Die Haimonskinder von Joseph von Eichendorff

Auf feur'gem Rosse kommt Bacchus daher,
Den Becher hoch in der Hand
Sein Rößlein wird wild, sein Kopf ist ihm schwer,
Er verschüttet den Wein auf das Land.
 
Den Dichter erbarmet der Rebensaft
In den Bügel er kühn sich stellt
Und trinkt mit dem Gotte Brüderschaft
Nun geht's erst, als ging's aus der Welt!
 
»Ei, sieh da, so einsam, Herr Komponist!
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Steig auf mit, 's ist schad um die Schuh,
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Du löst erst die Schwinge - und wo keine ist,
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Da mach uns die Flügel dazu!«
 
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Und was sie ersonnen nun, singen die drei.
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»O weh!« ruft ein Sänger herauf,
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»Ihr schreit ja die köstlichsten Noten entzwei!«
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Und schwingt zu den dreien sich auf.
 
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Nun setzt der Tonkünstler, skandiert der Poet,
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Der Sänger gibt himmlischen Schall
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Es lächelt Herr Bacchus: »Wahrhaftig, das geht,
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Und 's Trinken verstehen sie all.«
 
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Und wie sie nun alle beisammen sind,
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Hebt's sachte die seligen Leut,
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Es wachsen dem Rosse zwei Schwingen geschwind
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Und überfliegen die Zeit.
Arbeitsblatt zum Gedicht
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Details zum Gedicht „Die Haimonskinder“

Anzahl Strophen
6
Anzahl Verse
24
Anzahl Wörter
162
Entstehungsjahr
1788 - 1857
Epoche
Romantik

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Die Haimonskinder“ stammt aus der Feder des Autors bzw. Lyrikers Joseph von Eichendorff. Der Autor Joseph von Eichendorff wurde 1788 geboren. Die Entstehungszeit des Gedichtes liegt zwischen den Jahren 1804 und 1857. Das Gedicht lässt sich an Hand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her der Epoche Romantik zuordnen. Bei dem Schriftsteller Eichendorff handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epoche.

Die Romantik ist eine Epoche der Kulturgeschichte, zeitlich anzusiedeln vom späten 18. Jahrhundert bis tief in das 19. Jahrhundert hinein. Auf die Literatur bezogen: von 1795 bis 1848. Sie hatte umfangreiche Auswirkungen auf Literatur, Kunst, Musik und Philosophie jener Zeit. Die Literaturepoche der Romantik (ca. 1795–1848) lässt sich in Frühromantik (bis 1804), Hochromantik (bis 1815) und Spätromantik (bis 1848) aufgliedern. Die Welt, die sich durch die einsetzende Industrialisierung und Verstädterung mehr und mehr veränderte, verunsicherte die Menschen. Die Französische Revolution in den Jahren 1789 bis 1799 hatte ebenfalls bedeutende Auswirkungen auf die Romantik. In der Romantik finden sich verschiedene charakteristische Motivkreise. Sehnsucht und Liebe (Blaue Blume) oder das Unheimliche (Spiegelmotiv) sind bedeutende zu benennende Motive. Aber auch politische Motive wie Weltflucht, Nationalismus und Gesellschaftskritik lassen sich aufzeigen. Das Mittelalter gilt bei den Romantikern als Ideal und wird verherrlicht. Übel und Missstände des Mittelalters bleiben unbeachtet. Die Romantik stellt die Freiheit der Phantasie sowohl über die Form als auch über den Inhalt des Werkes. Eine Konsequenz daraus ist ein Verschwimmen der Grenzen zwischen Lyrik und Epik. Die starren Regeln und Ziele der Klassik werden in der Romantik zurückgelassen. Eine gewisse Maß- und Regellosigkeit in den Werken ist zu beobachten.

Das vorliegende Gedicht umfasst 162 Wörter. Es baut sich aus 6 Strophen auf und besteht aus 24 Versen. Joseph von Eichendorff ist auch der Autor für Gedichte wie „Auch ein Gedicht?“, „Der Isegrimm“ und „Der verliebte Reisende“. Zum Autor des Gedichtes „Die Haimonskinder“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 391 Gedichte vor.

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