Das Göttliche von Johann Wolfgang von Goethe

Edel sei der Mensch,
Hilfreich und gut!
Denn das allein
Unterscheidet ihn
Von allen Wesen,
Die wir kennen.
 
Heil den unbekannten
Höhern Wesen,
Die wir ahnen!
10 
Ihnen gleiche der Mensch!
11 
Sein Beispiel lehr’ uns
12 
Jene glauben.
 
13 
Denn unfühlend
14 
Ist die Natur:
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Es leuchtet die Sonne
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Über Bös’ und Gute,
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Und dem Verbrecher
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Glänzen, wie dem Besten
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Der Mond und die Sterne.
 
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Wind und Ströme,
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Donner und Hagel
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Rauschen ihren Weg
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Und ergreifen
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Vorüber eilend
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Einen um den andern.
 
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Auch so das Glück
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Tappt unter die Menge,
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Faßt bald des Knaben
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Lockige Unschuld,
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Bald auch den kahlen
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Schuldigen Scheitel.
 
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Nach ewigen, ehrnen,
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Großen Gesetzen
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Müssen wir alle
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Unseres Daseins
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Kreise vollenden.
 
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Nur allein der Mensch
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Vermag das Unmögliche:
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Er unterscheidet,
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Wählet und richtet;
41 
Er kann dem Augenblick
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Dauer verleihen.
 
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Er allein darf
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Den Guten lohnen,
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Den Bösen strafen,
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Heilen und retten,
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Alles Irrende, Schweifende
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Nützlich verbinden.
 
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Und wir verehren
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Die Unsterblichen,
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Als wären sie Menschen,
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Täten im Großen,
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Was der Beste im Kleinen
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Tut oder möchte.
 
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Der edle Mensch
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Sei hülfreich und gut!
57 
Unermüdet schaff’ er
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Das Nützliche, Rechte,
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Sei uns ein Vorbild
60 
Jener geahneten Wesen!
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (27.4 KB)

Details zum Gedicht „Das Göttliche“

Anzahl Strophen
10
Anzahl Verse
60
Anzahl Wörter
185
Entstehungsjahr
1783
Epoche
Sturm & Drang,
Klassik

Gedicht-Analyse

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Das Göttliche“ des Autors Johann Wolfgang von Goethe. Im Jahr 1749 wurde Goethe in Frankfurt am Main geboren. Im Jahr 1783 ist das Gedicht entstanden. Die Entstehungszeit des Gedichtes bzw. die Lebensdaten des Autors lassen eine Zuordnung zu den Epochen Sturm & Drang oder Klassik zu. Der Schriftsteller Goethe ist ein typischer Vertreter der genannten Epochen.

Als Sturm und Drang (auch Genieperiode oder Geniezeit) bezeichnet man eine Epoche der Literatur, die auf die Jahre 1765 bis 1790 datiert werden kann. Sie knüpfte an die Empfindsamkeit an und ging später in die Klassik über. Der Epoche des Sturm und Drang geht die Epoche der Aufklärung voran. Die Ideale und Ziele der Aufklärung wurden verworfen und es begann ein Auflehnen gegen die Prinzipien der Aufklärung und das gesellschaftliche System. Bei den Autoren handelte es sich meist um junge Schriftsteller. Meist waren die Vertreter unter 30 Jahre alt. Um die persönlichen Empfindungen des lyrischen Ichs zum Ausdruck zu bringen, wurde insbesondere darauf geachtet eine geeignete Sprache zu finden und in den Gedichten einzusetzen. Die Werke vorangegangener Epochen wurden geschätzt und dienten als Inspiration. Aber dennoch wurde eine eigene Jugendsprache und Jugendkultur mit kraftvollen Ausdrücken, Ausrufen, Halbsätzen und Wiederholungen geschaffen. Goethe, Schiller und die anderen Autoren jener Zeit suchten nach etwas Universalem, was in allen Belangen und für jede Zeit gut sei und entwickelten sich stetig weiter. So ging der Sturm und Drang über in die Weimarer Klassik.

Goethe (* 28. August 1749 in Frankfurt am Main; † 22. März 1832 in Weimar) ist einer der populärsten Dichter der Weimarer Klassik. 1786 unternahm Goethe eine Italienreise, diese wird heute als Beginn der Weimarer Klassik angesehen. Das Ende der Epoche ist im Jahr 1832 auszumachen. Sowohl Klassik als auch Weimarer Klassik sind gebräuchliche Bezeichnungen für die Literaturepoche. Die Klassik orientiert sich an traditionellen Vorbildern aus der Antike. Sie strebt nach Harmonie ganz im Gegensatz zur Epoche der Aufklärung und des Sturm und Drangs. Kennzeichnend ist ein hohes Sprachniveau und eine reglementierte Sprache. Diese reglementierte Sprache verdeutlicht im Vergleich zum natürlichen Sprachideal der Literaturepoche des Sturm und Drang mit all seinen Derbheiten den Ausgleich zwischen Vernunft und Gefühl. Die Autoren haben in der Klassik auf Gestaltungs- und Stilmittel aus der Antike zurückgegriffen. Schiller, Goethe, Herder und Wieland bildeten das „Viergestirn“ der Weimarer Klassik. Es gab natürlich auch noch weitere Autoren, die typische Werke veröffentlichten, doch niemand übertraf die Fülle und die Popularität dieser vier Autoren.

Das vorliegende Gedicht umfasst 185 Wörter. Es baut sich aus 10 Strophen auf und besteht aus 60 Versen. Weitere Werke des Dichters Johann Wolfgang von Goethe sind „An Lida“, „An den Mond“ und „An den Schlaf“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Das Göttliche“ weitere 1612 Gedichte vor.

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