Sprich aus der Ferne von Clemens Brentano

Sprich aus der Ferne
Heimliche Welt,
Die sich so gerne
Zu mir gesellt.
 
Wenn das Abendrot niedergesunken,
Keine freudige Farbe mehr spricht,
Und die Kränze stilleuchtender Funken
Die Nacht um die schattigte Stirne flicht:
 
Wehet der Sterne
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Heiliger Sinn
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Leis durch die Ferne
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Bis zu mir hin.
 
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Wenn des Mondes still lindernde Tränen
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Lösen der Nächte verborgenes Weh;
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Dann wehet Friede. In goldenen Kähnen
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Schiffen die Geister im himmlischen See.
 
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Glänzender Lieder
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Klingender Lauf
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Ringelt sich nieder,
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Wallet hinauf.
 
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Wenn der Mitternacht heiliges Grauen
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Bang durch die dunklen Wälder hinschleicht,
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Und die Büsche gar wundersam schauen,
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Alles sich finster tiefsinnig bezeugt:
 
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Wandelt im Dunkeln
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Freundliches Spiel,
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Still Lichter funkeln
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Schimmerndes Ziel.
 
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Alles ist freundlich wohlwollend verbunden,
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Bietet sich tröstend und traurend die Hand,
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Sind durch die Nächte die Lichter gewunden,
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Alles ist ewig im Innern verwandt.
 
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Sprich aus der Ferne
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Heimliche Welt,
35 
Die sich so gerne
36 
Zu mir gesellt.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (26.3 KB)

Details zum Gedicht „Sprich aus der Ferne“

Anzahl Strophen
9
Anzahl Verse
36
Anzahl Wörter
149
Entstehungsjahr
1804
Epoche
Romantik

Gedicht-Analyse

Der Autor des Gedichtes „Sprich aus der Ferne“ ist Clemens Brentano. Geboren wurde Brentano im Jahr 1778 in Ehrenbreitstein (Koblenz). Das Gedicht ist im Jahr 1804 entstanden. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her lässt sich das Gedicht der Epoche Romantik zuordnen. Der Schriftsteller Brentano ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche.

Als Romantik wird die Epoche der Kunstgeschichte bezeichnet, deren Ausprägungen sich sowohl in der Literatur, Kunst und Musik als auch in der Philosophie niederschlugen. Die Epoche der Romantik lässt sich vom Ende des 18. Jahrhunderts bis ins späte 19. Jahrhundert verorten. Die literarische Romantik kann darauf aufbauend etwa auf die Jahre 1795 bis 1848 zeitlich eingeordnet werden. Bis in das Jahr 1804 hinein spricht man in der Literatur von der Frühromantik, bis 1815 von der Hochromantik und bis 1848 von der Spätromantik. Die Welt, die sich durch die einsetzende Verstädterung und Industrialisierung mehr und mehr veränderte, verunsicherte die Menschen. Die Französische Revolution in den Jahren 1789 bis 1799 hatte ebenfalls bedeutende Auswirkungen auf die Romantik. Als Merkmale der Romantik sind die Weltflucht, die Verklärung des Mittelalters, die Hinwendung zur Natur, die Betonung subjektiver Gefühle und des Individuums, der Rückzug in Fantasie- und Traumwelten oder die Faszination des Unheimlichen aufzuführen. Wichtige Symbole der Romantik sind die Blaue Blume oder das Spiegel- und Nachtmotiv. Die Romantik stellt die Freiheit der Phantasie sowohl über die Form als auch über den Inhalt des Werkes. Eine Konsequenz daraus ist ein Verschwimmen der Grenzen zwischen Lyrik und Epik. Die festen Regeln und Ziele der Klassik werden in der Romantik zurückgelassen. Eine gewisse Maß- und Regellosigkeit in den Werken ist zu beobachten.

Das Gedicht besteht aus 36 Versen mit insgesamt 9 Strophen und umfasst dabei 149 Worte. Weitere Werke des Dichters Clemens Brentano sind „O Traum der Wüste, Liebe, endlos Sehnen“, „Was reif in diesen Zeilen steht“ und „Wenn der lahme Weber träumt, er webe“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Sprich aus der Ferne“ weitere 287 Gedichte vor.

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