Lustige Musikanten von Joseph von Eichendorff

Der Wald, der Wald! daß Gott ihn grün erhalt,
Gibt gut Quartier und nimmt doch nichts dafür.
 
Zum grünen Wald wir Herberg halten,
Denn Hoffart ist nicht unser Ziel,
Im Wirtshaus, wo wir nicht bezahlten,
Es war der Ehre gar zuviel.
Der Wirt, er wollt uns gar nicht lassen,
Sie ließen Kann und Kartenspiel,
Die ganze Stadt war in den Gassen,
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Und von den Bänken mit Gebraus
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Stürzt' die Schule heraus,
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Wuchs der Haufe von Haus zu Haus,
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Schwenkt' die Mützen und jubelt' und wogt',
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Der Hatschier, die Stadtwacht, der Bettelvogt,
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Wie wenn ein Prinz zieht auf die Freit,
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Gab alles, alles uns fürstlich Geleit.
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Wir aber schlugen den Markt hinab
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Uns durch die Leut mit dem Wanderstab,
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Und hoch mit dem Tamburin, daß es schallt'
 
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Zum Wald, zum Wald, zum schonen, grünen Wald!
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Und da nun alle schlafen gingen,
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Der Wald steckt' seine Irrlicht' an,
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Die Frösche tapfer Ständchen bringen,
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Die Fledermaus schwirrt leis voran,
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Und in dem Fluß auf feuchtem Steine
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Gähnt laut der alte Wassermann,
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Strählt sich den Bart im Mondenscheine,
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Und fragt ein Irrlicht, wer wir sind?
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Das aber duckt sich geschwind;
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Denn über ihn weg im Wind
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Durch die Wipfel der wilde Jäger geht,
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Und auf dem alten Turm sich dreht
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Und kräht der Wetterhahn uns nach:
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Ob wir nicht einkehrn unter sein Dach?
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O Gockel, verfallen ist ja dein Haus,
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Es sieht die Eule zum Fenster heraus,
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Und aus allen Toren rauschet der Wald.
 
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Der Wald, der Wald, der schöne, grüne Wald!
 
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Und wenn wir müd einst, sehn wir blinken
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Eine goldne Stadt still überm Land,
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Am Tor Sankt Peter schon tut winken:
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»Nur hier herein, Herr Musikant!«
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Die Engel von den Zinnen fragen,
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Und wie sie uns erst recht erkannt,
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Sie gleich die silbernen Pauken schlagen,
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Sankt Peter selbst die Becken schwenkt,
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Und voll Geigen hängt
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Der Himmel, Cäcilia an zu streichen fängt,
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Dazwischen Hoch vivat! daß es prasselt und pufft,
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Werfen die andern vom Wall in die Luft
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Sternschnuppen, Kometen,
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Gar prächtige Raketen
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Versengen Sankt Peter den Bart, daß er lacht,
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Und wir ziehen heim, schöner Wald, gute Nacht!
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (27.8 KB)

Details zum Gedicht „Lustige Musikanten“

Anzahl Strophen
5
Anzahl Verse
54
Anzahl Wörter
347
Entstehungsjahr
1788 - 1857
Epoche
Romantik

Gedicht-Analyse

Joseph von Eichendorff ist der Autor des Gedichtes „Lustige Musikanten“. Im Jahr 1788 wurde Eichendorff geboren. Im Zeitraum zwischen 1804 und 1857 ist das Gedicht entstanden. Anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her kann der Text der Epoche Romantik zugeordnet werden. Bei Eichendorff handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epoche.

Als Romantik wird die Epoche der Kunstgeschichte bezeichnet, deren Ausprägungen sich sowohl in der Literatur, Kunst und Musik als auch in der Philosophie niederschlugen. Die Epoche der Romantik lässt sich vom Ende des 18. Jahrhunderts bis ins späte 19. Jahrhundert verorten. Die literarische Romantik kann darauf aufbauend etwa auf die Jahre 1795 bis 1848 datiert werden. Die Literaturepoche der Romantik (ca. 1795–1848) lässt sich in Frühromantik (bis 1804), Hochromantik (bis 1815) und Spätromantik (bis 1848) aufgliedern. Die Literaturepoche der Romantik entstand in Folge politischer Krisen und gesellschaftlicher Umbrüche. Im gesamten Europa fand ein Übergang von der feudalen zur bürgerlichen Gesellschaft statt. Gleichzeitig bildete sich ein bürgerliches Selbstbewusstsein heraus. Industrialisierung und technologischer Fortschritt sind prägend für diese Zeit. Bedeutende Motive in der Lyrik der Romantik sind die Ferne und Sehnsucht sowie das Gefühl der Heimatlosigkeit. Andere Motive sind das Fernweh, die Todessehnsucht oder das Nachtmotiv. So symbolisierte die Nacht nicht nur die Dunkelheit, sondern auch das Geheimnisvolle, Mysteriöse und galt als Quelle der Liebe. Typische Merkmale der Romantik sind die Hinwendung zur Natur, die Weltflucht oder der Rückzug in Traumwelten. Insbesondere ist aber auch die Idealisierung des Mittelalters aufzuzeigen. Kunst und Architektur des Mittelalters wurden von den Vertretern der Romantik wieder geschätzt. Die Stilepoche kennzeichnet sich vor allem durch offene Formen in Gedichten und Texten. Phantasie ist für die Romantiker das Maß aller Dinge. Die Trennung zwischen Poesie und Wissenschaft, zwischen Traum und Wirklichkeit soll durchbrochen werden. Die Romantiker streben eine Verschmelzung von Kunst und Literatur an. Ihr Ziel ist es letztlich, alle Lebensbereiche zu poetisieren.

Das Gedicht besteht aus 54 Versen mit insgesamt 5 Strophen und umfasst dabei 347 Worte. Der Dichter Joseph von Eichendorff ist auch der Autor für Gedichte wie „In Danzig“, „Kurze Fahrt“ und „Lied“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Lustige Musikanten“ weitere 391 Gedichte vor.

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