Einschlafen von Marie von Ebner-Eschenbach

Der Tag ist aus, und nun - wie himmlisch wohl wird's tun,
Vergessend seine Müh'n in sanftem Schlaf zu ruhn.
Es war ein harter Tag. Vorüber und vorbei!
Gott gebe, daß, der kommt, ein minder harter sei;
Wenn nicht - nun denn, nun denn! - zu leiden und zu streben,
Ob mit, ob ohne Lohn, das nennen wir ja leben.
Die oft ersehnte Stund', sie bleibt nicht aus am Ende,
Da man zu ew'ger Rast darf kreuzen seine Hände.
Erlösungbringer Tod! wer hat nicht dein gedacht,
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Als er sich hingestreckt zum Schlaf in stiller Nacht?
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Der Schlaf ist kurzer Tod, wir können Probe halten
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Vom dunkeln Schicksalsstück, darin als Held zu walten
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Jedwedem einst bestimmt. - Wär's jedem auch beschieden,
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Mit sich und mit der Welt dahinzugehn in Frieden.
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In sel'gem Frieden ... Ach, braucht' ich zu wünschen nur,
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Die Menschen hätten ihn, ihn hätte die Natur,
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Kein Wesen fühlte Qual, selbst nicht der kleinste Wurm,
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Ich schafft' auch Ruh dem Meer, der Wolke und dem Sturm ...
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Ein sonderbares Wort hab' ich dereinst vernommen
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Und konnt darüber nie zu voller Klarheit kommen.
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Nirwana war das Wort. Das heißt ... o Müdigkeit!
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Nicht denken jetzt, nicht mehr - es ist ja Schlafenszeit,
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Willkommen, holde Zeit; sei gnädig mir, entrücke
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Mich allem Leid.
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Ich wollt', ich fänd' einmal die Brücke,
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Die aus dem wachen uns, dem vollbewußten Sein
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Ins halbbewußte Reich des Traumes führt hinein.
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Ein zarter Wunderbau, ein rätselhafter Steg,
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Nur das geschloss'ne Aug' entdeckt zu ihm den Weg.
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Ei horch, wie's summt und klingt: - die Spieluhr regt sich wieder
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Und bringt ihr Liedchen vor vom muntren Seifensieder ...
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Der es so gerne hört, mein ferner Liebling, du,
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Wann endlich kehrst du heim? wann jauchzt dein Gruß mir zu? ...
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Viel Zeit muß noch vergehn, und Sommer muß es sein,
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Und linde Luft muß wehn durch unsern Fichtenhain ...
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Da steht er ja, er selbst - umhaucht von Harzesduft,
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Die Wipfel ragen schlank und schimmernd in die Luft.
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Ich seh' die Wiesen rings im Frühlingsglanz sich breiten
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Und durch das junge Grün ein junges Kindlein schreiten.
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So komm! - wo bist du nun? ... gar nirgends zu entdecken
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Beim ersten Wiedersehn spielt schon das Kind Verstecken
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Mit ihm verschwand der Tag; schneeweiße Nebel wallen,
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Die qualmend sich zerstreun, die sich zusammen ballen
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Und jetzt - o Seligkeit - o Himmelsblumen: Sterne!
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Erhebt sichs wie Gesang so mild und rein
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Ich schlafe nicht, noch lange nicht - o nein
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (28.7 KB)

Details zum Gedicht „Einschlafen“

Anzahl Strophen
1
Anzahl Verse
46
Anzahl Wörter
402
Entstehungsjahr
1830 - 1916
Epoche
Realismus

Gedicht-Analyse

Die Autorin des Gedichtes „Einschlafen“ ist Marie von Ebner-Eschenbach. Ebner-Eschenbach wurde im Jahr 1830 geboren. Die Entstehungszeit des Gedichtes liegt zwischen den Jahren 1846 und 1916. Die Entstehungszeit des Gedichtes bzw. die Lebensdaten der Autorin lassen eine Zuordnung zur Epoche Realismus zu. Bei der Schriftstellerin Ebner-Eschenbach handelt es sich um eine typische Vertreterin der genannten Epoche. Das vorliegende Gedicht umfasst 402 Wörter. Es baut sich aus nur einer Strophe auf und besteht aus 46 Versen. Weitere bekannte Gedichte der Autorin Marie von Ebner-Eschenbach sind „Gänsezug“, „Das Schiff“ und „Magst den Tadel noch so fein“. Auf abi-pur.de liegen zur Autorin des Gedichtes „Einschlafen“ weitere 17 Gedichte vor.

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