existiert
  • Schlacht von Fehrbellin im Jahre 1675, die mitten in der Mark Brandenburg siegreich gegen das schwedische Heer geschlagen wurde. Der Prinz, als Verwandter der Kurfürsten, leitete die siegreiche Reitere, gewann nicht alleine, hielt den Feind solange auf bis der Kurfürst kam → damit Brandenburgs Aufstieg zur Großmacht Preußen, Homburg beschloss, die Schweden sofort anzugreifen obwohl sie in der Unterzahl waren (provozierte den Kampfbeginn), Fürst war überrascht, hielt einen eiligen Kriegsrat, ihm wurde geraten: den Kampf zu beenden, sich zurückzuziehen und dann dem Feind stattdessen über eine andere Route in den Rücken zu fallen, Fürst war dagegen und schickte direkt alle los, mit dieser Nachricht griff Homburg noch mehr an
  • sein Eingreifen habe den strategischen Plan von Friedrich Wilhelm gefährdet und hätte ohne dessen Verstärkung niemals gegen die Schweden standhalten können
  • Fürst hätte zu dem Prinzen gesagt, dass dieser, wenn er nach dem Kriegsgericht handeln würde, sein Leben verwirkt hätte. Jedoch habe er ihn in Anbetracht des Sieges gutmütig und großherzig verziehen
  • Stallmeister tauschte wirklich das Pferd

Heinrich von Kleist DenkmalFriedrich der Große beschreibt in seinen Mémoires pour servir à l'histoire de la maison de Brandenbourg, wie Prinz Friedrich von Hessen-Homburg in der Schlacht von Fehrbellin einen eigenwilligen und heftigen Angriff auf den Feind führte - und die Schlacht gewann. Dies scheint eine historisch unbegründete Anekdote zu sein, aber Kleist hat sie ohnehin als Quelle genutzt und den Gegenstand frei entwickelt. Insbesondere änderte Kleist die Handlung des Fürsten ohne ausdrückliche Befehle in Handlung gegen ausdrückliche Befehle.

Als Kleist das Stück schrieb, gab es eine Reihe von aktuellen Fällen von Ungehorsam, die die Inspiration dafür hätten sein können:

Die Schwäche und Passivität des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. gegenüber der ständigen Erweiterung seiner Macht durch Napoleon war für viele seiner Untertanen und Zeitgenossen ein großes Problem. Angesichts der Bedrohung durch die Franzosen für die Existenz des Landes entstand eine Welle des preußischen Patriotismus, gegen die Kleist selbst nicht immun war.

Der junge Prinz Louis Ferdinand von Preußen griff 1806 in der Schlacht bei Saalfeld den Feind ohne Erlaubnis an. Sein Angriff war erfolglos und führte zu einer Niederlage; der Prinz selbst starb im Kampf. Dennoch lobten viele Menschen seinen Mut und sein persönliches Engagement für das Vaterland, und er wurde posthum ein beliebter Nationalheld.

1809 wurden unter dem Kommando von Major Ferdinand von Schill viele nicht genehmigte Militäraktionen gegen die französischen Unterdrücker vom preußischen Freikorps durchgeführt. Schill fand viele Anhänger und Unterstützer unter denen, die sich durch den vernachlässigbaren Widerstand des Königs verraten fühlten.

Charaktere des Stückes

  • Friedrich Wilhelm; Kurfürst von Brandenburg
  • Die Kurfürstin
  • Prinzessin Natalie von Oranien; seine Nichte, Chef eines Dragonerregiments
  • Feldmarschall Dörfling
  • Prinz Friedrich Arthur von Homburg; General der Reiterei
  • Obrist Kottwitz; vom Regiment der Prinzessin von Oranien
  • Hennings; Oberst der Infanterie
  • Graf Truchß; Oberst der Infanterie
  • Graf Hohenzollern; von der Suite des Kurfürsten
  • Rittmeister von der Golz
  • Graf Georg von Sparren; Rittmeister
  • Stranz; Rittmeister
  • Siegfried von Mörner; Rittmeister
  • Graf Reuß; Rittmeister
  • Ein Wachtmeister
  • Offiziere, Korporale und Reiter. Hofkavaliere. Hofdamen. Pagen. Heiducken. Bediente. Volk jeden Alters und Geschlechts.

Prinz Friedrich von Homburg: Reifeprozess, Selbstfindung

  • Der Nachtwandler:
    • Individuum, Gefühl, Lust/Ungehorsam, unreflektiert, unbewusst, eitel, Befehle empfangend, träumerisch
    • ein jugendlicher Draufgänger und Träumer
    • charakterlich schwankend und seiner Identität unsicher
    • einerseits selbstbezogen, ehrgeizig und aggressiv
    • andererseits einsam und verzweifelt
    • seine Rolle (Ordnung/System) → Sicherheit, Stabilität, Routine
    • ungewöhnlicher Zustand, unmilitärischer Haltung, halb wach und halb schlafend
    • windet sich einen Siegerkranz aus Lorbeer
    • General der kurfürstlichen Reiterei Brandenburgs im Krieg gegen die Schweden
    • anfängliches Verhalten → Regung seines Unterbewusstseins: strebt nach Ruhm, Sieg, Liebe
    • sehr enges verwandtschaftliches Verhältnis zum Kurfürsten Brandenburgs und Frau
    • wird von ihm als Sohn gesehen
    • Prinz → Kind einer Jugendfreundin der Kurfürstin, nach dem Tod seiner Mutter
      Adoptivsohn
    • ist dem Kurfürsten unterstellt
    • Hofgesellschaft macht sich über ihn lustig → als Außenseiter betrachtet
    • sehnt sich nach einer anderen Identität/ Leben abseits des Militärs → Helm und Rüstung bereits abgelegt
    • bewegt sich außerhalb der kurfürstlichen Konventionen
    • versucht auf die Ebene vom Kurfürsten zu kommen, Ungehorsam, Egoismus, Eitelkeit, nicht Pflichtbewusst
    • Opferung des Stallmeisters als Gegenpol zum Prinzen
    • Prinz ist am Anfang ein Fremdkörper in dem Garten → später passt er
  • Die Schlacht bei Fehrbellin:
    • Ich-Bezogenheit → Konflikt zwischen Pflicht und Gewissen, Ich und Gesellschaft, Selbstbestimmung und freier Wille
    • entscheidet sich, in das Geschehen einzugreifen → handelt völlig eigenmächtig, will sogar einen anderen Offizier verhaften lassen, der sich diesem Befehl zu widersetzen scheint → In dem Moment, in dem er selbst also einen Befehl missachtet, bestraft er das gleiche Vergehen bei einem anderen
    • denkt der Kurfürst sei gefallen → noch mehr dazu Motivation, sich dem Befehl zu widersetzen/Rache zu üben
    • übernimmt die Verantwortung für sein Handeln, die Konsequenzen für seine Befehlsverweigerung scheinen ihm jedoch nicht bewusst zu sein
    • denkt er habe den Kranz verdient da er ja gewonnen hat
  • Das Urteil:
    • Tatsache das der Kurfürst lebt scheint ihn eher zu enttäuschen, als zu freuen
    • Kurfürst lässt ihn verurteilen → reagiert trotzig, mit ungläubigem Staunen, rechnet nicht mit der tatsächlichen Vollstreckung des Urteils
    • Vertrauen in den Kurfürsten → tiefe Erschütterung
    • Charakter ändert sich grundlegend: er will nun auf Ruhm, Ehre und Liebesglück verzichten um damit sein Leben zu retten, sehr zynischen Charakter → verzichtet in Anwesenheit der weinenden Natalie auf ihre Hand, erklärt sie für frei, gibt sie symbolisch an die Schweden ab → will damit sein Leben retten
  • Die Begnadigung:
    • Möglichkeit zur Begnadigung → kehrt zu seinem alten Charakter zurück dem nach Ruhm/Ehre strebenden Ich, sieht dies als eine Möglichkeit sein Leben zu retten + setzt sich auf eine Stufe mit dem Kurfürsten (da dieser ihm die Entscheidung überließ)
    • erkennt seine Schuld an
    • erkennt schließlich die Autorität und Entscheidungsstärke des Fürsten an, fühlt sich mit diesem sogar gleichgestellt
    • Irrglaube (dass der Fürst ihn erhöht habe) veranlasst ihn dazu das heilige Gesetz des Krieges durch „einen freien Tod verherrlichen“ → will damit sich zu unsterblichem Ruhm verhelfen
    • am Ende ist er ist er immer noch ein Außenseiter, in die kriegerische Gemeinschaft ist er nur gewaltsam integriert

Kurfürst:

  • Eine ambivalente Figur
    • Macht, selbstbewusst, Disziplin, Befehlshaber, Vertreter des Staats
    • Gesellschaft, Vernunft, Pflicht/Gehorsam, reflektiert, bewusst, an sein Volk denkend, Befehle erteilend, realistisch
    • zweite Hauptfigur, Gegenspieler, Kontrast zu Homburg
    • repräsentiert die staatliche Ordnung, das Gemeinwesen und das Gesetz
    • Bindung zu seiner Frau und Natalie (väterlich)
    • selbstherrlich
    • spricht schnell von Natalie als Homburgs Braut, es gibt aber nie eine offizielle Verlobung, Versprechen sehr informell/privat und entspricht nicht dem Standard → menschlich, empfindsam, emotional
    • betont als Staatsoberhaupt sich nicht von Gefühlen leiten lassen zu dürfen → handelt aber oft gegenteilig
    • scherzt mit Homburg, stößt ihn von sich mit großer Aggressivität
    • gibt sich unparteiisch und will dem Gericht die Entscheidung überlassen, nimmt das Urteil eigentlich schon vorweg, indem er feststellt, wer auch immer dies zu verantworten habe, sei „des Todes schuldig“ , zu diesem Zeitpunkt wusste er noch nicht das der Prinz es war, um seine Autorität zu demonstrieren revidiert er sein gefälltes Urteil nicht
  • Willkür und Eigennutz
    • außenpolitischer Schachzug (lässt sich das Todesurteil des Prinzen zusammen mit dem Pass eines schwedischen Gesandten bringen)
    • versteckt seine Tyrannei hinter Gesetzestreue und Vaterlandsschutz
    • An Ende die Erkenntnis: fragt seine Offiziere, ob sie es trotz allem noch einmal mit Homburg versuchen wollen → fühlt sich nicht mehr als absolutistischer Machthaber, sondern als Gemeinschaftsmitglied, der Gesetzt und Gefühle vereint → rückt ein Stück von seiner allein regierenden Rolle ab + lernt die Einbeziehung des Menschlichen, kann somit die Selbstbestimmtheit seiner Bürger akzeptieren

Prinzessin Natalie:

  • Nichte des Kurfürsten, der seit dem frühen Tod ihrer Eltern die Vaterrolle übernahm
  • Chefin eines Reiterregiments → hat keine militärische Befehlsgewalt
  • spielte bei dem Scherz mit hatte aber Mitleid
  • Wechsel vom passiven zum aktiven Verhalten erst während der Todesfurchtszene
  • glaubt an des Prinzen edlen Charakter → fordert ihn auf sich zusammen zu reisen
  • bittet um seine Freilassung → geschickte Rednerin, mit taktischem Kommunikationsgeschick: spielt seine Taten herunter, verweist auf dessen Kindheit/Jugend, betont das er lediglich das Wohlwollen des Kurfürsten gewinnen wollte, trifft den Kern der Problematik: Kriegsgesetz und Gefühle muss man vereinen
  • traut dem Sinneswandel zunächst nicht, braucht ein Druckmittel → überschreitet ihre Befugnisse: Brief an Kottwitz
  • einfühlsam
  • bewundert seine Wahl → seine Haltung sei die eines echten Prinzen
  • stellt sich gegen die anderen, riskiert viel, Verhalten grenzt an Hochverrat → Kurfürst reagiert relativ zurückhaltend und deckt sie
  • am Ende ist sie wieder eine passive Rolle (altes Frauenbild)
  • verkörpert den Ausgleich zwischen Gesetz und Gefühl, vermittelnd und eingreifend

Kurfürstin:

  • passive Rolle
  • ergreift für Homburg Partei
  • hat Muttergefühle für ihn
  • will nicht das er geärgert wird, verhindert es aber auch nicht
  • mitfühlend, einfühlsam, warme Persönlichkeit
  • ist zwar bestürzt greift aber nie ein → hat keine Macht
  • bleibt ihrer Rolle treu, will ihrer repräsentativen Rolle gerecht zu werden
  • empfiehlt ihm: sich dem Gesetz zu unterwerfen ganz im Sinne ihres Mannes
  • Gegensatz zu Natalie, welche eingreift
  • Gegensatz: Kurfürst = spottend, Kurfürstin = mitfühlend

Oberst Kottwitz:

  • Kontrast- und Komplementärfigur zu Homburg
  • alteingesessener, schlachterfahrener Offizier aus Preußen
  • sein Vorgesetzter ist Homburg (enge Beziehung)
  • loyal
  • wollte den Prinzen davon abhalten in die Schlacht einzugreifen → Befehlsverweigerung passt nicht in sein Weltbild
  • ist schnell in seiner männlichen Kämpferehre beleidigt, als der Prinz ihn als Feigling bezeichnet
  • verteidigt Homburg: in einer Schlacht müsse nach Gefühl gehandelt werden, meine er hätte genauso gehandelt → will ihn beschützen
  • handelt seiner Rolle entsprechend + Ausgleich zwischen Gesetz und Gefühl
  • Gegensatz zu seinem alten Verhalten: Berufung auf das Gefühl
  • Gegenfigur zum egozentrischen Homburg

Graf Hohenzollern:

  • Vertrauter und Freund vom Prinz
  • hat keinen militärischen Rang
  • Widerspruch:
    • macht er sich lustig über den Prinzen
    • regt den Kurfürsten zu Scherzen an
    • lässt Homburg im unklaren
    • führt ihn auf falsche Fährten → verstärkt die Unaufmerksamkeit Homburgs
    • beschwichtigt den aufgebrachten Homburg als dieser einen Offizier verhaften lassen will
    • versucht dem Prinzen die Augen für den Ernst seiner Lage zu öffnen
    • weist ihn darauf hin das die Kurfürstin helfen könnte
    • schiebt dem Kurfürsten die Verantwortung für Homburgs Orderverstoß zu, indem er ihn an den Vorfall im Garten erinnert
    • verteidigt Homburgs Abgelegenheit, er wird allerdings vom Kurfürsten beschuldigt ihn erst in den Garten geführt zu haben → Kurfürst gibt indirekt zu, dass der Prinz eigentlich für unzurechnungsfähig erklärt werden müsste
    • ist am Ende der einzige der dem Prinzen zu Hilfe eilt

Kleist und sein Bezug zum Stück

Bernd Heinrich Wilhelm von Kleist (18. Oktober 1777 - 21. November 1811) war ein deutscher Dichter, Dramatiker, Schriftsteller, Kurzgeschichtenschreiber und Journalist. Seine bekanntesten Werke sind die Theaterstücke Das Käthchen von Heilbronn, The Broken Jug, Amphitryon, Penthesilea und die Novellen Michael Kohlhaas und The Marquise of O. Kleist beging zusammen mit einer engen, todkranken Freundin Selbstmord.

Der Kleist-Preis, ein renommierter Preis für deutsche Literatur, ist nach ihm benannt, ebenso wie das Kleist-Theater in seinem Geburtsort Frankfurt an der Oder.

  • war selber Leutnant
  • war in Gefangenschaft
  • beging Selbstmord
  • Abwesenheit des Göttlichen
  • Bild der dem Schicksal ausgelieferten, ohnmächtigen Figuren (dramatisches Grundsatzkonzept)
  • Kant und Fichte: objektive Wahrheit außerhalb des Subjekts nicht gefunden werden könne
  • Handelnden finden keinen Sinn mehr, werden durch ihre Taten immer mehr in Leid und Schuld hineingezogen
  • grundsätzlichen Tragik des menschlichen Tuns und seiner Existenz
  • Liebe als Urgewalt
  • Welt = zerbrechlich
  • Werk: verschwimmen von Traum und Wirklichkeit bleibt unüberwunden
  • inspiriert von: Descartes, Blaise Pascal, Nitsche, Kant, usw.

Aufbau und Deutung des Stückes

Form (Schauspiel, Tragödie?)

  • äußere Form = klassisches Drama mit 5 Akten
  • symmetrische Anordnung der Szenen und Gegenszenen
  • innerlich keine Ausgleich
  • Wahrung der ernsten Grundstimmung zur friedlichen Überwindung des Konflikts durch die rechtzeitige Besinnung des Helden und zum Sieg des Guten führt
  • ernsten, aber glücklichen Ausgang, der jedoch nie explizit ausgesprochen wird
  • Schauspiel mit tragischen Elementen
  • Rolle des tragischen Helden wird verweigert
  • Seinsfragen und Fragen der Menschlichkeit und Freiheit sowie der Schuld und Sühne werden thematisiert → typisch für die klassische Tragödie

Form (offen, geschlossen?)

  • klassisches, geschlossenes Dramas: einheitlich, in sich geschlossene Haupthandlung: Der Prinz begeht einen befehlswidrigen Fehler und wird aufgrund dessen vom Kurfürsten verurteilt, beginnt und endet mit dem Traummotiv, welches den Rahmen bildet, Szenen sind kausal verknüpft und nicht austauschbar → Aufbau ist logisch, die Szenen resultieren auseinander, Nebenhandlungen, wie Homburgs Liebe zu Prinzessin Natalie, dramatisieren die Handlung, Einheit und der knappe Raum der Zeit (wenige Tage), Handlungsorte = einheitlich, Personenanzahl = gering, Sprache = einheitlich und an der Rhetorik ausgerichtet, richtet sich an dem dominierenden Stand dem Adel und dem Militär, gehobene Sprachstil wird während des gesamten Schauspiels nicht verlassen
  • offenes Drama: Homburg handelt aus dem Gefühl beziehungsweise zum Teil auch aus dem Affekt heraus (handelt nicht vernunftgeleitet), Orte können nicht ausgetauscht werden (Gefängnis, Schlachtplatz)

Sprache:

  • pathetisch → gehobener, erlesener Stil, von Bildhaftigkeit geprägt
  • Anfang: Unterbrechungen und Einschübe, knappe Form → Dynamik
  • Wechselrede an spannenden Stellen → Dynamik
  • Blankvers (ein reimloser fünfhebiger jambischer Vers oder auch jambischer Pentameter, der im männlichen Vers aus zehn, im weiblichen aus elf Silben besteht) → simuliert Klassizität → ganz im Stil der Weimarer Klassik
  • Dialoge in denen sich die Figuren missverstehen oder aneinander vorbeireden → Sprache weniger glatt sondern zerrissen
  • zahlreiche Zeilensprünge
  • klassische Form wird nicht durchgängig eingehalten

Historische Vergleiche:

  • Kleist verwendet sehr oft Vergleiche aus der Antike oder der christlichen und orientalischen Kultur und Geschichte
  • Homburg vermischt einige Aussagen → Verdeutlichung des inneren Gefühlschaos/Unsicherheit

Symbole, Bilder, Motive:

  • Traum, Herz, Liebe, Empfindung
    • Prinz (Ausnahme) → Natalie, Fantasie, Sehnsucht
    • Kurfürst (Typus)→ Sieg, Vernunft, Perfektion, Politik/Militär, Ordnung/Rang → Real vs. Irreal
  • Staub → Nichtigkeit, Zerstörung
  • Garten → französischer Stil = rationale Gestaltungskunst
  • Schloss → steht für Macht, Rang, Ruhm → folgt ihnen weil er ein Stück davon haben möchte
  • Lorbeerkranz → steht für Ruhm, Macht, Sieg → Ende: Prinz hat sich gewandelt und verdient nun die Anerkennung
  • Somnambulismus → Subjektivität von Wahrnehmungen, Grenzsituation von Schlaf und Wahnsinn, Flucht aus Realität
  • vergleichende Bilder aus der Natur und spricht von Donner, Blitz, Gewitter, Sonne und Feuer → manchmal übersteigert = unglaubwürdiger

Todesfurchtszene

  • Verlust der Selbstkontrolle
    • fleht er haltungs- und kraftlos um sein Leben → ist dem Fürsten peinlich
    • ein General müsse ja mutig uns stark sein, es mit Würde nehmen
    • Heldenepos wird hier nicht bestätigt
  • Ruhm und Sterblichkeit
    • Gegensatz: Auf der einen Seite steht Homburgs Traum von Ruhm und Unsterblichkeit, auf der anderen Seite steht das ausgehobene Grab als Sinnbild für die Vergänglichkeit eines jeden Individuums
    • Das glorifizierende Selbstbild des Prinzen wurde durch die Gewalt des absolutistischen Fürsten und dessen Gesetze bedroht

Interpretationsansätze:

  • Gefühl (Traum) vs. Vernunft (Gesetz)
  • Individuum vs. Gesellschaft
  • Befehlsverweigerung (Insubordination) → Verurteilung vs. Begnadigung
  • Pflicht und Gefühl
  • Schuld und Tod
  • Traum vs. Wirklichkeit
  • Anfang und Schluss
  • Handschuh als Bindeglied zwischen Traum und Realität

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