Gustav Adolf von Johann Christian Friedrich Hölderlin

Kommt, ihr Kinder von Teut!
Ihr Kinder von Teut! zum Tale der Schlacht.
Entblößet die Häupter, ihr Kinder von Teut!
Und schauet nieder mit heiligem Blick!
Denn hier - hier starb der Mann,
Des Taten die Lande sahn,
Und ihren Felsen geboten,
Zu beugen die Scheitel den Taten des Manns,
Und ihren Hügeln geboten,
10 
Zu beugen ihr Haupt den Taten des Manns;
11 
Des Taten die Meere sahn,
12 
Und Wogen türmten,
13 
Und Stürme beriefen,
14 
Zu donnern ein Lob den Taten des Manns;
15 
Entblößet die Häupter, ihr Kinder von Teut!
16 
Denn hier - hier starb der Mann,
17 
Des Name, wann einst
18 
Des Ozeans Inseln sich küssen,
19 
Und Kolumbens Welt Lusitanias Küsten umarmt,
20 
Von fernen Völkern gepriesen,
21 
Von fremden Zungen genannt,
22 
Am heiligen Denkmal, im Herzen der Edlen
23 
Noch ewig, wie Gottes Gestirne steht,
24 
Entblößet die Häupter, ihr Kinder von Teut!
25 
Und schauet nieder mit heiligem Blick!
26 
Denn hier - starb - Gustav.
 
27 
Es lärmt' im Tale die Schlacht,
28 
Die Siege zu krönen, die blutige Schlacht,
29 
Und Heldenknie sanken, und Felsenherzen erbebten
30 
Vor Gustav Adolfs Schwert,
31 
Und Blut der Räuber floß,
32 
Und Blut der Witwenmörder,
33 
Und Blut der Schänder der Freiheit floß,
34 
Und hinan im Blute der Räuber hinan
35 
Stürzt', als ein Racheblitz des Rächers,
36 
Mit seinen Treuen Gustav hinan.
37 
Er gedachte seiner Taten,
38 
Da flammte sein Auge von Götterlust,
39 
Seiner Taten vor Gott,
40 
Und Himmelsruhe verklärte sein Angesicht
41 
Und hinan, in seiner Himmelsruhe
42 
Stürzt' an der Spitze der Treuen Gustav hinan
43 
Doch wehe! unter den Treuen
44 
Lauscht' ein Verräter;
45 
Er dachte - der Verräter - den Höllengedanken,
46 
Und - Gustav - sank.
 
47 
Ha! Verräter! Verräter!
48 
Daß in der Todesstunde dein Weib dich
49 
verdamme,
50 
Und wehe! über dich rufen deine Söhne,
51 
Und deine Enkel die Tat ins Ohr dir heulen,
52 
Bis deine Blicke erstarren im Grauen des
53 
Meuchelmords,
54 
Und deine Seele flieht vor den Schrecken der
55 
Ewigkeit.
 
56 
Wir wollten segnen
57 
In deinem Tale, du Herrlicher!
58 
Und schänden die heilige Stätte mit Fluch?
59 
O Gustav! Gustav! vergib,
60 
Vergib den Eifer der Deinen,
61 
Und neige dich freundlich herab vom Gefilde des
62 
Lohns,
63 
Zu den Stimmen des dankenden Lobgesangs.
 
64 
Dank dem Retter der Freiheit!
65 
Dem Richter der Witwenmörder!
66 
Dank dem Sieger bei Lipsia!
67 
Dank dem Sieger am Lechus!
68 
Dank dem Sieger im Todestal!
 
69 
Dank und Ruhm dem Bruder des Schwachen,
70 
Dem gnadelächelnden Sieger!
71 
Dank und Ruhm dem Erwäger des Rechts,
72 
Dem Feind des Erobrers, dem Hasser des Stolzen,
73 
Dem weichen Weiner an Tillys Grab!
74 
Dank und Ruhm und Heil dem Schützer des
75 
Frommen,
76 
Dem Trockner der Märtyrerstränen,
77 
Dem Steurer der Pfaffenwut
 
78 
O Gustav! Gustav!
79 
Es verstummt der Segen der Deinen,
80 
Der Segen des Ewigen lohnet dich nur,
81 
Der donnernde Jubel des Weltgerichts.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (30.8 KB)

Details zum Gedicht „Gustav Adolf“

Anzahl Strophen
7
Anzahl Verse
81
Anzahl Wörter
436
Entstehungsjahr
1770 - 1843
Epoche
Aufklärung,
Empfindsamkeit,
Sturm & Drang

Gedicht-Analyse

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Gustav Adolf“ des Autors Johann Christian Friedrich Hölderlin. Der Autor Johann Christian Friedrich Hölderlin wurde 1770 in Lauffen am Neckar geboren. Im Zeitraum zwischen 1786 und 1843 ist das Gedicht entstanden. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her lässt sich das Gedicht den Epochen Aufklärung, Empfindsamkeit, Sturm & Drang, Klassik, Romantik, Biedermeier oder Junges Deutschland & Vormärz zuordnen. Bei Verwendung der Angaben zur Epoche, prüfe bitte die Richtigkeit der Zurodnung. Die Auswahl der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen und muss daher nicht unbedingt richtig sein. Das Gedicht besteht aus 81 Versen mit insgesamt 7 Strophen und umfasst dabei 436 Worte. Der Dichter Johann Christian Friedrich Hölderlin ist auch der Autor für Gedichte wie „An die Deutschen“, „An die Parzen“ und „An die jungen Dichter“. Zum Autor des Gedichtes „Gustav Adolf“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 181 Gedichte vor.

+ Wie analysiere ich ein Gedicht?

Daten werden aufbereitet

Fertige Biographien und Interpretationen, Analysen oder Zusammenfassungen zu Werken des Autors Johann Christian Friedrich Hölderlin

Wir haben in unserem Hausaufgaben- und Referate-Archiv weitere Informationen zu Johann Christian Friedrich Hölderlin und seinem Gedicht „Gustav Adolf“ zusammengestellt. Diese Dokumente könnten Dich interessieren.

Weitere Gedichte des Autors Johann Christian Friedrich Hölderlin (Infos zum Autor)

Zum Autor Johann Christian Friedrich Hölderlin sind auf abi-pur.de 181 Dokumente veröffentlicht. Alle Gedichte finden sich auf der Übersichtsseite des Autors.