Roccafrieda von Karoline Marie Luise Brachmann

Um die schöne Roccafrieda
Warben viel der schönen Ritter;
Um sie Grafen, schön und stattlich,
Warben sieben an der Zahl.
 
Doch es wies bescheiden, sittig
All' sie ab, die edle Dame;
Was verlangst du, schöne Herrin?
Sind sie stattlich nicht und schön?
 
Willst du Gold? In goldner Rüstung
10 
Schimmert der; ihm prangen Schlösser;
11 
Zartste Jugend, Rosenblüthe
12 
Schmückt des Zweiten Angesicht.
 
13 
Willst du Schönheit? Himmelstrahlen
14 
Brechen aus des Dritten Augen.
15 
So, was Keinem fehlt, vereinet
16 
Einer stets im höchsten Maß.
 
17 
Um die schöne Roccafrieda
18 
Warben selbst der Fürsten Söhne:
19 
Willst du Hoheit, schöne Herrin?
20 
Drei Herzöge lieben dich!
 
21 
Doch auch sie mit zarter Demuth
22 
Wies zurück die edle Dame;
23 
Nun, was willst du, edle Jungfrau?
24 
Wen noch sucht dein hoher Sinn?
 
25 
Doch der edle Montesinos,
26 
Durandarte's tapfrer Vetter,
27 
Der noch sterbend ihn umfaßte,
28 
Als er fiel bei Ronceval;
 
29 
Er nur herrscht im reinen Herzen.
30 
War er schöner? holder? - Wisset:
31 
Einer, den sie nie gesehen,
32 
War der Abgott ihrer Brust.
 
33 
Hold und schön war Montesinos;
34 
Doch sie hatt' ihn nie gesehen:
35 
Nur der Ruf der schönstem Thaten
36 
Drang zum Ohr der schönsten Frau.
 
37 
Und mit Himmelsstrahlen schmückten
38 
Sie sein Bild im Aug' der Hohen;
39 
Eh' sie sah die edeln Züge,
40 
Ruht er in der zarten Brust.
 
41 
»Eins nur ist des Lebens Zierde,«
42 
Sprach sie: »ewig schöne Jugend!
43 
Sie nur darf der zarten Liebe
44 
Schwester und Gefährtin sein.
 
45 
Und verschmäht der Männer Erster
46 
Auch des treuen Herzens Liebe;
47 
Keinem sei das Herz ergeben,
48 
Wird der Edelste nicht mein!«
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (27.3 KB)

Details zum Gedicht „Roccafrieda“

Anzahl Strophen
12
Anzahl Verse
48
Anzahl Wörter
246
Entstehungsjahr
1777 - 1822
Epoche
Klassik,
Romantik,
Biedermeier

Gedicht-Analyse

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Roccafrieda“ der Autorin Karoline Marie Luise Brachmann. Die Autorin Karoline Marie Luise Brachmann wurde 1777 in Rochlitz geboren. Die Entstehungszeit des Gedichtes liegt zwischen den Jahren 1793 und 1822. Anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten der Autorin her kann der Text den Epochen Klassik, Romantik oder Biedermeier zugeordnet werden. Die Angaben zur Epoche prüfe bitte vor Verwendung auf Richtigkeit. Die Zuordnung der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen. Da sich die Literaturepochen zeitlich teilweise überschneiden, ist eine reine zeitliche Zuordnung fehleranfällig. Das 246 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 48 Versen mit insgesamt 12 Strophen. Die Gedichte „Klosterstille“, „Terzinen“ und „Versöhnung“ sind weitere Werke der Autorin Karoline Marie Luise Brachmann. Zur Autorin des Gedichtes „Roccafrieda“ haben wir auf abi-pur.de weitere 20 Gedichte veröffentlicht.

Daten werden aufbereitet

+ Wie analysiere ich ein Gedicht?

Weitere Gedichte des Autors Karoline Marie Luise Brachmann (Infos zum Autor)

Zum Autor Karoline Marie Luise Brachmann sind auf abi-pur.de 20 Dokumente veröffentlicht. Alle Gedichte finden sich auf der Übersichtsseite des Autors.