Der Antritt des neuen Jahrhunderts von Friedrich Schiller

Der Antritt des neuen Jahrhunderts
An
 
Edler Freund! Wo öffnet sich dem Frieden,
Wo der Freiheit sich ein Zufluchtsort?
Das Jahrhundert ist im Sturm geschieden,
Und das neue öffnet sich mit Mord.
 
Und das Band der Länder ist gehoben,
Und die alten Formen stürzen ein;
Nicht das Weltmeer hemmt des Krieges Toben,
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Nicht der Nilgott und der alte Rhein.
 
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Zwo gewaltge Nationen ringen
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Um der Welt alleinigen Besitz,
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Aller Länder Freiheit zu verschlingen,
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Schwingen sie den Dreizack und den Blitz.
 
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Gold muß ihnen jede Landschaft wägen,
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Und wie Brennus in der rohen Zeit
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Legt der Franke seinen ehrnen Degen
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In die Waage der Gerechtigkeit.
 
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Seine Handelsflotten streckt der Brite
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Gierig wie Polypenarme aus,
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Und das Reich der freien Amphitrite
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Will er schließen wie sein eignes Haus.
 
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Zu des Südpols nie erblickten Sternen
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Dringt sein rastlos ungehemmter Lauf,
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Alle Inseln spürt er, alle fernen
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Küsten - nur das Paradies nicht auf.
 
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Ach umsonst auf allen Länderkarten
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Spähst du nach dem seligen Gebiet,
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Wo der Freiheit ewig grüner Garten,
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Wo der Menschheit schöne Jugend blüht.
 
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Endlos liegt die Welt vor deinen Blicken,
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Und die Schiffahrt selbst ermißt sie kaum,
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Doch auf ihrem unermeßnen Rücken
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Ist für zehen Glückliche nicht Raum.
 
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In des Herzens heilig stille Räume
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Mußt du fliehen aus des Lebens Drang,
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Freiheit ist nur in dem Reich der Träume,
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Und das Schöne blüht nur im Gesang.
Arbeitsblatt zum Gedicht
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Details zum Gedicht „Der Antritt des neuen Jahrhunderts“

Anzahl Strophen
10
Anzahl Verse
38
Anzahl Wörter
226
Entstehungsjahr
1759 - 1805
Epoche
Sturm & Drang,
Klassik

Gedicht-Analyse

Friedrich Schiller ist der Autor des Gedichtes „Der Antritt des neuen Jahrhunderts“. Im Jahr 1759 wurde Schiller in Marbach am Neckar, Württemberg geboren. Zwischen den Jahren 1775 und 1805 ist das Gedicht entstanden. Anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her kann der Text den Epochen Sturm & Drang oder Klassik zugeordnet werden. Schiller ist ein typischer Vertreter der genannten Epochen.

Die Epoche des Sturm und Drang ist eine Strömung in der deutschen Literaturgeschichte, die häufig auch als Geniezeit oder Genieperiode bezeichnet wird. Die Epoche ordnet sich nach der Literaturepoche der Empfindsamkeit und vor der Klassik ein. Sie lässt sich auf die Zeit zwischen 1765 und 1790 eingrenzen. Die wesentlichen Merkmale des Sturm und Drang lassen sich als ein Rebellieren oder Auflehnen gegen die Epoche der Aufklärung zusammenfassen. Das literarische und philosophische Leben in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und die Literatur sollten dadurch maßgeblich beeinflusst werden. Die Schriftsteller des Sturm und Drang waren zumeist junge Autoren, häufig unter 30 Jahre alt. Die Autoren versuchten in den Dichtungen eine geeignete Sprache zu finden, um die persönlichen Empfindungen des lyrischen Ichs zum Ausdruck zu bringen. Die traditionellen Werke vorheriger Epochen wurden geschätzt und dienten als Inspiration. Dennoch wurde eine eigene Jugendkultur und Jugendsprache mit kraftvollen Ausdrücken, Ausrufen, Wiederholungen und Halbsätzen geschaffen. Mit dem Hinwenden Goethes und Schillers zur Weimarer Klassik endete der Sturm und Drang.

Zwei gegensätzliche Anschauungen hatten das 18. Jahrhundert bewegt: die Aufklärung und eine gefühlsbetonte Strömung, die durch den Sturm und Drang vertreten wurde. Die Weimarer Klassik ist eine Verschmelzung dieser beiden Elemente. Die Weimarer Klassik nahm ihren Anfang mit der Italienreise Goethes im Jahr 1786 und endete mit dem Tod von Johann Wolfgang von Goethe im Jahr 1832. Das Zentrum der Weimarer Klassik lag in Weimar. Häufig wird die Epoche auch nur als Klassik bezeichnet. In Anlehnung an das antike Kunstideal wurde in der Klassik nach Vollkommenheit, Harmonie, Humanität und der Übereinstimmung von Inhalt und Form gesucht. In der Weimarer Klassik wird eine sehr geordnete, einheitliche Sprache verwendet. Kurze, allgemeingültige Aussagen sind häufig in Werken der Weimarer Klassik zu finden. Da man die Menschen früher mit der Kunst und somit auch mit der Literatur erziehen wollte, setzte man großen Wert auf formale Ordnung und Stabilität. Metrische Ausnahmen befinden sich oftmals an Stellen, die hervorgehoben werden sollen. Die Hauptvertreter der Weimarer Klassik sind Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Christoph Martin Wieland und Johann Gottfried Herder. Einen künstlerischen Austausch im Sinne einer gemeinsamen Arbeit gab es jedoch nur zwischen Schiller und Goethe.

Das vorliegende Gedicht umfasst 226 Wörter. Es baut sich aus 10 Strophen auf und besteht aus 38 Versen. Friedrich Schiller ist auch der Autor für Gedichte wie „An die Parzen“, „An die Sonne“ und „An einen Moralisten“. Zum Autor des Gedichtes „Der Antritt des neuen Jahrhunderts“ haben wir auf abi-pur.de weitere 220 Gedichte veröffentlicht.

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