Das Zaubernetz von Joseph von Eichendorff

Fraue, in den blauen Tagen
Hast ein Netz du ausgehangen,
Zart gewebt aus seidnen Haaren,
Süßen Worten, weißen Armen.
 
Und die blauen Augen sprachen,
Da ich waldwärts wollte jagen
»Zieh mir, Schöner, nicht von dannen!«
Ach, da war ich dein Gefangner!
 
Hörst du nun den Frühling laden?
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Jägers Waldhorn geht im Walde,
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Lockend grüßen bunte Flaggen,
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Nach dem Sänger alle fragen.
 
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Ach, von euch, ihr Frühlingsfahnen,
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Kann ich, wie von dir, nicht lassen!
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Reisen in den blauen Tagen
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Muß der Sänger mit dem Klange.
 
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Flügel hat, den du gefangen
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Alle Schlingen müssen lassen
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Und er wird dir weggetragen,
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Wenn die ersten Lerchen sangen.
 
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Liebst du, treu dem alten Sange
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Wie dem Sänger, mich wahrhaftig:
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Laß dein Schloß, den schönen Garten,
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Führ dich heim in Waldesprachten!
 
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Auf dem Zelter sollst du prangen,
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Um die schönen Glieder schlanke
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Seide, himmelblau, gespannet,
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Als ein süßgeschmückter Knabe.
 
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Und der Jäger sieht uns fahren,
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Und er läßt das Wild, das Jagen,
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Will nun ewig mit uns wandern
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Mit dem frischen Hörnerklange.
 
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Wer von uns verführt den andern,
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Ob es deine Augen taten,
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Meine Laut', des Jägers Blasen?
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Ach, wir können's nicht erraten;
 
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Aber um uns drei zusammen
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Wird der Lenz im grünen Walde
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Wohl ein Zaubernetze schlagen,
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Dem noch keiner je entgangen.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (26.7 KB)

Details zum Gedicht „Das Zaubernetz“

Anzahl Strophen
10
Anzahl Verse
40
Anzahl Wörter
207
Entstehungsjahr
1788 - 1857
Epoche
Romantik

Gedicht-Analyse

Joseph von Eichendorff ist der Autor des Gedichtes „Das Zaubernetz“. 1788 wurde Eichendorff geboren. In der Zeit von 1804 bis 1857 ist das Gedicht entstanden. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her lässt sich das Gedicht der Epoche Romantik zuordnen. Der Schriftsteller Eichendorff ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche.

Die Romantik ist eine Epoche der Kunstgeschichte, die vom Ende des 18. Jahrhunderts bis ins späte 19. Jahrhundert hinein die Literatur, Musik, Kunst und Philosophie prägte. Auf die Literatur beschränkt betrachtet reichen die Auswirkungen der Epoche lediglich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts hinein. Die Frühromantik lässt sich zeitlich bis in das Jahr 1804 einordnen. Die Hochromantik bis 1815 und die Spätromantik bis in das Jahr 1848. Die Welt, die sich durch die einsetzende Verstädterung und Industrialisierung mehr und mehr veränderte, verunsicherte die Menschen. Die Französische Revolution in den Jahren 1789 bis 1799 hatte ebenfalls bedeutende Auswirkungen auf die Romantik. Als Merkmale der Romantik sind die Verklärung des Mittelalters, die Weltflucht, die Hinwendung zur Natur, die Betonung subjektiver Gefühle und des Individuums, der Rückzug in Fantasie- und Traumwelten oder die Faszination des Unheimlichen zu benennen. Wichtige Symbole der Romantik sind die Blaue Blume oder das Spiegel- und Nachtmotiv. Die Stilepoche kennzeichnet sich vor allem durch offene Formen in Gedichten und Texten. Phantasie ist für die Romantiker das Maß aller Dinge. Die Trennung zwischen Poesie und Wissenschaft, zwischen Traum und Wirklichkeit soll durchbrochen werden. Die Romantiker streben eine Verschmelzung von Kunst und Literatur an. Ihr Ziel ist es letztlich, alle Lebensbereiche zu poetisieren.

Das vorliegende Gedicht umfasst 207 Wörter. Es baut sich aus 10 Strophen auf und besteht aus 40 Versen. Weitere Werke des Dichters Joseph von Eichendorff sind „Der verliebte Reisende“, „Die Heimat“ und „In Danzig“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Das Zaubernetz“ weitere 391 Gedichte vor.

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