Trennung von Friederike Brun

Trennung
Romanze
 
O bleicher Jüngling im Mondenschein,
Tief dringt mir dein Leid in das Herz hinein;
Du leidest so viel, du leidest so sehr
O weine, weine, weine nicht mehr!
 
Es hing der Neumond vom Himmel her,
Sanft wogt' in Silberfunkeln das Meer,
Und rings um der Wogen zitternden Glanz
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Stand duftender Hügel Blüthenkranz.
 
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Das Mägdlein still auf dem Söller stand,
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Es wußte kaum, was das Herz empfand;
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Aus des Jünglings sanftumdämmertem Blick
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Strahlt ihm Himmel und Erd' und Meer zurück.
 
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Er fühlet die Lust, er fühlet das Weh,
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Tief wogt's in der Brust, wie in wilder See!
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O Jüngling so schön, o Jüngling so gut,
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Tief wallt's dir im innersten Herzensblut.
 
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Und liebest sie ewig und liebst sie allein?
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Und dennoch muß es geschieden seyn?
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O bleicher Jüngling im Mondenglanz,
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Dein Schmerz zerreißt mir den Busen ganz!
 
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»O Mutter, gieb mir die holde Maid,
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Die ich liebe nun und in Ewigkeit!
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O Mutter, gieb mir des Herzens Ruh',
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Du hast dann zur Tochter den Sohn dazu!«
 
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So flehte die Stimme, so flehte der Blick!
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Doch hielt er das bebende Wort zurück:
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O Jüngling, dich nähm' ich an Mutterbrust,
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Du wärest mein Stolz, mein Glück, meine Lust!
 
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Doch geschieden muß es, geschieden seyn!
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Und verhärten das Herz in kalten Stein!
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Und ziehen dahin in die düstere Nacht
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Aus des warmen Tages wonniger Pracht!
 
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Du bleibst verwais't in dem Zauberland,
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Wir ziehen hinab an den kalten Strand;
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Wo der Geist verblühet, das Herz erstarrt,
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Und die Schönheit nimmer empfunden ward.
 
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Und so traurest du hier, und so trauren wird dort,
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Und so rinnet das trauernde Leben fort:
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Bis in Lethe's Fluth der Schatten versinkt,
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Und Vergessen der Freud' und der Leiden trinkt.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (27 KB)

Details zum Gedicht „Trennung“

Anzahl Strophen
11
Anzahl Verse
42
Anzahl Wörter
281
Entstehungsjahr
1765 - 1835
Epoche
Aufklärung,
Empfindsamkeit,
Sturm & Drang

Gedicht-Analyse

Die Autorin des Gedichtes „Trennung“ ist Friederike Brun. Geboren wurde Brun im Jahr 1765 in Gräfentonna. In der Zeit von 1781 bis 1835 ist das Gedicht entstanden. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten der Autorin her lässt sich das Gedicht den Epochen Aufklärung, Empfindsamkeit, Sturm & Drang, Klassik, Romantik, Biedermeier oder Junges Deutschland & Vormärz zuordnen. Bei Verwendung der Angaben zur Epoche, prüfe bitte die Richtigkeit der Zurodnung. Die Auswahl der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen und muss daher nicht unbedingt richtig sein. Das Gedicht besteht aus 42 Versen mit insgesamt 11 Strophen und umfasst dabei 281 Worte. Die Gedichte „Bey Henriettens Grabe“, „Bey Münters Grabe“ und „Chamounix beym Sonnenaufgange“ sind weitere Werke der Autorin Friederike Brun. Zur Autorin des Gedichtes „Trennung“ haben wir auf abi-pur.de weitere 58 Gedichte veröffentlicht.

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