Der Eislauf von Friedrich Gottlieb Klopstock

Vergraben ist in ewige Nacht
Der Erfinder großer Name zu oft!
Was ihr Geist grübelnd entdeckt, nutzen wir;
Aber belohnt Ehre sie auch?
 
Wer nannte dir den kühneren Mann,
Der zuerst am Maste Segel erhob?
Ach, verging selber der Ruhm dessen nicht,
Welcher dem Fuß Flügel erfand!
 
Und sollte der unsterblich nicht sein,
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Der Gesundheit uns und Freuden erfand,
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Die das Roß mutig im Lauf niemals gab,
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Welche der Reihn selber nicht hat?
 
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Unsterblich ist mein Name dereinst!
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Ich erfinde noch dem schlüpfenden Stahl
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Seinen Tanz! Leichteres Schwungs fliegt er hin,
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Kreiset umher, schöner zu sehn.
 
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Du kennest jeden reizenden Ton
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Der Musik, drum gib dem Tanz Melodie!
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Mond und Wald höre den Schall ihres Horns,
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Wenn sie des Flugs Eile gebeut.
 
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O Jüngling, der den Wasserkothurn
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Zu beseelen weiß, und flüchtiger tanzt,
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Laß der Stadt ihren Kamin! Komm mit mir,
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Wo des Krystalls Ebne dir winkt!
 
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Sein Licht hat er in Düfte gehüllt,
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Wie erhellt des Winters werdender Tag
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Sanft den See! Glänzenden Reif, Sternen gleich,
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Streute die Nacht über ihn aus.
 
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Wie schweigt um uns das weiße Gefild!
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Wie ertönt vom jungen Froste die Bahn!
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Fern verrät deines Kothurns Schall dich mir,
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Wenn du dem Blick, Flüchtling, enteilst.
 
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Wir haben doch zum Schmause genung
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Von des Halmes Frucht? und Freuden des Weins?
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Winterluft reizt die Begier nach dem Mahl;
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Flügel am Fuß reizen sie mehr!
 
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Zur Linken wende du dich, ich will
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Zu der Rechten hin halbkreisend mich drehn;
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Nimm den Schwung, wie du mich ihn nehmen
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siehst:
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Also! nun fleug schnell mir vorbei!
 
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So gehen wir den schlängelnden Gang
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An dem langen Ufer schwebend hinab.
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Künstle nicht! Stellung, wie die, lieb ich nicht,
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Zeichnet dir auch Preisler nicht nach.
 
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Was horchst du nach der Insel hinauf?
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Unerfahrne Läufer tönen dort her!
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Huf und Last gingen noch nicht übers Eis,
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Netze noch nicht unter ihm fort.
 
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Sonst späht dein Ohr ja alles; vernimm,
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Wie der Todeston wehklagt auf der Flut!
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O, wie tönts anders, wie hallts, wenn der Frost
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Meilen hinab spaltet den See!
 
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Zurück! laß nicht die schimmernde Bahn
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Dich verführen, weg vom Ufer zu gehn!
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Denn, wo dort Tiefen sie deckt, strömts vielleicht,
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Sprudeln vielleicht Quellen empor.
 
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Den ungehörten Wogen entströmt,
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Dem geheimen Quell entrieselt der Tod.
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Glittst du auch leicht, wie dies Laub, ach, dorthin,
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Sänkest du doch, Jüngling, und stürbst!
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (29.4 KB)

Details zum Gedicht „Der Eislauf“

Anzahl Strophen
15
Anzahl Verse
61
Anzahl Wörter
386
Entstehungsjahr
1724 - 1803
Epoche
Empfindsamkeit

Gedicht-Analyse

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Der Eislauf“ des Autors Friedrich Gottlieb Klopstock. Der Autor Friedrich Gottlieb Klopstock wurde 1724 in Quedlinburg geboren. Zwischen den Jahren 1740 und 1803 ist das Gedicht entstanden. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her lässt sich das Gedicht der Epoche Empfindsamkeit zuordnen. Bei dem Schriftsteller Klopstock handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epoche. Das 386 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 61 Versen mit insgesamt 15 Strophen. Weitere Werke des Dichters Friedrich Gottlieb Klopstock sind „Die Wahl“, „Die Waage“ und „Sie“. Zum Autor des Gedichtes „Der Eislauf“ haben wir auf abi-pur.de weitere 65 Gedichte veröffentlicht.

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