Darlegung der Beweggründe meiner
Gewissensentscheidung
Nach reiflicher
Überlegung habe ich mich dazu entschlossen den Kriegsdienst mit der Waffe
zu verweigern, um statt dessen Zivildienst zu leisten.
Ich habe mich
nämlich ernsthaft gefragt, wie ich als Soldat im Kriegsfall reagieren
würde, wenn ich den Befehl bekäme auf andere Menschen zu
schießen. Diese Vorstellung ist für mich unerträglich, mein
Gewissen rebelliert dagegen Leben zu vernichten. Für mich als Christ ist
das Gewissen die letzte Instanz meines Handelns, es sagt mir, was richtig und
falsch, was gut und böse ist. Wenn ich obigen Befehl bekäme,
müßte ich auf Menschen schießen, die mir nie etwas getan haben.
Krieg ist irrsinnig und verachtenswert, Probleme lassen sich durch ihn nicht
lösen. Er dient nur dazu mit Gewalt Leben zu vernichten, dies lehne ich ab.
Statt dessen versuche ich Konflikte friedlich zu lösen und Leben zu
bewahren. Wir haben z.B. mit der KatholischenStudierendenJugend (KSJ) die ganzen
letzten Jahre unserem Schwesterverband in Südafrika unterstützt, der
sich friedlich für ein Ende der Apartheid und dafür, schwarzen
Jugendlichen auch eine Zukunft zu ermöglichen, eingesetzt hat. In
Deutschland haben wir versucht, die Öffentlichkeit für dieses Thema zu
sensibilisieren, um somit friedlich Druck auf Südafrika auszuüben. Mit
meiner eigenen KSJ-Kleingruppe haben wir mittels Briefen an ausländische
Regierungen und Botschaften Amnesty International unterstützt, um die
Freilassung politischer Gefangener zu erreichen.
Meine Einstellung zu
Krieg ist das Ergebnis eines jahrelangen Prozesses der Erziehung und
Gewissensbildung. Meine Mutter hat mich dazu erzogen, Probleme mit anderen
Menschen z.B. Mitschülern, mit denen ich als Zugezogener reichlich Probleme
hatte, friedlich zu lösen. Auch ich habe als Kind mit Plastiksoldaten
gespielt und Kriegsgerät bewundert, allerdings war mir damals der Sinn des
Begriffs "Tod" noch nicht richtig bewußt. Dieser war mir erst mit dem Tod
meiner Großmutter, die ich sehr geliebt habe, vor Augen.
Eine
starke Ausrichtung auf christliche Ideale erfuhr ich dann mit dem Besuch des J.
(christl. Schule) und hauptsächlich durch meine Mitgliedschaft in
der KSJ. Die jahrelange Auseinandersetzung dort mit sozialen, politischen und
ökologischen Problemen hat mich für solche Themen nachhaltig
sensibilisiert und mein Gewissen entscheidend geprägt. Punktuelle
Erlebnisse, die mir die Grauen des Krieges vor Augen hielten, waren die Besuche
in den Gedenkstätten der KZs Dachau, Sachsenhausen und Mauthausen, die mich
sehr erschüttert haben. Ich habe jedesmal aufs neue das Gelände
fassungslos über solche Greuel und Menschenverachtung verlassen. Das
Gesehene hat mich in meiner Meinung bekräftigt, daß nie wieder von
deutschem Boden Krieg ausgehen darf.
Betroffen war ich auch, als ich mir
den Antikriegsfilm "Platoon" angesehen habe. Dieser sehr realistische Film
stellt die Greuel an der Zivilbevölkerung durch die Soldaten, aber auch die
Gewissenskonflikte mancher Soldaten bei der Ausübung ihrer "Pflicht"
anschaulich dar. Auch stellt die Fernsehserie "M*A*S*H", obwohl sie
hauptsächlich satirisch ist, weshalb ich sie mir gerne anschaue, die Leiden
der Menschen im Krieg gut dar.
Die oben geschilderten Eindrücke,
Einsichten und Erfahrungen haben mich so geprägt, daß ich heute auf
dem Standpunkt stehe, daß Waffen und anderes Kriegsmaterial nur eingesetzt
werden, um Menschen zu verletzen, sie zu töten, zu vertreiben und
einzuschüchtern.
Dies widerspricht meinem Grundsatz, keinem
Menschen etwas anzutun, von dem ich selbst will, daß es auch mir nicht
angetan wird. Ich will das Leben anderer Menschen und überhaupt aller
Lebewesen schützen und bewahren. Bei der Bundeswehr werde ich jedoch als
Soldat dazu ausgebildet, andere Menschen zu töten und dadurch deren
Familien schweres Leid zuzufügen.
Als Bundeswehrsoldat würde
ich bei den mit verharmlosenden Euphemismen bezeichneten "friedenssichernden"
und "friedensschaffenden" Einsätzen vor der Entscheidung stehen, welches
Leben ich nun schützen soll. Es wäre mir unmöglich, meine
Entscheidung nach Befehl und Gehorsam zu treffen, da ich so schwerwiegende
Entscheidungen nur in eigener Verantwortung mit meinem Gewissen vereinbaren
muß, und mein Gewissen kann es nicht mit sich vereinbaren, daß ich
Menschen erschießen soll, um andere Menschen zu schützen.
Ich
muß deshalb die Möglichkeit des Kriegsdienstes mit der Waffe
ablehnen. Hinter dieser Entscheidung stehe ich konsequent mit meinem ganzen
Gewissen.
(Unterschrift)