Das Grubenpferd von Heinrich Kämpchen

Ein edles Roß, zu wild und ungeberdig
Vor’m Tilbury des Direktors, ward deshalb
Zum Grubenpferde degradiert und mußte
Die Kohlenwagen zieh’n im Kohlenschacht. –
Das edle Tier, an Licht und Luft gewöhnt
Vom Sonnentag, verkümmerte – sein Fell,
Sonst weich und glatt, ward zottelig, und wund
Ihm Kopf und Rücken vom Gestein der Decke,
Zu niedrig für seinen hohen Wuchs. –
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Es mußte ziehen und es zog – die Geißel
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Des Treibers brach den Trotz ihm – aber mehr
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Das Dunkel und die Moderluft des Schachtes. –
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Ein Jammerdasein war’s dem edlen Roß. –
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Die Schläge fielen hageldicht, so bald
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Der Wagenpark nicht schnell genug vom Schacht
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Zum Schachte flog – ob schuldig oder nicht,
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Des Treibers Zorn zerfleischte ihm den Rücken. –
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Da – wieder traf sein armer Kopf der Schlag
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Von roher Faust, wie’s ihm so oft geschah –
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Zerriß die Stränge es und stürmte fort,
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Durch’s Streckendunkel, sonder Halt und Ziel. –
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War’s Wut, Verzweiflung, Freiheitsdrang, wer kündet’s –
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Doch seiner Qualen Ende war’s – man fand es,
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Den Kopf zerschellt, in einem Wassertümpel. –
 
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Ein Pferd nur, bah, ein Grubenpferd, und darum
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So viele Worte – hör’ ich Leser sprechen. –
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Ja, nur ein Pferd – ihr habt mich nicht verstanden. –
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (26 KB)

Details zum Gedicht „Das Grubenpferd“

Anzahl Strophen
2
Anzahl Verse
27
Anzahl Wörter
195
Entstehungsjahr
1909
Epoche
Moderne

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Das Grubenpferd“ stammt aus der Feder des Autors bzw. Lyrikers Heinrich Kämpchen. 1847 wurde Kämpchen in Altendorf an der Ruhr geboren. Entstanden ist das Gedicht im Jahr 1909. Erscheinungsort des Textes ist Bochum. Die Entstehungszeit des Gedichtes bzw. die Lebensdaten des Autors lassen eine Zuordnung zur Epoche Moderne zu. Bitte überprüfe unbedingt die Richtigkeit der Angaben zur Epoche bei Verwendung. Die Zuordnung der Epoche ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen. Das vorliegende Gedicht umfasst 195 Wörter. Es baut sich aus 2 Strophen auf und besteht aus 27 Versen. Heinrich Kämpchen ist auch der Autor für Gedichte wie „Altendorf“, „Am Gemündener Maar“ und „Am Grabe der Mutter“. Zum Autor des Gedichtes „Das Grubenpferd“ haben wir auf abi-pur.de weitere 165 Gedichte veröffentlicht.

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