Der irre Spielmann von Joseph von Eichendorff

Aus stiller Kindheit unschuldiger Hut
Trieb mich der tolle, frevelnde Mut.
Seit ich da draußen so frei nun bin,
Find ich nicht wieder nach Hause mich hin.
 
Durchs Leben jag ich manch trügrisch Bild,
Wer ist der Jäger da? wer ist das Wild?
Es pfeift der Wind mir schneidend durchs Haar,
Ach Welt, wie bist du so kalt und klar!
 
Du frommes Kindlein im stillen Haus,
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Schau nicht so lüstern zum Fenster hinaus!
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Frag mich nicht, Kindlein, woher und wohin?
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Weiß ich doch selber nicht, wo ich bin!
 
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Von Sünde und Reue zerrissen die Brust,
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Wie rasend in verzweifelter Lust,
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Brech ich im Fluge mir Blumen zum Strauß,
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Wird doch kein fröhlicher Kranz daraus!
 
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Ich möcht in den tiefsten Wald wohl hinein,
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Recht aus der Brust den Jammer zu schrein,
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Ich möchte reiten ans Ende der Welt,
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Wo der Mond und die Sonne hinunterfällt.
 
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Wo schwindelnd beginnt die Ewigkeit,
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Wie ein Meer, so erschrecklich still und weit,
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Da sinken all Ström und Segel hinein,
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Da wird es wohl endlich auch ruhig sein.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (24.9 KB)

Details zum Gedicht „Der irre Spielmann“

Anzahl Strophen
6
Anzahl Verse
24
Anzahl Wörter
172
Entstehungsjahr
1788 - 1857
Epoche
Romantik

Gedicht-Analyse

Der Autor des Gedichtes „Der irre Spielmann“ ist Joseph von Eichendorff. 1788 wurde Eichendorff geboren. Im Zeitraum zwischen 1804 und 1857 ist das Gedicht entstanden. Das Gedicht lässt sich an Hand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her der Epoche Romantik zuordnen. Bei dem Schriftsteller Eichendorff handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epoche.

Vom Ende des 18. Jahrhunderts bis in das 19. Jahrhundert hinein dauerte die kulturgeschichtliche Epoche der Romantik an. Ihre Auswirkungen waren in der Literatur, der Kunst aber auch der Philosophie und Musik spürbar. Die Romantik kann in drei Phasen unterteilt werden: Frühromantik (bis 1804), Hochromantik (bis 1815) und Spätromantik (bis 1848). Die Literaturepoche der Romantik entstand in Folge politischer Krisen und gesellschaftlicher Umbrüche. In ganz Europa fand ein Übergang von der feudalen zur bürgerlichen Gesellschaft statt. Gleichzeitig bildete sich ein bürgerliches Selbstbewusstsein heraus. Technologischer Fortschritt und Industrialisierung sind prägend für diese Zeit. Wesentliche Motive in der Lyrik der Romantik sind die Ferne und Sehnsucht sowie das Gefühl der Heimatlosigkeit. Andere Motive sind das Fernweh, das Nachtmotiv oder die Todessehnsucht. So symbolisierte die Nacht nicht nur die Dunkelheit, sondern auch das Geheimnisvolle, Mysteriöse und galt als Ursprung der Liebe. Typische Merkmale der Romantik sind die Hinwendung zur Natur, die Weltflucht oder der Rückzug in Traumwelten. Insbesondere ist aber auch die Idealisierung des Mittelalters aufzuzeigen. Kunst und Architektur des Mittelalters wurden von den Romantikern wieder geschätzt. Die äußere Form von romantischer Literatur ist völlig offen. Kein starres Schema grenzt die Literatur ein. Dies steht ganz im Gegensatz zu den strengen Normen der Klassik. In der Romantik entstehen erstmals Sammlungen so genannter Volkspoesie. Bekannte Beispiele dafür sind Grimms Märchen und die Liedersammlung Des Knaben Wunderhorn. Doch bereits direkt nach Erscheinen der Werke wurde die literarische Bearbeitung (Schönung) durch die Autoren kritisiert, die damit ihre Rolle als Chronisten weit hinter sich ließen.

Das 172 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 24 Versen mit insgesamt 6 Strophen. Joseph von Eichendorff ist auch der Autor für Gedichte wie „Abschied“, „Antwort“ und „Auch ein Gedicht?“. Zum Autor des Gedichtes „Der irre Spielmann“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 391 Gedichte vor.

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