Sie muntert auf zum Streit von Angelus Silesius

1
Auf, auf, o Seel, auf, auf zum Streit,
Auf, auf zum Überwinden!
In dieser Welt, in dieser Zeit
Ist keine Ruh zu finden.
Wer nicht will streiten, trägt die Kron
Des ewgen Lebens nicht davon.
 
2
Der Teufel kommt mit seiner List,
10 
Die Welt mit ihrem Prangen,
11 
Das Fleisch mit Wollust, wo du bist,
12 
Zu fälln dich und zu fangen.
13 
Streifst du nicht wie ein tapfrer Held,
14 
So bist du hin und schon gefällt.
 
15 
3
16 
Gedenke, daß du zu dem Fahn
17 
Deins Feldherrns hast geschworen,
18 
Gedenke, daß du als ein Mann
19 
Zum Streit bist auserkoren.
20 
Gedenke, daß ohn Streit und Sieg
21 
Nie keiner zum Triumph aufstieg!
 
22 
4
23 
Wie schmählich ists, wenn ein Soldat
24 
Dem Feind den Rücken kehret!
25 
Wie schändlich, wenn er seine Stadt
26 
Verläßt und sich nicht wehret!
27 
Wie spöttlich, wenn er noch mit Fleiß
28 
Vor Trägheit wird dem Feinde Preis.
 
29 
5
30 
Bind an, der Teufel ist bald hin,
31 
Die Welt wird leicht verjaget,
32 
Das Fleisch muß endlich aus dem Sinn,
33 
Wie sehr dichs immer plaget.
34 
O ewge Schande, wenn ein Held
35 
Vor diesen dreien Buben fällt!
 
36 
6
37 
Wer überwindt, der wird vom Baum
38 
Des ewgen Lebens essen,
39 
Mit seinem Haupt wird er den Raum
40 
Der Himmelskrone messen.
41 
Wer überwindt, den soll kein Leid
42 
Noch Tod berührn in Ewigkeit.
 
43 
7
44 
Wer überwindt und seinen Lauf
45 
Mit Ehren geht vollenden,
46 
Dem will der Herr alsbald darauf
47 
Verborgnes Manna senden,
48 
Ihm geben einen weißen Stein
49 
Und einen neuen Namen drein.
 
50 
8
51 
Wer überwindt, bekommt Gewalt,
52 
Wie Christus zu regieren,
53 
Bekommet Macht, die Völker bald
54 
In einer Schnur zu führen.
55 
Wer überwindt, bekommt vom Herrn
56 
Zum Feldpanier den Morgenstern.
 
57 
9
58 
Wer überwindt, soll ewig nicht
59 
Aus Gottes Tempel gehen,
60 
Soll drinnen wie ein englisch Licht
61 
Und goldne Säule stehen.
62 
Der Name Gottes und des Herrn
63 
Soll leuchten von ihm weit und fern.
 
64 
10
65 
Wer überwindt, soll auf dem Thron
66 
Mit Christo Jesu sitzen,
67 
Soll glänzen wie ein Gottessohn
68 
Ins hohen Himmels Spitzen.
69 
Soll ewig herrschen und regiern,
70 
Soll ewiglich den Himmel ziern.
 
71 
11
72 
So streit denn, Seel, streit keck und kühn,
73 
Daß du mögst überwinden.
74 
Streng alle Kräft an, allen Sinn,
75 
Daß du dies Gut mögst finden.
76 
Wer nicht will streiten um die Kron,
77 
Bleibt ewiglich in Spott und Hohn.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (29.6 KB)

Details zum Gedicht „Sie muntert auf zum Streit“

Anzahl Strophen
11
Anzahl Verse
77
Anzahl Wörter
358
Entstehungsjahr
1624 - 1677
Epoche
Barock

Gedicht-Analyse

Angelus Silesius ist der Autor des Gedichtes „Sie muntert auf zum Streit“. Im Jahr 1624 wurde Silesius in Breslau geboren. Im Zeitraum zwischen 1640 und 1677 ist das Gedicht entstanden. Das Gedicht lässt sich an Hand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her der Epoche Barock zuordnen. Der Schriftsteller Silesius ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche. Das 358 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 77 Versen mit insgesamt 11 Strophen. Weitere bekannte Gedichte des Autors Angelus Silesius sind „Des Weisen Goldmachung“, „Vom Wissen“ und „Vom Gewissen“. Zum Autor des Gedichtes „Sie muntert auf zum Streit“ haben wir auf abi-pur.de weitere 1832 Gedichte veröffentlicht.

+ Wie analysiere ich ein Gedicht?

Daten werden aufbereitet

Weitere Gedichte des Autors Angelus Silesius (Infos zum Autor)

Zum Autor Angelus Silesius sind auf abi-pur.de 1832 Dokumente veröffentlicht. Alle Gedichte finden sich auf der Übersichtsseite des Autors.