Das Mahl zu Heidelberg von Gustav Schwab

Von Württemberg und Baden
Die Herren zogen aus,
Von Metz des Bischofs Gnaden
Vergaß das Gotteshaus;
Sie zogen aus zu kriegen
Wohl in die Pfalz am Rhein,
Sie sahen da sie liegen
Im Sommersonnenschein.
 
Umsonst die Rebenblüthe
10 
Sie tränkt mit mildem Duft,
11 
Umsonst des Himmels Güte
12 
Aus Aehrenfeldern ruft:
13 
Sie brannten Hof und Scheuer,
14 
Daß heulte groß und klein;
15 
Da leuchtete vom Feuer
16 
Der Neckar und der Rhein.
 
17 
Mit Gram von seinem Schlosse
18 
Sieht es der Pfälzer Fritz;
19 
Heißt springen auf die Rosse
20 
Zwei Mann auf einen Sitz.
21 
Mit enggedrängtem Volke
22 
Sprengt er durch Feld und Wald,
23 
Doch ward die kleine Wolke
24 
Zum Wetterhimmel bald.
 
25 
Sie wollen seiner spotten,
26 
Da sind sie schon umringt,
27 
Und über ihren Rotten
28 
Sein Schwert der Sieger schwingt.
29 
Vom Hügel sieht man prangen
30 
Das Heidelberger Schloß,
31 
Dorthin führt er gefangen
32 
Die Fürsten sammt dem Troß.
 
33 
Zu hinterst an der Mauer,
34 
Da ragt ein Thurm so fest,
35 
Das ist ein Sitz der Trauer,
36 
Der Schlang’ und Eule Nest:
37 
Dort sollen sie ihm büßen
38 
Im Kerker trüb und kalt,
39 
Es gähnt zu ihren Füßen
40 
Ein Schlund und finst’rer Wald.
 
41 
Hier lernt vom Grimme rasten
42 
Der Württemberger Utz,
43 
Der Bischof hält ein Fasten,
44 
Der Markgraf läßt vom Trutz.
45 
Sie mochten schon in Sorgen
46 
Um Leib und Leben seyn,
47 
Da trat am andern Morgen
48 
Der stolze Pfälzer ein.
 
49 
„Herauf, ihr Herrn gestiegen,
50 
In meinen hellen Saal!
51 
Ihr sollt nicht fürder liegen
52 
In Finsterniß und Qual.
53 
Ein Mahl ist euch gerüstet,
54 
Die Tafel ist gedeckt,
55 
Drum wenn es euch gelüstet,
56 
Versucht ob es euch schmeckt!“
 
57 
Sie lauschen mit Gefallen,
58 
Wie er so lächelnd spricht,
59 
Sie wandeln durch die Hallen
60 
An’s gold’ne Tageslicht.
61 
Und in dem Saale winket
62 
Ein herrliches Gelag,
63 
Es dampfet und es blinket,
64 
Was nur das Land vermag.
 
65 
Es satzten sich die Fürsten;
66 
Da mocht’ es seltsam seyn!
67 
Sie hungern und sie dürsten
68 
Beim Braten und beim Wein;
69 
„Nun, will’s euch nicht behagen?
70 
Es fehlt doch, deucht mir nichts?
71 
Worüber ist zu klagen?
72 
An was, ihr Herrn, gebrichts?“
 
73 
„Es schickt zu meinem Tische
74 
Der Odenwald das Schwein,
75 
Der Neckar seine Fische,
76 
Den frommen Trank der Rhein!
77 
Ihr habt ja sonst erfahren,
78 
Was meine Pfalz bescheert!
79 
Was wollt ihr heute sparen,
80 
Wo Keiner es euch wehrt?“
 
81 
Die Fürsten sah’n verlegen
82 
Den Andern Jeder an,
83 
Am Ende doch verwegen
84 
Der Ulrich da begann:
85 
„Herr, fürstlich ist dein Bissen,
86 
Doch Eines thut ihm Noth,
87 
Das mag kein Knecht vermissen!
88 
Wo ließest du das Brod?“
 
89 
„„Wo ich das Brod gelassen?““
90 
Sprach da der Pfälzer Fritz,
91 
Er traf, die bei ihm sassen,
92 
Mit seiner Augen Blitz;
93 
Er that die Fensterpforten
94 
Weit auf im hohen Saal,
95 
Da sah man aller Orten
96 
In’s off’ne Neckarthal.
 
97 
Sie sprangen von den Stühlen,
98 
Und blickten in das Land,
99 
Da rauchten alle Mühlen
100 
Rings von des Krieges Brand;
101 
Kein Hof ist da zu schauen,
102 
Wo nicht die Scheune dampft,
103 
Von Rosses Huf’ und Klauen
104 
Ist alles Feld zerstampft.
 
105 
„Nun sprecht, von wessen Schulden
106 
Ist so mein Mahl bestellt?
107 
Ihr müßt euch wohl gedulden,
108 
Bis ihr besä’t mein Feld,
109 
Bis in des Sommers Schwüle
110 
Mir reifet eure Saat,
111 
Und bis mir in der Mühle
112 
Sich wieder dreht ein Rad.“
 
113 
„Ihr seht, der Westwind fächelt
114 
In Stoppeln und Gesträuch;
115 
Ihr seht, die Sonne lächelt,
116 
Sie wartet nur auf euch!
117 
D’rum sendet flugs die Schlüssel,
118 
Und öffnet euren Schatz,
119 
So findet bei der Schüssel
120 
Das Brod den rechten Platz!“
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (33.3 KB)

Details zum Gedicht „Das Mahl zu Heidelberg“

Anzahl Strophen
15
Anzahl Verse
120
Anzahl Wörter
566
Entstehungsjahr
1823
Epoche
Klassik,
Romantik,
Biedermeier

Gedicht-Analyse

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Das Mahl zu Heidelberg“ des Autors Gustav Schwab. 1792 wurde Schwab in Stuttgart geboren. Das Gedicht ist im Jahr 1823 entstanden. Erscheinungsort des Textes ist Stuttgart und Tübingen. Eine Zuordnung des Gedichtes zu den Epochen Klassik, Romantik oder Biedermeier kann auf Grund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors vorgenommen werden. Die Richtigkeit der Epochen sollte vor Verwendung geprüft werden. Die Zuordnung der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen. Da es keine starren zeitlichen Grenzen bei der Epochenbestimmung gibt, können hierbei Fehler entstehen. Das Gedicht besteht aus 120 Versen mit insgesamt 15 Strophen und umfasst dabei 566 Worte. Gustav Schwab ist auch der Autor für Gedichte wie „Liebesmorgen“, „Rechtfertigung“ und „Schlittenlied“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Das Mahl zu Heidelberg“ weitere 12 Gedichte vor.

+ Wie analysiere ich ein Gedicht?

Daten werden aufbereitet

Weitere Gedichte des Autors Gustav Schwab (Infos zum Autor)

Zum Autor Gustav Schwab sind auf abi-pur.de 12 Dokumente veröffentlicht. Alle Gedichte finden sich auf der Übersichtsseite des Autors.