Nachtfeier von Joseph von Eichendorff

Decket Schlaf die weite Runde,
Muß ich oft am Fenster lauschen,
Wie die Ströme unten rauschen,
Räder sausen kühl im Grunde,
Und mir ist so wohl zur Stunde;
Denn hinab vom Felsenrande
Spür ich Freiheit, uralt Sehnen,
Fromm zerbrechend alle Bande,
Über Wälder, Strom und Lande
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Keck die großen Flügel dehnen.
 
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Was je Großes brach die Schranken,
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Seh ich durch die Stille gehen,
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Helden auf den Wolken stehen,
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Ernsten Blickes, ohne Wanken,
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Und es wollen die Gedanken
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Mit den guten Alten hausen,
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Sich in ihr Gespräch vermischen,
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Das da kommt in Waldesbrausen.
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Manchem füllt's die Brust mit Grausen,
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Mich soll's laben und erfrischen!
 
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Tag und Regung war entflohen,
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Übern See nur kam Geläute
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Durch die monderhellte Weite,
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Und rings brannten auf den hohen
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Alpen still die bleichen Lohen,
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Ew'ge Wächter echter Weihe,
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Als, erhoben vom Verderben
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Und vom Jammer, da die dreie
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Einsam traten in das Freie,
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Frei zu leben und zu sterben.
 
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Und so wachen heute viele
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Einsam über ihrem Kummer;
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Unerquickt von falschem Schlummer,
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Aus des Wechsels wildem Spiele
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Schauend fromm nach einem Ziele.
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Durch die öde, stumme Leere
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Fühl ich mich euch still verbündet;
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Ob der Tag das Recht verkehre,
39 
Ewig strahlt der Stern der Ehre,
40 
Kühn in heil'ger Nacht entzündet.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (26.5 KB)

Details zum Gedicht „Nachtfeier“

Anzahl Strophen
4
Anzahl Verse
40
Anzahl Wörter
204
Entstehungsjahr
1810
Epoche
Romantik

Gedicht-Analyse

Joseph von Eichendorff ist der Autor des Gedichtes „Nachtfeier“. 1788 wurde Eichendorff geboren. Entstanden ist das Gedicht im Jahr 1810. Auf Grund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors kann der Text der Epoche Romantik zugeordnet werden. Eichendorff ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche.

Die Romantik ist eine Epoche der Kunstgeschichte, die vom Ende des 18. Jahrhunderts bis ins späte 19. Jahrhundert hinein die Literatur, Musik, Kunst und Philosophie prägte. Auf die Literatur beschränkt betrachtet reichen die Auswirkungen der Epoche lediglich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts hinein. Bis in das Jahr 1804 hinein spricht man in der Literatur von der Frühromantik, bis 1815 von der Hochromantik und bis 1848 von der Spätromantik. Die Zeit der Romantik war für die Menschen in Europa von bedeutenden Umbrüchen geprägt. Die Französische Revolution (1789 - 1799) zog weitreichende Folgen für ganz Europa nach sich. Auch der Fortschritt in Technik und Wissenschaft, der den Beginn des industriellen Zeitalters einläutete, verunsicherte die Menschen und prägte die Gesellschaft. In der Romantik gilt das Mittelalter als das Ideal und wird verherrlicht. Die Kunst und Architektur der Zeit des Mittelalters werden geschätzt, gepflegt und gesammelt. Missstände dieser Zeit bleiben außen vor und scheinen bei den Schriftstellern in Vergessenheit geraten zu sein. So ist die Verklärung des Mittelalters ein zentrales Merkmal der Romantik. Außerdem sind die Weltflucht, die Hinwendung zur Natur und die romantische Ironie weitere zentrale Merkmale dieser Epoche. Die Grundthemen waren Seele, Gefühle, Individualität und Leidenschaft. In der Literatur wurden diese Themen unter anderem durch Motive der Sehnsucht, Todessehnsucht, Fernweh oder Einsamkeit in der Fremde ausgedrückt. Die Romantik stellt die Freiheit der Phantasie sowohl über die Form als auch über den Inhalt des Werkes. Eine Konsequenz daraus ist ein Verschwimmen der Grenzen zwischen Lyrik und Epik. Die festen Regeln und Ziele der Klassik werden in der Romantik zurückgelassen. Eine gewisse Maß- und Regellosigkeit in den Werken fällt auf.

Das vorliegende Gedicht umfasst 204 Wörter. Es baut sich aus 4 Strophen auf und besteht aus 40 Versen. Joseph von Eichendorff ist auch der Autor für Gedichte wie „Antwort“, „Auch ein Gedicht?“ und „Der Isegrimm“. Zum Autor des Gedichtes „Nachtfeier“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 391 Gedichte vor.

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