Bei des Nachtwächters Ankunft von Heinrich Heine
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Bei des Nachtwächters Ankunft |
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zu Paris |
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»Nachtwächter mit langen Fortschrittsbeinen, |
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Du kommst so verstört einhergerannt! |
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Wie geht es daheim den lieben Meinen, |
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Ist schon befreit das Vaterland?« |
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»Vortrefflich geht es, der stille Segen, |
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Er wuchert im sittlich gehüteten Haus, |
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Und ruhig und sicher, auf friedlichen Wegen, |
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Entwickelt sich Deutschland von innen heraus. |
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Nicht oberflächlich wie Frankreich blüht es, |
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Wo Freiheit das äußere Leben bewegt; |
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Nur in der Tiefe des Gemütes |
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Ein deutscher Mann die Freiheit trägt. |
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Der Dom zu Köllen wird vollendet, |
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Den Hohenzollern verdanken wir das; |
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Habsburg hat auch dazu gespendet, |
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Ein Wittelsbach schickt Fensterglas. |
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Die Konstitution, die Freiheitsgesetze, |
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Sie sind uns versprochen, wir haben das Wort, |
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Und Königsworte, das sind Schätze, |
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Wie tief im Rhein der Niblungshort. |
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Der freie Rhein, der Brutus der Flüsse, |
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Er wird uns nimmermehr geraubt! |
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Die Holländer binden ihm die Füße, |
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Die Schwyzer halten fest sein Haupt. |
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Auch eine Flotte will Gott uns bescheren, |
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Die patriotische Überkraft |
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Wird lustig rudern auf deutschen Galeeren; |
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Die Festungsstrafe wird abgeschafft. |
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Es blüht der Lenz, es platzen die Schoten, |
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Wir atmen frei in der freien Natur! |
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Und wird uns der ganze Verlag verboten, |
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So schwindet am Ende von selbst die Zensur.« |
Details zum Gedicht „Bei des Nachtwächters Ankunft“
Heinrich Heine
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193
1797 - 1856
Junges Deutschland & Vormärz
Gedicht-Analyse
Das vorliegende Gedicht trägt den Titel „Bei des Nachtwächters Ankunft“ und wurde von dem deutschen Dichter Heinrich Heine (1797-1856) verfasst. Heine, der während der Romantik lebte und arbeitete, ist bekannt für seine kritischen Texte, in denen er oft die politische und soziale Situation seiner Zeit reflektiert.
Auf den ersten Blick scheint das Gedicht eine Konversation zwischen dem lyrischen Ich und einem Nachtwächter nach seiner Ankunft in Paris darzustellen. Der Nachtwächter repräsentiert in diesem Kontext eine Figur der Autorität. Das lyrische Ich stellt Fragen über die Situation in Deutschland und der Nachtwächter antwortet.
Inhaltlich scheint das Gedicht die politische und gesellschaftliche Situation in Deutschland zur Zeit Heines kritisch zu beleuchten. Es finden sich Themen wie Freiheit und nationale Identität, die deutlich machen, dass Heine sich intensiv mit dem Zustand Deutschlands und dessen Zukunft auseinandersetzte. In seinen Antworten vermittelt der Nachtwächter eine sehr idealisierte Ansicht über Deutschland, wahrscheinlich als Spiegel der damaligen offiziellen Rhetorik - ein Land, das sich moralisch und friedlich entwickelt, wo die Freiheit tief im Inneren eines jeden Bürgers verankert ist.
Formal gesehen, besteht das Gedicht aus neun Strophen mit jeweils vier Versen, wobei sich die ersten beiden Verse der ersten Strophe eher als Einleitung lesen. Die Sprache ist klar und verständlich, mit metaphorischen Elementen, die oft Symbole der deutschen Kultur und Geschichte darstellen.
Die Bemerkung zum vollendeten Kölner Dom bezieht sich auf die im 19. Jahrhundert stattfindende Fertigstellung dieses Bauwerks, welche als nationales Projekt gesehen wurde. Das lyrische Ich bezieht sich auch spielerisch auf die Versprechungen von Freiheit und Konstitution, die von den damaligen regierenden Königen gemacht wurden, allerdings unterstellt es diesen Aussagen eine gewisse Unzuverlässigkeit.
Letztendlich zeigt Heine in diesem Gedicht die Spannungen und Widersprüche zwischen der öffentlichen Darstellung Deutschlands und der Wirklichkeit auf und regt den Leser an, diese kritisch zu hinterfragen.
Weitere Informationen
Der Autor des Gedichtes „Bei des Nachtwächters Ankunft“ ist Heinrich Heine. Heine wurde im Jahr 1797 in Düsseldorf geboren. Im Zeitraum zwischen 1813 und 1856 ist das Gedicht entstanden. Das Gedicht lässt sich anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her der Epoche Junges Deutschland & Vormärz zuordnen. Bei dem Schriftsteller Heine handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epoche. Das 193 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 34 Versen mit insgesamt 9 Strophen. Heinrich Heine ist auch der Autor für Gedichte wie „Abenddämmerung“, „Ach, die Augen sind es wieder“ und „Ach, ich sehne mich nach Thränen“. Zum Autor des Gedichtes „Bei des Nachtwächters Ankunft“ haben wir auf abi-pur.de weitere 535 Gedichte veröffentlicht.
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