Die höheren Stufen von Friedrich Gottlieb Klopstock

Oft bin ich schon im Traume dort, wo wir länger nicht
träumen.
Auf dem Jupiter war, eilet' ich jetzt
In Gefilde, wie sonst niemals mein Auge sah?
Nie Gedanken mir bildeten.
 
Rings um mich war mehr Anmut, als an dem Wald'
und dem Strome
Auf der Erd ist. Auch quoll Feuer herab
Von Gebirgen, doch wars mildere Glut, die sich
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Morgenrötlich ins Tal ergoß.
 
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Wolken schwanden vor mir; und ich sahe lebende
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Wesen
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Sehr verschiedner Gestalt. Jede Gestalt
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Wurd' oft anders; es schien, daß sie an Schönheit
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sich
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Übertraf, wenn sie änderte.
 
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Dieser Unsterblichen Leib glich heiteren Düften, aus
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denen
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Sanfter Schimmer sich goß, ähnlich dem Blick
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Des, der Wahres erforscht, oder, Erfindung, sich
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Deiner seligen Stunde freut.
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Manchmal ahmten sie nach Ansichten des
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Wonnegefildes,
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Wenn sie neue Gestalt wurden. Die sank,
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Zur Erquickung, auch wohl dann in das Feuer hin,
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Das dem Haupte der Berg' entrann.
 
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Sprachen vielleicht die Unsterblichen durch die
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geänderte Bildung?
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War es also; wie viel konnten sie dann
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Sagen, welches Gefühl! redeten sie von Gott;
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Welcher Freuden Ergießungen!
 
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Forschend betrachtet' ich lang die erhabnen Wesen,
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die ringsher
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Mich umgaben. Itzt stand nah mir ein Geist,
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Eingehüllet in Glanz, menschlicher Bildung,
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sprach
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Tönend, wie noch kein Laut mir scholl:
 
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Diese sind Bewohner des Jupiter. Aber es wallen
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Drei von ihnen nun bald scheidend hinauf
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Zu der Sonne. Denn oft steigen wir Glücklichen
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Höher, werden dann glücklicher.
 
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Sprachs, und zwischen den auf und untergehenden
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Monden
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Schwebten die Scheidenden schon freudig empor.
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Jener, welcher mit mir redete, folgt'; und ich
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Sah erwachend den Abendstern.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (27.4 KB)

Details zum Gedicht „Die höheren Stufen“

Anzahl Strophen
8
Anzahl Verse
46
Anzahl Wörter
256
Entstehungsjahr
1724 - 1803
Epoche
Empfindsamkeit

Gedicht-Analyse

Friedrich Gottlieb Klopstock ist der Autor des Gedichtes „Die höheren Stufen“. Geboren wurde Klopstock im Jahr 1724 in Quedlinburg. Die Entstehungszeit des Gedichtes liegt zwischen den Jahren 1740 und 1803. Das Gedicht lässt sich an Hand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her der Epoche Empfindsamkeit zuordnen. Bei dem Schriftsteller Klopstock handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epoche. Das Gedicht besteht aus 46 Versen mit insgesamt 8 Strophen und umfasst dabei 256 Worte. Weitere Werke des Dichters Friedrich Gottlieb Klopstock sind „Losreißung“, „Die Wahl“ und „Die Waage“. Zum Autor des Gedichtes „Die höheren Stufen“ haben wir auf abi-pur.de weitere 65 Gedichte veröffentlicht.

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