Darlegung der
Beweggründe meiner Gewissensentscheidung
Schon seit ich denken kann lehne ich das Mittel
der Gewalt zur Lösung von Konflikten ab. Die christlichen Werte der
Nächstenliebe und der Gewaltlosigkeit wurden mir schon früh durch die
Erziehung meiner Eltern vermittelt und stehen für mich über allen
anderen Werten. Konflikte entstehen, wenn Menschen unfähig sind,
aufeinander zuzugehen und Verständnis für die Position des anderen zu
zeigen. Eben diese verbale, kommunikative Art der Lösung von Konflikten
halte ich gegenüber dem Mittel der Anwendung von Gewalt nicht nur für
Überlegen, sie ist für mich die einzige moralisch wie ethisch
zulässige Möglichkeit. Aus diesem Grunde lehne ich den Dienst an der
Waffe kategorisch ab.
Ich bin der Meinung,
daß kein Konflikt sich auf lange Sicht hin mit Gewalt lösen
läßt. Diese Erkenntnis ziehe ich aus der deutschen Geschichte, die
wir in meinem Geschichte Leistungskurs in der Schule besonders ausführlich
behandelten. Gewalt fördert Gegengewalt und verschärft dadurch
Konflikte nur. Haß und Rachegefühle werden erzeugt und führen zu
immer neuen, immer intensiveren Eskallationen. Das heißt, daß sich
durch Gegenwehr im Krieg die Situation der Menschen, deren höchstes Gut,
ihr Leben, es zu schützen gilt, nicht bessert sondern dramatisch
verschlechtert. Militärische Handlungen sind daher ungeeignet, um Konflikte
zu lösen.
Durch meine Erziehung und meine
bisherige Lebenserfahrung habe ich gelernt, das Leben als höchstes Gut der
Menschen zu schätzen. Mein Großvater starb, als ich noch in der
Grundschule war. Dieser erste Todesfall in der Familie, den ich miterlebte, war
ein scharfer Einschnitt in mein Leben. Plötzlich erfuhr ich, was Schock,
Trauer und Leid bedeuteten. Die Tage zwischen Tod und Beerdigung meines Opas,
der ein echter Freund für mich war, waren die schrecklichsten meines
Lebens. Ich möchte es nicht erleben, einen Menschen im Krieg - egal auf
welcher Seite er kämpfen mag - sterben zu sehen.
Über die letzten Jahre hinweg habe ich
aufmerksam den Krieg in dem auseinandergebrochenen Jugoslavien verfolgt und Wege
gesucht, wie ich gegen den Wahnsinn wirken konnte. Seit einiger Zeit engagiere
ich mich bei der Schüleraktion "Schüler Helfen Leben", die durch das
Zusammenführen von Jugendlichen in Ex-Jugoslavien versucht, der Spirale des
Hasses und der Gewalt dort entgegenzuwirken. Ich organisierte mit anderen
Schülern zusammen mehrere Benefiz-Konzerte, deren Erlöse wir für
ein Jugendzentrum spendeten.
Kriege zu
führen und damit elementar in die Menschenrechte anderer einzugreifen, aber
gleichzeitig genau diese Rechte verteidigen zu wollen, ist für mich ein
unvereinbarer Gegensatz. Ein Krieg ist meiner Meinung nach als
friedensbringendes Mittel völlig ungeeignet. Jeder Krieg ist vermeidbar und
als Zivildienstleistender würde ich mich eher befähigt fühlen,
zur Verhinderung eines Krieges beizutragen.
Allein die Vorstellung, daß ich einen
anderen Menschen zu töten habe, nur weil er in einem anderen Land geboren
ist, ist für mich völlig abwegig und würde, wenn ich die Rolle
des Soldaten wahrnehmen müßte, einen schweren Gewissenskonflikt in
mir auslösen. Für mich hat jeder Mensch, egal welcher Herkunft,
welchen Geschlechtes, welchen Glaubens oder welcher Hautfarbe das gleiche
unveräußerliche Recht hat zu leben. Die Vorstellung, das Töten
von Menschen während des Wehrdienstes trainieren zu müssen, ekelt mich
an. Waffen, deren einziger Zweck es ist, andere Menschen zu töten, bringen
nur Leid und Zerstörung und sind deshalb für mich das schlimmste, was
der Mensch je geschaffen hat. Ich bin nicht bereit Befehle auszuführen, die
gegen meine Überzeugung und gegen mein Gewissen verstoßen und
fühle mich deshalb als ungeeignet für den Dienst an der Waffe.
Aus den oben genannten Gründen bitte ich
um Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer nach Artikel 4, Absatz 3, Satz 1 des
GG. Ich bin bereit den 3 Monate längeren Zivildienst zu leisten und sehe
darin eine gute Möglichkeit, meinem idealen Bild vom Menschen und vom
Zusammenleben der Menschen näherzukommen.