Das Hexenkind von Joachim Ringelnatz

Das junge Ding hieß Ilse Watt.
Sie ward im Waisenhaus erzogen.
Dort galt sie für verstockt, verlogen,
Weil sie kein Wort gesprochen hat
Und weil man ihr es sehr verdachte,
Daß sie schon früh, wenn sie erwachte,
Ganz leise vor sich hinlachte.
 
Man nannte sie, weil ihr Betragen
So seltsam war, das Hexenkind.
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Allüberall ward sie gescholten.
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Doch wagte niemand, sie zu schlagen.
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Denn sie war von Geburt her blind.
 
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Die Ilse hat für frech gegolten,
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Weil sie, wenn man zu Bett sie brachte,
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Noch leise vor sich hinlachte.
 
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In ihrem Bettchen blaß und matt
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Lag sterbend eines Tags die kranke
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Und stille, blinde Ilse Watt,
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Lächelte wie aus andern Welten
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Und sprach zu einer Angestellten,
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Die ihr das Haar gestreichelt hat,
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Ganz laut und glücklich noch: „Ich danke.“
Arbeitsblatt zum Gedicht
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Details zum Gedicht „Das Hexenkind“

Anzahl Strophen
4
Anzahl Verse
22
Anzahl Wörter
129
Entstehungsjahr
1931
Epoche
Moderne,
Expressionismus

Gedicht-Analyse

Der Autor des Gedichtes „Das Hexenkind“ ist Joachim Ringelnatz. Im Jahr 1883 wurde Ringelnatz in Wurzen geboren. Entstanden ist das Gedicht im Jahr 1931. Erscheinungsort des Textes ist Berlin. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her lässt sich das Gedicht den Epochen Moderne oder Expressionismus zuordnen. Bei Ringelnatz handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epochen. Das vorliegende Gedicht umfasst 129 Wörter. Es baut sich aus 4 Strophen auf und besteht aus 22 Versen. Weitere bekannte Gedichte des Autors Joachim Ringelnatz sind „...als eine Reihe von guten Tagen“, „7. August 1929“ und „Abendgebet einer erkälteten Negerin“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Das Hexenkind“ weitere 560 Gedichte vor.

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