D Wallfaht von Michel Buck

„Loset, Buaba,“ sait der Nähne,
„Wôlli nouf ins Bett uff d Bühne,
Moanamorga in der Fruah
Gôhts ge Kappel num in d Ruah.
Will ma’ d Kinder muschber hau’,
Muaß es mit de Henna gauh’,
Bald in d Ruah und zeitig ouf!
So, jetz gauhnt nu’ d Stiaga nouf!
Wenn ar zennet moanamorga,
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Däaffat er füar d Schleg it sorga.
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Beatet noh da’n Ôbadseaga,
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Nôcha aber stilla gleaga!“
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Aihs dia Buaba denket, schreit er:
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„Heo! Ouf! Jetz gôht as weiter.“
 
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Und ma’ schläuft se wôlli a’,
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Strählt und zwagat, was ma’ ka’,
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Ißt a schwazi Wassersuppa,
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D Muater nimmt noh Schnitz in d Juppa,
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Toilt zletscht Braut und Nuschter ous:
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„So, iahr Buaba, gauhnt voraus!“
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Und sie spritzts noh mit em Wasser
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Ussam Weihkruag. „Buaba, daß er
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D Päter reacht und stilla zället,
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Zumpfer beatet, it so bröllet,
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Gradous laufet auhna Lacha,
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Oder s wearet Humsa bacha!“
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Und ma’ gôht gem Gäßleszau’,
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Wo a Drilla dinn thuat stauh’.
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D Buaba drillet, d Muatar schilt,
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Weil des it füar s Beata gilt.
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Und nô etli wenig Tritt
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Kommt am Esch a Stieglabritt.
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D Buaba klimmet luschtig num,
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Luoget, ob der Nähne komm.
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An der Hagsoul bei de Stanga
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Bleibt er mit em Kittel hanga,
 
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Reißt er nei’ da gräußschta Schlanz
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– Ous isch mit em Rausakranz!
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„Ai, der Donder,“ sait der Nähni,
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„Ai so schla, wia au’gschickt bi’n i,
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S ischt mei’ Hochzeitkittel, ai,
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So oin kauf i nimmermaih!“
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D Buaba kittret nei’ in d Kappa,
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D Muatar schilt: „Sind still, iahr Lappa,
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Lachet zaischt ab uiri Rufa!
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Nähni, launt da Rock verglufa!“
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Und ma’ kommt derweil zum Ranka,
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Wo der Riedgrund fangt a’ schwanka
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Und oin wia’n a Polschter trait.
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Des hôt d Buaba mächtig gfreut,
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Sind sogar im Dreck noh gschliffa.
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„Buaba, muaß ma’n ui gauh’ griffa?
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Daß ui – ! S Schleifa hôt noh gfehlt!“
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Hôt der Nähne wieder gschmält.
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„Buaba, weichet ous, wo Leatta
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Kommt, und thant uff d Seita treata
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Und mit Jeanscht s „Grüeßeischde“ beata,
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Statt im Weag da Dreck verkneata!
 
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Wattet nu’, suscht wead ma’ froscha!
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Zmôl, dô kommet Haselboscha,
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Und der Wunderfitz hôts bissa,
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Höbs au Nuß gea, weant se wissa.
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„Jetz ischt Heu gnua hunta, Tropfa!“
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Sait der Nähne, thuats verklopfa.
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„Ischt ui nix am Beata gleaga,
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Hôt dui Wallfaht wenig Seaga.
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Geant nu’ acht, i will ui wönna,
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Bleibet uffam Weagli hinna!
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Wenn er jetz it folga want,
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Schla i äll drei abanand.
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Däaffet it so bschissa gucka,
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Thuat se oiner noh môl mucka,
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Muaß er abstett ganz alloi’
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Wieder von der Wallfaht hoi’.“
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Saits, und iahri Nuß, dia keit er
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Uff da Weag und schreitat weiter.
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D Buaba beatet nô Befehl,
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Weichet ous, wos naß und häl.
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Kommet jetz zur Traufôich na’,
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S hangt a Sailatafel da’,
 
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S däaff au’beatat neamad num,
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Arme Saila bittet drum.
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Nähne sitzt uffs Bänkle hi’
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Und in d Gauffa stützt er s Ki’,
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Sait: „Jetz knuilet na’, iahr Buaba,
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Denn i muaß a Weili gruaba.“
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Hui! was isch? was thuat so rätscha?
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Sind des it gar Kägarätscha?
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Jô, se sind im Dolder gseassa.
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D Buaba haunt schau’ ällz vergeassa.
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Wo se gucket, Dondschtig schla,
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Hangt au noh a Wedel ra,
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Ischt a’n Ôicher gsei’, o Wunder,
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Und dear gfällt en dô ganz bsonder,
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Leaset wôlli Saua’n ouf,
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Wearfet zua die Tiarla nouf.
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„Halt! it wearfa!“ schmält der Nähne,
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„Denket, Buaba’, au: wo bi’n i?
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Bei ra Sailatafel da’
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Gauhnt so Possa fei’ it a’.“
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Und zum Abschub geit er s Zoicha,
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Laufet wôlli dô dur d Ôicha,
 
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Hairat au’verdanks en Kouder,
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Dear ruckgousat lout und louter.
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D Buaba loset, bleibet stauh’.
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„Haisch dea’ Kouder? au’, au’, au’!“
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Unters Muatars Ofagätter
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Wär s Ruckgousa freili netter.
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Doch se gauhnt und beatet weiter.
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„Halt! a Nußjäg, haisch, dô schreit er,
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Toni, siehscht da’ Jägga fliaga?
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Herrschaft nei’, dea’ sott ma’ kriaga!
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Könnt i schiaßa, ließ i schnappa,
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Des gäb Feadra gnua uff d Kappa.“
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Was ischt uff des Wäu’scha gscheah’?
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D Muatar hôt en Dusla gea’.
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„Beatet, Buaba, laufet zua,
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S ischt so weit noh num in d Ruah.“
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Kommt a Saili het am Weag,
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Drübert duri gôht a Steag.
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Weißi Rausa, geali Rausa
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Haunts bitrüebt in d Auga gstaußa.
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Wia se uffam Brückle stauhnt
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Und ins Wassar guckat haunt,
 
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Seahnet se, - au’ Fuderle! -
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Grad am Sai en Rudel Reh.
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Wia dia äuget, wia dia gucket,
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D Hälsla strecket, nieder ducket
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Und so gschwind sind gschloffa gsei’
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Wia der Blitz in d Räuhe nei’!
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Doch ma’ soll uffs Beata achta
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Und koi’ wealtlis Zuig bitrachta,
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Schreita soll ma’ äll füara’,
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Fleißig beata füar se na’.
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Oi’s môls gôhts in d Dicki nei’,
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Hui, wia isch so fei'schter gsei’!
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S leit a’ Ôdar uff der Bah’,
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D Buaba stauhnt voar Schreacka na’.
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Doch der Nähni in der Naut
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Schlet se mit em Steacka z taut.
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Und ma’ kommt in Tannawald:
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„Hairet au, wia s Beata hallt!“
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„„S beatat koiner,““ sait der Nähne
144 
Vola'n Aerger zua der Söhne,
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„„Wemmi du zum Beata witt,
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Laß mer d Buaba nimma mit!
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Siehscht jô, wia dia Haggerment
 
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Übermachat streitig sind.““
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D Muatar heinat, d Buaba schweiget.
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Wo se dô zum Holz nous steiget,
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Sait der Nähne: „Sind doch gscheit,
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Seahnt ers it, dött kommet Leut?
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Seahnt er dött seall Weiß wia Schnai?
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Buaba, descht der Feadrasai,
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Seall dött Buacha, des dô d Ruah,
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So, jetz laufet wôlli zua!
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Bi’n i reacht mit Zälla dra’,
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Fangt a frischar Psaltner a’.“
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D Muatar beatat lout füra’,
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Geit de Buaba d Gsätzla’n a’.
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Und so kommt ma’ vonna zua
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Denischt endle doch zur Ruah.
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Um dia Kappel vonna, hinta,
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Stauhnt Stuck etli graußi Linda,
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In der Kappel s Gnadabild,
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Wo da’ tautna Heiland mild
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Eusa Frau trait uffam Schaus –
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So isch gmôlat schö’ und grauß.
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Mittla Jesus noh im Gfängnis,
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Rings a mächtigs Tafelbhängnis,
 
171 
Wächsne Heazar, Händ und Füaß,
172 
Beasa, Zöpf und Kruckaspiaß,
173 
Auga, Zäh’ und ällerhand
174 
Votestafla rum um d Wand.
175 
D Buaba haunt dô ällz bitrachtat
176 
Und uff älli Gmäler gachtat.
177 
Michla weads uff oi’môl waih
178 
Und sei’ Nasa kalt wia Schnai.
179 
D Muater ischt glei bsonna gsei’:
180 
„Nähni, gschwind da Brenntawei’!“
181 
Sait der Nähni: „Büable, zuih!
182 
Freili, freili, seit am drui
183 
Heuntamorga isch as lang
184 
Und füar Kinder weit der Gang,
185 
Pate füar so Schnôka, jô,
186 
Wia dear übelgsichtig dô.
187 
Eusa Toni, dear Pandur,
188 
Broucht koin Schnaps und koi Mixtur,
189 
Hôt en Leib au bläht und dick,
190 
Nearva dinn wia d Batzastrick.
191 
Aber Michel muaß oin doura,
192 
So a Häa’li geit koin Boura,
193 
Höchschtens, daß man, wenns reacht ma’,
194 
Zumma Hearra broucha ka’.“
 
195 
Nô em Beata thuat ma’ gruaba.
196 
D Muatar sait: „Dô, guckat, Buaba,
197 
Haunt er Braut und Oepfelschnitz,
198 
S nimmt da Duscht bei so ra’ Hitz.“
199 
Zletschta thuat ma’ wieder beata
200 
Und da’ Hoi’weag au betreata.
201 
Hintram Holz, dô stôht a Weattar,
202 
Wia verschreacket dô dia Beatar!
203 
Hui, wia haunt dia Buaba glosat,
204 
Wo der Wald so schnöllt und tosat.
205 
Wia’n es reacht fangt z durnet a’,
206 
Schlupfet äll an d Muatar na’,
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Seahnet koini Vögel fliaga,
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Weant au koini Feadra kriaga,
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Gäb men Nussa ganze Säck,
210 
Uß de Boscha Goißelstöck,
211 
Aid- und Brau’- und Hoidelbeera
212 
Und dergleicha zum Verzehra,
213 
Was ma’ nu’ verdenka ma’,
214 
O, si bsächtet nuintz maih a’.
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Nähne sait: „Am Holz dôhinta,
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Thant de Eusri Garba binda,
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Und mer könnet, denk i, gauh’
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Bei de Binder unterstauh’.
 
219 
Wearet wohl schau’ Schöber macha,
220 
Wo se s Weatter hairet kracha,
221 
Jô, mer schlupfet Grauß und Klei’
222 
Mit en au in d Garba nei’.“
223 
Saits und lauft der Grede nô.
224 
Endli scheints dur d Ôicha grô,
225 
Sieht ma’ wieder nous in d Wealt
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Und uff eusa Ackerfeald.
227 
D Binder winket, d Buaba rennet
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Gegem Schober, was se könnet,
229 
Schlupfet unter d Garba na.
230 
„Jetz ka’s ranga oder schla,“
231 
Saget se im Übermuat,
232 
Bis en reachta Durnsklapf thuat.
233 
Ällz macht s Kreuz, und wos so blitzet,
234 
Beatet d Buaba, daß se schwitzet.
235 
Endle geit des Weatter nô,
236 
Wead der Himmal wieder blô.
237 
O wia frauh sind d Buaba gsei’
238 
Und wia ätig hintadrei’!
239 
Gwis, se wöllet nimma lacha,
240 
Wemma’ thäar a Wallfaht macha.
241 
„So, iahr Schlinkel,“ sait der Nähne,
242 
Und er blinzlat num zuar Söhne,
 
243 
„Haunt er jetz da Moischter funda?
244 
S Weattar, hi’, des hôt ui zunda?
245 
Jô, des ka’ flatturisch schwätza,
246 
S kommt nôh öfter nô meim Schätza!
247 
O, i hairs ganz deutle spreacha:
248 
Buaba, biaga oder breacha!“

Details zum Gedicht „D Wallfaht“

Autor
Michel Buck
Anzahl Strophen
12
Anzahl Verse
248
Anzahl Wörter
1400
Entstehungsjahr
bis 1888
Epoche
Realismus,
Naturalismus

Gedicht-Analyse

Michel Buck ist der Autor des Gedichtes „D Wallfaht“. Buck wurde im Jahr 1832 in Ertingen, Oberamt Riedlingen geboren. Die Entstehungszeit des Gedichtes geht auf das Jahr 1888 zurück. Stuttgart ist der Erscheinungsort des Textes. Die Entstehungszeit des Gedichtes bzw. die Lebensdaten des Autors lassen eine Zuordnung zu den Epochen Realismus oder Naturalismus zu. Vor Verwendung der Angaben zur Epoche, prüfe bitte die Richtigkeit. Die Zuordnung der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen und daher anfällig für Fehler. Das Gedicht besteht aus 248 Versen mit insgesamt 12 Strophen und umfasst dabei 1400 Worte. Michel Buck ist auch der Autor für Gedichte wie „Am sechsta Meza anna 83ge“, „An der Gmoi’dszuga“ und „Auf den Tod meines lieben Söhnleins Hermann“. Zum Autor des Gedichtes „D Wallfaht“ haben wir auf abi-pur.de weitere 55 Gedichte veröffentlicht.

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