Seelied von Bettina von Arnim

Es schien der Mond gar helle,
Die Sterne blinkten klar,
Es schliefen tief die Wellen,
Das Meer ganz stille war.
 
Ein Schifflein lag vor Anker,
Ein Schiffer trat herfür:
Ach wenn doch all mein Leiden
Hier tief versunken wär.
 
Mein Schifflein liegt vor Anker,
10 
Hat keine Ladung drin,
11 
Ich lad ihm auf mein Leiden
12 
Und laß es fahren hin.
 
13 
Und als er sich entrissen
14 
Die Schmerzen mit Gewalt,
15 
Da war sein Herz zerrissen,
16 
Sein Leben war erkalt'.
 
17 
Die Leiden all schon schwimmen
18 
Auf hohem Meere frei,
19 
Da heben sie an zu singen
20 
Eine finstre Melodei.
 
21 
Wir haben festgesessen
22 
In eines Mannes Brust,
23 
Wo tapfer wir gestritten
24 
Mit seines Lebens Lust.
 
25 
Nun müssen wir hier irren
26 
Im Schifflein hin und her:
27 
Ein Sturm wird uns verschlingen,
28 
Ein Ungeheuer im Meer.
 
29 
Da mußten die Wellen erwachen
30 
Bei diesem trüben Sang;
31 
Verschlangen still den Nachen
32 
Mit allem Leiden bang.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (25.9 KB)

Details zum Gedicht „Seelied“

Anzahl Strophen
8
Anzahl Verse
32
Anzahl Wörter
146
Entstehungsjahr
1785 - 1859
Epoche
Romantik

Gedicht-Analyse

Die Autorin des Gedichtes „Seelied“ ist Bettina von Arnim. Die Autorin Bettina von Arnim wurde 1785 in Frankfurt am Main geboren. Im Zeitraum zwischen 1801 und 1859 ist das Gedicht entstanden. Auf Grund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten der Autorin kann der Text der Epoche Romantik zugeordnet werden. Die Schriftstellerin Arnim ist eine typische Vertreterin der genannten Epoche.

Als Romantik wird die Epoche der Kunstgeschichte bezeichnet, deren Ausprägungen sich sowohl in der Literatur, Kunst und Musik als auch in der Philosophie niederschlugen. Die Epoche der Romantik lässt sich vom Ende des 18. Jahrhunderts bis ins späte 19. Jahrhundert verorten. Die literarische Romantik kann darauf aufbauend etwa auf die Jahre 1795 bis 1848 datiert werden. Die Romantik kann in drei Phasen unterteilt werden: Frühromantik (bis 1804), Hochromantik (bis 1815) und Spätromantik (bis 1848). Die Gesellschaft des 18. Jahrhunderts galt im Allgemeinen als wissenschaftlich und aufstrebend, was hier vor allem durch die einsetzende Industrialisierung deutlich wird. Die damalige Gesellschaft wurde zunehmend technischer, fortschrittlicher und wissenschaftlicher. Diese Entwicklung war den Romantikern zuwider. Sie stellten sich in ihren Werken gegen das Streben nach immer mehr Gewinn, Fortschritt und das Nützlichkeitsdenken, das versuchte, alles zu verwerten. Die zentralen Motive der Literatur der Romantik sind das Schaurige, Unterbewusste, Fantastische, Leidenschaftliche, Individuelle, Gefühlvolle und Abenteuerliche, welche die Grenzen des Verstandes sprengen und erweitern sollen und sich gegen das bloße Nützlichkeitsdenken sowie die Industrialisierung richten. Die Romantiker sehnen sich nach der Einheit von Geist und Natur. Ein Hinwenden zum Mittelalter ist erkennbar. So werden Kunst und Architektur dieser vergangenen Zeit geschätzt. Die Missstände dieser Zeit bleiben jedoch unerwähnt. Die äußere Form von romantischer Literatur ist völlig offen. Kein festgesetztes Schema grenzt die Literatur ein. Dies steht ganz im Gegensatz zu den strengen Normen der Klassik. In der Romantik entstehen erstmals Sammlungen so genannter Volkspoesie. Bekannte Beispiele dafür sind Grimms Märchen und die Liedersammlung Des Knaben Wunderhorn. Doch bereits unmittelbar nach Erscheinen wurde die literarische Bearbeitung (Schönung) durch die Autoren kritisiert, die damit ihre Rolle als Chronisten weit hinter sich ließen.

Das Gedicht besteht aus 32 Versen mit insgesamt 8 Strophen und umfasst dabei 146 Worte. Die Gedichte „An Pamphilio“, „Eros“ und „Petöfi dem Sonnengott“ sind weitere Werke der Autorin Bettina von Arnim. Zur Autorin des Gedichtes „Seelied“ haben wir auf abi-pur.de keine weiteren Gedichte veröffentlicht.

+ Wie analysiere ich ein Gedicht?

Daten werden aufbereitet

Weitere Gedichte des Autors Bettina von Arnim (Infos zum Autor)