Jesus der treue Hirte sucht die Psyche und verlobt sich mit ihr von Angelus Silesius

1
Hört Wunder, hört, des Königs Sohn,
Der sprang herab von seinem Thron
Und ließ sich Schäfer grüßen.
Damit er nur die Hirtenmagd,
Die Psyche, die der Feind verjagt,
Liebkosen möcht und küssen.
 
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Er suchte sie durch Feld und Wald,
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Er schrie und ruft' ihr mannigfalt
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Mit herzlichem Verlangen.
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Er lief durch Berg und auch durch Tal
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Inbrünstig und schrie überall;
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O Psyche, komm gegangen.
 
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Bis endlich fand er sie allein,
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Verirrt in einer Wüsten sein,
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Im Schlaf dazu versunken.
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Da trat er liebreich zu ihr hin,
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Berührend ihren Geist und Sinn
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Mit seinen Liebesfunken.
 
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Ach, ach, sprach er, du armes Kind,
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Wie schmerzts mich, daß ich dich so blind
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Und voller Schlaf hier finde.
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Steh auf, steh auf, ich komm zu dir,
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Daß ich dich in mein Reich einführ
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Und dich mit mir verbinde.
 
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Ich suche dich und bin verliebt,
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Verliebt bin ich und sehr betrübt
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Um dich, mein ander Leben.
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Gib mir dein Herz, sei meine Braut
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Und bleibe mir allein vertraut,
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So will ich dich erheben.
 
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Da sprach die Psyche: Jesu Christ,
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Der du in mich verliebet bist,
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Sei tausendmal willkommen!
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Ich kenne dich schon, weil dein Brand
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Im Schlaf dich mir gemacht bekannt
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Und mir mein Herz genommen.
 
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Ich liebe dich und danke dir,
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Du meines Lebens ewge Zier,
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Daß du mich hast erwecket.
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Ich würde sonst gleich wie ein Schaf
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In meinem Irrtum, meinem Schlaf,
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Noch immer sein gestecket.
 
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Ich liebe dich, du liebster Freund,
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Ich such zu sein mit dir vereint
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Und mich dir einzuleiben.
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Hier ist mein Herz, hier ist die Braut,
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Nimm mich, ich bin dir schon vertraut
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Und wills auch ewig bleiben.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (28.2 KB)

Details zum Gedicht „Jesus der treue Hirte sucht die Psyche und verlobt sich mit ihr“

Anzahl Strophen
8
Anzahl Verse
56
Anzahl Wörter
270
Entstehungsjahr
1624 - 1677
Epoche
Barock

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Jesus der treue Hirte sucht die Psyche und verlobt sich mit ihr“ stammt aus der Feder des Autors bzw. Lyrikers Angelus Silesius. Silesius wurde im Jahr 1624 in Breslau geboren. Die Entstehungszeit des Gedichtes liegt zwischen den Jahren 1640 und 1677. Eine Zuordnung des Gedichtes zur Epoche Barock kann auf Grund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors vorgenommen werden. Bei Silesius handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epoche. Das 270 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 56 Versen mit insgesamt 8 Strophen. Angelus Silesius ist auch der Autor für Gedichte wie „Das Vieh lebt nach den Sinnen“, „Die Gliedmaßen der Seelen“ und „Du mußt geübt werden“. Zum Autor des Gedichtes „Jesus der treue Hirte sucht die Psyche und verlobt sich mit ihr“ haben wir auf abi-pur.de weitere 1832 Gedichte veröffentlicht.

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