Die Nacht von Johann Christian Friedrich Hölderlin

Seid gegrüßt, ihr zufluchtsvolle Schatten,
Ihr Fluren, die ihr einsam um mich ruht;
Du stiller Mond, du hörst, nicht wie Verleumder
lauren,
Mein Herz, entzückt von deinem Perlenglanz.
 
Aus der Welt, wo tolle Toren spotten,
Um leere Schattenbilder sich bemühn,
Flieht der zu euch, der nicht das schimmernde
Getümmel
10 
Der eitlen Welt, nein! nur die Tugend liebt.
 
11 
Nur bei dir empfindt auch hier die Seele,
12 
Wie göttlich sie dereinst wird sein,
13 
Die Freude, deren falschem Schein so viel Altäre,
14 
So viele Opfer hier gewidmet sind.
 
15 
Weit hinauf, weit über euch, ihr Sterne,
16 
Geht sie entzückt mit heilgem Seraphsflug;
17 
Sieht über euch herab mit göttlich heilgem Blicke,
18 
Auf ihre Erd, da wo sie schlummernd ruht....
 
19 
Goldner Schlaf, nur dessen Herz zufrieden
20 
Wohltätger Tugend wahre Freude kennt,
21 
Nur der fühlt dich. - Hier stellst du dürftig schwache
22 
Arme,
23 
Die seine Hülfe suchen, vor ihn hin.
 
24 
Schnell fühlt er des armen Bruders Leiden;
25 
Der arme weint, er weinet auch mit ihm;
26 
Schon Trost genug! Doch spricht er, gab Gott seine
27 
Gaben
28 
Nur mir? nein, auch für andre lebe ich.
 
29 
Nicht von Stolz, noch Eitelkeit getrieben,
30 
Kleidt er den Nackten dann, und sättigt den,
31 
Dem blasse Hungersnot sein schwach Gerippe zählet;
32 
Und himmlisch wird sein fühlend Herz entzückt.
 
33 
So ruht er, allein des Lasters Sklaven
34 
Quält des Gewissens bange Donnerstimm,
35 
Und Todesangst wälzt sie auf ihren weichen Lagern,
36 
Wo Wollust selber sich die Rute hält.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (27.6 KB)

Details zum Gedicht „Die Nacht“

Anzahl Strophen
8
Anzahl Verse
36
Anzahl Wörter
231
Entstehungsjahr
1770 - 1843
Epoche
Aufklärung,
Empfindsamkeit,
Sturm & Drang

Gedicht-Analyse

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Die Nacht“ des Autors Johann Christian Friedrich Hölderlin. 1770 wurde Hölderlin in Lauffen am Neckar geboren. Die Entstehungszeit des Gedichtes liegt zwischen den Jahren 1786 und 1843. Die Entstehungszeit des Gedichtes bzw. die Lebensdaten des Autors lassen eine Zuordnung zu den Epochen Aufklärung, Empfindsamkeit, Sturm & Drang, Klassik, Romantik, Biedermeier oder Junges Deutschland & Vormärz zu. Bitte überprüfe unbedingt die Richtigkeit der Angaben zur Epoche bei Verwendung. Die Zuordnung der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen. Das 231 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 36 Versen mit insgesamt 8 Strophen. Der Dichter Johann Christian Friedrich Hölderlin ist auch der Autor für Gedichte wie „An die Parzen“, „An die jungen Dichter“ und „An unsre Dichter“. Zum Autor des Gedichtes „Die Nacht“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 181 Gedichte vor.

+ Wie analysiere ich ein Gedicht?

Daten werden aufbereitet

Fertige Biographien und Interpretationen, Analysen oder Zusammenfassungen zu Werken des Autors Johann Christian Friedrich Hölderlin

Wir haben in unserem Hausaufgaben- und Referate-Archiv weitere Informationen zu Johann Christian Friedrich Hölderlin und seinem Gedicht „Die Nacht“ zusammengestellt. Diese Dokumente könnten Dich interessieren.

Weitere Gedichte des Autors Johann Christian Friedrich Hölderlin (Infos zum Autor)

Zum Autor Johann Christian Friedrich Hölderlin sind auf abi-pur.de 181 Dokumente veröffentlicht. Alle Gedichte finden sich auf der Übersichtsseite des Autors.