Mann, Thomas - Mario und der Zauberer (Zusammenfassung Analyse)

Schlagwörter:
Thomas Mann, Gustave Le Bons Psychologie der Massen, Inhaltsangabe, Merkmale einer Novelle, Interpretationsaspekte und Themen, Referat, Hausaufgabe, Mann, Thomas - Mario und der Zauberer (Zusammenfassung Analyse)
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Referat

Thomas Mann: Mario und der Zauberer

Thomas Mann (1875-1955)

  • Kind einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie
  • Hochschule in München, erste Novellen und Erzählungen
  • zweijähriger Italienaufenthalt: erster Roman, Durchbruch zum erfolgreichen Schriftsteller
  • Befürworter der Weimarer Republik
  • 1929 Nobelpreis für Literatur
  • Machtergreifung Hitlers zwang ihn ins Exil zu gehen, lebte erst in Frankreich, dann in der Schweiz, anschließend in den USA
  • Manns Themen:
    • Gegensatz zwischen Bürgertum und Künstlertum
    • Darstellung von Verfall, Krankheit und Tod
    • Weltkrieg und Barbarei: Beeinflussung einer Masse durch einen charismatischen Führer

Paul Thomas Mann (6. Juni 1875 - 12. August 1955) war ein deutscher Schriftsteller, Kurzgeschichtenschreiber, Sozialkritiker, Philanthrop, Essayist und Literaturnobelpreisträger von 1929. Seine hochsymbolischen und ironischen epischen Romane und Novellen zeichnen sich durch einen Einblick in die Psychologie des Künstlers und des Intellektuellen aus. Seine Analyse und Kritik der europäischen und deutschen Seele verwendete modernisierte Versionen deutscher und biblischer Geschichten sowie die Ideen von Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Nietzsche und Arthur Schopenhauer.

Mann war Mitglied der hanseatischen Familie Mann und porträtierte seine Familie und Klasse in seinem ersten Roman Buddenbrooks. Sein älterer Bruder war der radikale Schriftsteller Heinrich Mann. Drei von Manns sechs Kindern, Erika Mann, Klaus Mann und Golo Mann, wurden ebenfalls bedeutende deutsche Schriftsteller. Als Adolf Hitler 1933 an die Macht kam, floh Mann in die Schweiz. Als der Zweite Weltkrieg 1939 ausbrach, zog er in die Vereinigten Staaten und kehrte 1952 in die Schweiz zurück. Mann ist einer der bekanntesten Vertreter der so genannten Exilliteratur, der deutschen Literatur, die von den Gegnern des Hitlerregimes im Exil geschrieben wurde.

Mann's Werk beeinflusste viele spätere Autoren, darunter Heinrich Böll, Joseph Heller, Yukio Mishima und Orhan Pamuk.

Historische Hintergründe und Entstehungsgeschichte der Novelle

  • Beruht zu großen Teilen auf einer wahren Begebenheit, allerdings dramatisiert dargestellt
  • Die Novelle basiert auf einem Erlebnis, das Thomas Mann während eines Italienurlaubs in Forte die Marmi mit seine Frau und seinen zwei jüngsten Kindern im Jahr 1926 gemacht hat.
  • 1926: Reise der Familie Mann nach Italien (Forte die Marmi)
  • Zu der Zeit wurde Italien von dem Faschist Mussolini beherrscht.
  • 1920-er Jahre in Europa:
    • Hoffnungs-und Orientierungslosigkeit aufgrund des gerade zu Ende gegangenen Ersten Weltkrieges (1914-1918)
    • Armut, Massenarbeitslosigkeit, soziale Unruhen
    • Ruf nach nationalistischen Herrschern, die das Volk aus der Sinnkrise führen können, war besonders laut
  • Entstehung der Novelle: drei Jahre nach dem Italienurlaub, als sich auch in Deutschland nationalsozialistische Züge zeigten und 4 Jahre vor der Machtergreifung Hitlers
  • Veröffentlichung der Novelle erst 1930
  • Um 1930 war Europa vom Faschismus geprägt; Rassismus und Nationalismus werden immer stärker
  • Italien unter faschistischer Führung von Mussolini
  • Deutschland: Hitler kommt langsam an die Macht
  • Warnung vor Faschismus und Nationalismus
  • Hoffnungs- und Orientierungslosigkeit in Europa nach dem 1. Weltkrieg
  • Menschen riefen nach nationalistischen Herrscher, die das Volk aus der Sinnkrise führen
  • Geburtsland des Faschismus ist Italien (Benito Mussolini)
  • Sein Ziel: Wiederherstellun von Ordnung und Macht des alten Roms → Gewalt gegen Andersdenkende
  • Einschränkung der Grundrechte, Verbot oppositioneller Kräfte
  • Mussolini wurde zum Diktator und seine faschistische Partei herrschte allein
  • Stimmung in Deutschland ähnlich → hofften auf Politiker, der sie aus dem Elend führt
  • Man setzte Hoffnungen in Hitler
  • Dieser hatte immer größere Wahlerfolge und wurde schließlich zum Diktator, der Zweite Weltkrieg begann
  • Manns Befürchtungen, er warnte zuvor vor Hitler

Epoche: Klassische Moderne /Literatur der Weimarer Republik

Einleitung: Die Novelle „Mario und der Zauberer“ wurde von Thomas Mann, einem bedeutenden Schriftsteller der Weimarer Republik, verfasst und erschien im Jahre 1930, also drei Jahre vor der Machtergreifung Hitlers. In vielen Punkten orientiert er sich an konkreten Erlebnissen, die seine Familie im Italienurlaub 1926 machte.

Interpretationshypothese-Thema:

In der Novelle problematisiert der Autor vor dem Hintergrund des zunehmenden Faschismus in Europa die menschliche Bereitschaft sich von einem Führer bis hin zur Ohnmacht oder Willenlosigkeit verführen zu lassen. Dies geschieht über eine parabelhafte Erzählung, in der eine Hypnoseshow zum abendlichen Amüsement zum Ausgangspunkt für derartig entstehende Kontrolle und Massenbildung wird. In diesem Sinne ist die Novelle in erster Linie als politisch-psychologische Dichtung zu verstehen, in der allgemeine Mechanismen faschistischer Machtpolitik modelliert werden.

Inhaltsangabe und Zusammenfassung

Die Handlung spielt in dem Badeort Torre die Venere in Italien. In einer ausführlichen Einführung schildert der Ich-Erzähler die unangenehmen Ereignisse im Hotel und am Strand, welche die vierköpfige Familie über sich ergehen lassen muss. Die Gemeinsamkeit aller Vorfälle ist die Benachteiligung und Ausgrenzung der ausländischen Touristen im Vergleich zu den Einheimischen. Die aufregende und nationalistisch aufgeladene Atmosphäre im Ort entspricht auch der Stimmung in der Haupthandlung, in der die Familie die Show des Zauberkünstlers Cipolla besucht. Cipolla erweist sich als talentierter Hypnotiseur, welcher dem Publikum in all seinen Kunststücken versucht seinen Willen aufzuzwingen. Im Laufe der Veranstaltung wächst seine Kontrolle über das Publikum bis zu dem Zeitpunkt als er den Kellner Mario auf die Bühne ruft und diesen unter hypnotischem Einfluss dazu bringt, ihn zu küssen. Sobald Mario aus der Hypnose erwacht, erkennt er die öffentliche Diskriminierung und erschießt Cipolla mit einer Pistole. Es entsteht große Aufruhr und die Familie verlässt den Veranstaltungsort.

  • Eine deutsche Familie besucht Mitte August das Grand Hotel in Torre di Venere → Überwiegend von italienischen Gästen besucht
  • Italienische Hotelbesucher werden bevorzugt behandelt → Die Familie möchte auf der Veranda essen, dies wird ihnen verwehrt, obwohl sie zur Kundschaft gehören
  • Italienische Dame beschwert sich über den Keuchhusten der Kinder, trotz Diagnose der Unbedenklichkeit eines Arztes muss die Familie das Hotel verlassen (→ ziehen in Pension von Fr. Eleonora)
  • Am Strand zeigt sich die Tochter nackt → Aufruhr der Badegäste + Bußgeld
  • In der Stadt verweisen Plakate auf die Zaubershow Cipollas → Kinder drängen zum Besuch
  • Cavaliere Cipolla zu spät, herablassendes Auftreten
  • Nach der Pause willkürliche Auswahl von Personen aus dem Publikum (Hypnose)
    • Wirtin wandelt ohne jegliche Wahrnehmung umher
    • Mann aus Rom wehrt sich zunächst, tanzt dann, wie Cipolla es verlangt.
  • Mario gehorcht im Glauben, er würde seinen Schwarm Silvestra küssen → Er wacht aus der Hypnose auf → Während des Beifalls erschießt Mario Cipolla
  • Die Familie verlässt die Lokalität (lassen die Kinder im Glauben, das Erlebte sei Teil der Vorstellung)

Erzähltechniken

  • Erzählform → Literarisches-Ich
  • Erzählperspektive → Außensicht und eingeschränkte Innensicht
  • Erzählstandort
    • erlebendes Ich innerhalb der erzählenden Welt
    • erzählendes Ich außerhalb der erzählenden Welt
  • Erzählhaltung → häufig wertend durch Kommentare und Erklärungen
  • Erzählttechnik
    • Traditionelle Erzählweise
    • auktorialer Ich-Erzähler, der von den Geschehnissen nicht nur berichtet, sondern auch kommentiert
    • Erzähler spaltet sich in da erlebende und das erzählende Ich auf. Das erzählende und das erlebende Ich sind zeitlich voneinander getrennt.

Erzählendes Ich

  • nimmt einen Standort außerhalb der erzählenden Welt ein
  • blickt auf die erlebten Geschehnisse zurück
  • beinhaltet eine Selbstkritik des Erzählers im Rückblick, indem er das Verhalten des erlebten Ichs bewertet
  • beobachtet das erlebte Ich im nachträglichen Rückblick, um Klarheit über das Handeln zu gewinnen
  • Leser kann sich mit dem Erzähler identifizieren, ihn besser verstehen, wird aber auch beeinflusst

Erlebendes Ich

  • befindet sich innerhalb der erzählten Welt, inmitten der Handlung in Torre
  • erzeugt Spannung, Leser kann sich die Sachlage und die Geschehnisse besser vorstellen

Grundbegriffe der Erzähltechnik

  • Autor und Erzähler:
    • Autor und Erzähler sind strikt voneinander zu trennen (Autor=Schriftsteller)
  • Erzählform: Ich-Erzähler:
    • Personalpronomen 1. Person Singular, Unterschied zwischen erlebendem und erzählendem Ich
    • Er-/Sie-Erzähler tritt nicht selbst in Erscheinung, bleibt hinter der Geschichte verborgen
  • Erzählperspektive:
    • Innenperspektive; eröffnet Einblicke in das Innenleben der Figuren (Gefühle, Gedanken und Wahrnehmungen)
    • Außenperspektive; richtet den Blick von außen auf Figuren (legt Innenleben nicht offen)
    • Erzählperspektive kann mehrfach wechseln
  • Erzählerstandort:
    • Erzählstandort außerhalb: Erzähler wahrt Distanz zum Geschehen, behält Überblick, umfassendes Wissen über Handlungen (allwissender, olympischer Erzähler)
    • Erzählstandort innerhalb: Erzähler rückt näher an das Geschehen, eingeschränkte Perspektive auf Handlung
    • Erzählstandort kann mehrfach wechseln
  • Erzählverhalten:
    • auktorial: tritt deutlich in Erscheinung, kommentiert, erklärt, nimmt vorweg, springt zwischen Handlungsort bzw. Zeit hin und her
    • personal: eingeschränkte Perspektive einer oder mehrerer Figuren( hat an Erleben unmittelbar teil), verbirgt sich hinter der Figur
    • neutral: objektiver neutraler Erzähler, verbirgt sich hinter dem Geschehen, schildert überwiegend aus der Außensicht
    • Erzählverhalten kann mehrfach wechseln
  • Erzählhaltung:
    • neutral
    • wertend (kritisch, ironisch, zustimmend, zweifelnd etc.)
  • Zeitstruktur:
    • Erzählzeit: Zeit die man braucht um den Text zu lesen, bzw. zu erzählen
    • erzählte Zeit: Zeit in der das Geschehen stattfindet (Zeitdauer des Geschehens)
    • zeitdeckend: Erzählzeit dauert genauso lang wie die erzählte Zeit
    • zeitraffend: Erzählzeit ist kürzer als die erzählte Zeit
    • zeitdehnend: Erzählzeit dauert länger als die erzählte Zeit
  • Darbietungsformen:
    • Erzählerbericht: berichtet mit eigenen Worten und kommentiert
    • Personenrede: wörtliche, direkte oder indirekte Rede (Äußerungen, Gedanken und Empfindungen einer Figur)
    • Innerer Monolog: 1. Person Singular gibt Gedanken und Empfindungen wieder
    • erlebte Rede: 3. Person Indikativ aus Perspektive der erlebenden Person

→ Anwendung auf Mario und der Zauberer

  • Erzählform: Ich-Erzählung; wichtiger Unterschied zwischen erlebendem und erzählendem Ich
  • Erzählperspektive: Außensicht, eingeschränkte Innensicht (nur auf erlebendes Ich)
  • Erzählerstandort: Erlebendes Ich: innerhalb der erzählten Welt (allerdings häufig in der distanzierten Beobachterposition)
  • Erzählendes Ich: außerhalb der erzählten Welt (nachträgliche Sicht auf das Erlebte)
  • Erzählverhalten: überwiegend auktorial, nur stellenweise personal
  • Erzählhaltung: häufig wertend (kritisch, ironisch, überheblich), nur ganz selten ansatzweise neutral
  • Zeitstruktur: zeitraffend: Erzählzeit kürzer als erzählte Zeit; überwiegend chronologische Abfolge, nur manchmal Vorausdeutungen
  • Darbietungsform: Erzählbericht
  • Personenrede (zunächst indirekte Rede, später direkte Rede)

Der Erzähler

Personalien, sozialer Status, äußeres Erscheinungsbild

  • Ehemann und Familienvater, vermutlich aus Deutschland
  • achtjährige Tochter und noch jüngeren Sohn
  • Intellektueller, gebildete Oberschicht

Wesentliche Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen

  • passive Beobachterrolle
  • konfliktscheu, geht Konflikten aus dem Weg, wehrt sich nicht gegen Ungerechtigkeiten
  • Ärger verpackt er in Sarkasmus und Spott
  • mit solcher Ironie erhebt er sich insgeheim über seine Mitmenschen
  • reflektiert ständig über sich und die Welt, erkennt Gefahren, doch handelt nicht

Sprachgebrauch und Sachverhalten

  • drückt sich in seinem Bericht gewählt und gehoben aus
  • komplexe, hypotaktische Sätze
  • Fremdwörter, gehobene Sprache, Eloquenz
  • ironische und arrogante Art und Weise des Sprechens

Zusammenfassung/Fazit

  • Der Erzähler ist ein passiver Beobachter, der sich zwar durchaus für seine Umwelt interessiert und diese auch bewusst wahrnimmt, sich jedoch nicht an den Vorgängen beteiligt.
  • Stattdessen begnügt er sich mit nach innen gewandten Reflexionen und Kommentare, mit stillem Sarkasmus und heimlichen Spott
  • Der Erzähler repräsentiert die Intellektuellen in einer Diktatur, der die herrschende Ungerechtigkeit zwar klar erkennen und womöglich auch gewissenhaft protokollieren, sie aber nicht aktiv bekämpfen.

Interpretationsaspekte und Themen

  • Nationalismus (bzw. Faschismus) → Das verwehrte Essen in der Hotelveranda → Der Keuchhusten → Der Krebsbiss → Die nackte Tochter am Strand
  • Die Willensfreiheit (z.B. die hypnotischen Erfolge Cipollas)
  • Die Psychologie der Massen - Der Tod Cipollas

Themen:

Beeinflussung einer Masse durch einen charismatischen Führer

  • Kontrolle eines willensstarken Hypnotiseurs über das Publikum
  • Masse als Instrument seines Willens
  • Massenbildung, Verlust von Individualität und Autonomie

Faschismus, Nationalsozialismus

  • Patriotismus am Strand
  • Masse lässt sich von patriotischen Äußerungen Cipollas mitreißen

Projektion psychologischer Mechanismen auf politische Ebene

  • Wechselbeziehung von Diktator und Volk: Macht - Ohnmacht
  • Diktator: geschickter Redner, Gewaltbereitschaft, Charisma, Manipulation auf emotionaler Ebene
  • Masse: Ohnmacht, handelt irrational, leicht beeinflussbar, Verlust von Autonomie, homogene Masse
  • Warnung vor Demagogen wir Mussolini oder Hitler

Widerstand als Folge von Diskriminierung

  • Mario leistet Widerstand und befreit die Masse von Cipolla, als er dermaßen gedemütigt wird

Wirkung und Rezeption

  • Viele verschiedene Meinungen
  • Einige sagen, dass das Werk als politische Parabel, alsWarnung vor dem aufkommenden Faschismus zu lesen ist
  • Andere weisen auf ästhetische Qualität hin
  • Eigene Deutungen von Thomas Mann haben sich stark verändert: zunächst bestritt er den politischen Gehalt, während des 2. Weltkrieges gestand er den moralisch politischen Sinn zu und nach Kriegsende bezeichnete er das Werk als ausdrücklich politisch motiviert
  • Auch negative Rezensionen: literarische persönliche Urlaubserzählung, Frage nach dem Sinn, streitet Gehalt der Novelle völlig ab
  • Andere Rezensionen weisen auf politische Bedeutung der Novelle hin
  • Parabel über das faschistische Italien
  • Novelle erst nach 2. Weltkrieg von Literaturwissenschaft betrachtet
  • DDR: Darstellung der Hilflosigkeit des Bürgertums angesichts der wachsenden faschistischen Gefahr
  • BRD: kritisch
  • Erst in folgenden Jahrzehnten erkannte die Literaturwissenschaft die Bedeutung der Novelle

Aufbau der Novelle

1. Teil: Exposition

  • Vorspiel: Andeutung der Katastrophe, Beschreibung des Badeorts
  • 1. Höhepunkt: Keuchhustenepisode
  • 2. Höhepunkt: Strandepisode
  • Ausklang: Reflexionen des Erzählers, Beschreibungen des Endes der Hochsaison

2. Teil: erste Veranstaltungshälfte und Pause

  • Vorspiel: allgemeine Informationen über Cipolla, Beschreibung des Saales, des Publikums und Cipollas
  • 1. Höhepunkt: Willensdemonstration mit stolzem Herrn
  • 2. Höhepunkt: Cipollas Einfühle in Gemeinschaftswillen
  • Ausklang: Reflexionen des Erzählers

3. Teil: zweite Veranstaltungshälfte

  • Vorspiel: verschiedene Hypnosevorführungen
  • 1. Höhepunkt: Hypnose von Frau Angiolieri
  • 2. Höhepunkt: Hypnose des römischen Herrn
  • Ausklang: Beschreibung Cipollas, Reflexionen des Erzählers

4. Teil: Episode zwischen Mario und Cipolla

  • Vorspiel: Beschreibung Marios, Frau-Antwort-Spiel Cipollas
  • 1. Höhepunkt: Marios Kuss
  • 2. Höhepunkt: Marios Schüsse
  • Ausklang: Beschreibung des Weggehens, kurze Reflexion des Erzählers

Merkmale einer Novelle in Mario und der Zauberer

Realitätsbezug der Handlung:

  • Thomas Mann hat Selbsterlebtes aufgenommen
  • die Charakter sind authentisch
  • der Ort wird namentlich genannt
  • die Zeit lässt sich in die 1920-er Jahre einordnen
  • die Figuren erhalten konkrete Namen
  • der Handlungsverlauf wirkt realistisch und nachvollziehbar

Neuigkeitscharakter:

  • die Zauberveranstaltung und der Mord an Cipolla (Höhepunkt) haben einen großen Neuigkeitswert

Konzentration auf einen Grundkonflikt:

  • Die Handlung kreist um das Thema Macht und Ohnmacht zwischen den Menschen.
  • in allen Episoden nehmen sich Einzelne das Recht, andere in ihrer Freiheit einzuschränken und üben somit Gewalt aus
  • unangemessener Machtanspruch Einzelner, die anderen Menschen ihren Willen aufzwingen wollen

Handlung basiert auf psychologischen Vorgängen:

  • Die Vorgänge in Cipollas Zaubershow, in der sich zivilisierte Menschen hypnotisieren und zu den irrationalsten Handlungen hinreißen lassen, sind nur psychologisch zu erklären.
  • Die dramatischen Ereignisse am Schluss sind die unmittelbare Folge aus emotional hoch aufgeladener Spannung. Es kommt zur psychischen Überreaktion eines gedemütigten Menschen.

Konzentration auf wenige Figuren:

  • Im Zentrum stehen Cipolla und Mario
  • Erzähler als beobachtende Instanz

geschlossene Handlung, straffe Handlungsführung, keine Nebenhandlung, deutlich ausgewiesenes Ende

  • einheitlich, straffe und abgeschlossene Handlung
  • einzelne Szenen führen schrittweise und zielgerichtet auf das Ende hin
  • linearer Handlungsverlauf, keine Zeitsprünge, keine Nebenhandlungen

Aufbau ähnelt Dramenstruktur

  • kunstvoll komponierte Struktur
  • Figuren und der handlungsbestimmende Grundkonflikt werden in einer Exposition eingeführt
  • in der anschließenden Haupthandlung steigert sich die Spannung
  • es gibt einen Höhepunkt/Wendepunkt

Spitzenmotiv, Dingsymbol

  • Peitsche, Alkohol, Zigarette, Siegelring

Figuren

Cipolla

Personalien, sozialer Status, äußeres Erscheinungsbild

  • Lebensunterhalt als Zauberer und Hypnotiseur
  • hat es zu einiger Popularität gebracht, rühmt sich selbst
  • Meister seines Fachs, verblüffende Erfolge auf der Bühne
  • unklarer sozialer Status: Kleidung weißt auf vornehme Herkunft und privilegierte Stellung hin, es ist jedoch zweifelhaft
  • will durch sein extravagantes Äußeres blenden und von persönlichen Mängeln ablenken
  • körperliche Entstellung, Hüft-und Gesäßbuckel
  • spricht den Leibesschaden wiederholt an, um Souveränität zu beweisen und möglichem Spott anderer Menschen zuvorzukommen
  • recht hässlicher Mann

Wesentliche Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen

  • Arroganz und Hochmut als Schutz vor seelischen Angriffen
  • zeigt sich kühl und überlegen, achtet auf eine gewisse Distanz
  • scheinbar selbstsicher und stark
  • gewinnt mit der Kraft seines Willens Macht über andere
  • Herrschsucht aufgrund der Angst vor Verletzung
  • Egozentrik und Eitelkeit
  • einsam
  • durch Tabak-und Alkoholkonsum kommt er wieder zu Kräften
    • deutet auf eigentliche seelische Schwäche hin
  • verbitterter Außenseiter
  • wenn er die Zuneigung seiner Menschen schon nicht gewinnen kann, will er sie wenigsten kontrollieren und beherrschen

Sprachgebrauch und Sachverhalten

  • Sprachgebrauch folgt dem Ziel, andere zu beeindrucken und zu beherrschen
  • sehr eloquent
  • gehobene Sprache
  • Fremdwörter, hypotaktische Sätze
  • patriotische Anspielungen
  • suggestiver Charakter seines Sprachgebrauchs
  • eingesetzte nonverbale Kommunikation
  • durch Mimik, Gestik und Körperhaltung schafft er ein deutliches Machtgefälle

Zusammenfassung/Fazit

  • ambivalente Persönlichkeit
  • komplexer Charakter, der sich hinter mehreren Schichten verbirgt (Zwiebel)
  • Hinter der zur Schau getragenen Oberfläche von stärke und Selbstsicherheit verbirgt sich ein verletzliches Ich.
  • Sein ganzes Wesen ist darauf ausgerichtet, andere Menschen von dieser inneren Schwäche abzulenken, sie stattdessen zu beeindrucken und letztlich zu kontrollieren.
  • Dies macht ihn zu einem gefährlichen Menschen.
  • Cipolla repräsentiert Machtmenschen wir Mussolini, Hitler

Mario

Personalien, sozialer Status, äußeres Erscheinungsbild

  • 20 Jahre alt
  • kurze Haare, Sommersprossen, auffallend feine Hände
  • Kellner in einem Café in Torre di Venere
  • beruflich darauf ausgerichtet, andere Menschen zu bedienen, ihre Wünsche zu erfüllen
  • stammt aus einfachen Verhältnissen
  • Junggeselle, aber unglücklich in Silvestra verliebt

Wesentliche Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen

  • sehr darauf bedacht, anderen Menschen keinen Einblick in sein Inneres zu geben
  • wirkt zurückhaltend und distanziert, introveriert
  • verschränkte Arme → abwehrend
  • geistesabwesend, träumerisch, nimmt seine Umwelt nicht aufmerksam wahr
  • höflich, ernst
  • einsamer, trauriger Mensch, fühlt sich nicht liebenswert
  • hat nicht den Mut gefunden Silvestra anzusprechen, weil er vor ihrer Zurückweisung fürchtet
  • schwaches Selbstwertgefühl
  • verliert seine Kontrolle, als er öffentlich gedemütigt wird
  • Extremreaktion aufgrund von Aggressionen, die sich seit Langem angestaut haben

Sprachgebrauch und Sachverhalten

  • ordnet sich dem machtbewussten Cipolla unter
  • antwortet leise und in kurzen, elliptischen Sätzen
  • einfache Sprache spricht für einfach Herkunft

Zusammenfassung/Fazit

  • Die vordergründige Freundlichkeit und Dienstfertigkeit soll seine Sehnsucht nach Nähe, Anerkennung und Liebe verbergen.
  • Er versucht durch seine Höflichkeit die Ablehnung anderer Menschen zu vermeiden
  • Mario repräsentiert einen Menschen, der aktiv gegen begangenes Unrecht handelt. Sein Mord lässt sich als Tyrannenmord lesen, der die Gesellschaft aus Diktatur und Knechtschaft befreit.

Gustave Le Bons „Psychologie der Massen“

  • Masse ↔ Führer
  • Masse: heterogene Masse ↔ homogene Masse
  • Mensch wird zum Triebwesen innerhalb einer Masse → Individuum wird aufgelöst
  • Masse ohne Führer = Lediglich Kraft zur Zerstörung
  • Führer: Wegweiser der Massen, Gewaltherrschaft, Distanz zur Masse, Nimbus

in Bezug auf die Novelle:

  • Heterogene Masse (Publikum) → Homogene Masse
  • Mario als Triebwesen
  • Cipolla als Führer → Hypnose des Publikums

Vergleich Vogel und Cipolla

Gemeinsamkeiten

  • Auftreten/Aussehen
  • Fordern Autorität ein
  • Nimbus erworben u. persönlich
  • Redekunst
  • Beide genießen die Aufmerksamkeit
  • Beide Enden sind nicht geplant
  • Zuschauer/Publikum werden zu Homogener Masse
  • Willensentzug

Unterschiede

  • Autoritätsaufbau
  • Einsicht bei Vogel am Ende
  • Skrupellos
  • Gegner
  • Bewusste und unbewusste Manipulation
  • Beginn der Show, des Experimentes, des Nimbus

Vergleich Hitler und Cipolla

Gemeinsamkeiten

  • Unangenehme Vergangenheit
  • Geben wenig von sich preis
  • Einsamkeit
  • Geschickte Redner
  • Gestik und Mimik
  • Alkoholkonsum

Unterschiede

  • Unangenehme Vergangenheit aus unterschiedlichen Gründen
  • Cipolla wegen Pech in der Liebe und Leibesschaden
  • Hitler wegen brutalen Vater, schlechte Noten, keinen Schulabschluss

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